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Prävention: Gesund trotz Bildschirmarbeit

TITEL

 
Prävention

Gesund trotz Bildschirmarbeit


Von Annette Immel-Sehr / Die Arbeit am Bildschirm ist im Vergleich zu manchen anderen Berufstätigkeiten relativ ungefährlich. Gesundheitliche Risiken birgt sie trotzdem. Typische Beschwerden betreffen Augen und Muskulatur. Ursache sind meist Überbeanspruchung, Bewegungsmangel, falsches Sitzen sowie eine unbefriedigende Arbeitssituation.

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Fragt man Apotheker in der öffentlichen Apotheke danach, ob ihre Berufstätigkeit zu gesundheitlichen Problemen führt, so wird der eine oder andere wahrscheinlich über Venenprobleme, Nacht- und Notdienste, psychische Belastung oder Frust durch überbordende Vorschriften klagen. Nackenprobleme, Rückenschmerzen oder ein schmerzender Arm aufgrund von längerer Bildschirmarbeit dürften eher selten sein. Trotzdem ist das Thema auch für Apotheker relevant. Denn zum einen suchen Kunden Rat in der Apotheke, weil ihnen die Arbeit am Bildschirm Beschwerden bereitet, zum anderen sind auch viele Apotheker, PTA und PKA stundenlang an Bildschirmarbeitsplätzen tätig, beispielsweise in Krankenhäusern, bei Krankenkassen oder im Großhandel.

 

Beschwerden an der Tagesordnung

 




Foto: Fotolia/Picture-Factory


Die Arbeitswelt hat sich drastisch verändert. Immer weniger Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit körper­licher Arbeit. Der Anteil der Beschäftigten in Büros in Deutschland liegt inzwischen bei knapp 50 Prozent – Tendenz steigend. Für rund 80 Prozent aller Bürobeschäftigten sind Bildschirmgeräte das vorrangige Arbeitsmittel (1). Nach Schätzungen des Verbandes Büro,- Sitz- und Objektmöbel e. V. sind rund 18 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland Bildschirmarbeitsplätze (2).

 

In einem Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) wurden Mitarbeiter von öffentlichen Verwaltungen befragt, die vorwiegend in der Programmierung, Sachbearbeitung, Textverarbeitung und Dateneingabe tätig waren. Knapp 80 Prozent berichteten über häufige Beschwerden während und nach der Arbeit, vor allem über Schmerzen an Schulter, Nacken, Rücken und Kopf sowie Augenbeschwerden (Kasten). Die Forscher fanden dabei einen starken Bezug zur Art der Tätigkeit. Je befriedigender, abwechslungsreicher und anspruchsvoller diese war, desto weniger Beschwerden traten auf. Zeitdruck, Überforderung, unzureichende Pausen, fehlende Unterstützung und Anerkennung, mangelnde berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie Sorgen um den Arbeitsplatz wirkten sich dagegen negativ aus (3). Demnach sind auch arbeitsorganisatorische und psychosoziale Aspekte für das körperliche Wohlbefinden von Bedeutung.

 

Vom Gesetzgeber geregelt

 

Die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) formuliert für alle Arten von Tätigkeiten an Bildschirmgeräten Mindestvorschriften für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitenden (4). Die Verordnung legt nicht nur die technischen Mindestanforderungen fest, sondern regelt auch die Softwaregestaltung und die Arbeitsorganisation.

 

Laut BildscharbV haben Beschäftigte an Bildschirmarbeitsplätzen Anspruch auf eine regelmäßige Augenuntersuchung. Diese arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung wird landläufig als G37 bezeichnet (siehe Grafik unten). Eine Untersuchung nach G37 sollte vor der Aufnahme der Arbeit erfolgen und ist dann im Abstand von fünf Jahren, für Arbeitnehmer über 40 Jahren alle drei Jahre zu wiederholen.

 

Stellt der Arzt bei der G 37 eine eingeschränkte Sehschärfe fest, muss der Beschäftigte zunächst selbst für eine korrekt angepasste Brille für den täglichen Bedarf sorgen. Sollten die Probleme trotz Brille und trotz einer ergonomischen Einrichtung des Bildschirmarbeitsplatzes fortbestehen, kann eine spezielle Bildschirmarbeitsplatzbrille notwendig sein. Deren Kosten trägt der Arbeitgeber.




Augenärztliche Untersuchungen sind für Menschen an Bildschirm­arbeitsplätzen Pflicht. An der Spaltlampe können Augenärzte alle Bereiche des Auges untersuchen.

Foto: BVA



Augen bedürfen der Fürsorge

 

Die Augen werden bei der Arbeit am Bildschirm stark gefordert, nicht selten überstrapaziert. So wundert es nicht, dass tränende oder trockene Augen, Bindehautentzündung, verschwommenes Sehen, Augen- und Kopfschmerzen zu den typischen Problemen von Bildschirmarbeitern gehören. Durch das angestrengte Sehen kann sich zudem die Nackenmuskulatur verspannen.

 

Von großer Bedeutung sind die Lichtverhältnisse. Eine zu starke Beleuchtung erschwert die Wahrnehmung, eine zu niedrige vermindert die Sehschärfe. Schon kleine Reflexe auf dem Bildschirm, ausgelöst beispielsweise durch glänzende Möbeloberflächen, können störend sein, da der Mensch unbewusst versucht, ihnen auszuweichen. Ständige Fehlhaltungen verursachen Muskelverspannungen und Kopfschmerzen (5).




Ablauf der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Bildschirmarbeitsplätze (G37) gemäß der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV); modifiziert nach: Verwaltungs­berufs­genossen­schaft VBG. Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Version 2.0/2012-08

Das Auge kann durch eine Verän­derung der Brechkraft der Augenlinse Gegen­stände in unterschiedlicher Entfernung scharf auf der Netzhaut abbilden. Diese Fähigkeit zur Akkomodation nimmt etwa ab dem 40. Lebensjahr ab. Daher benötigen die meisten Menschen irgendwann eine Lesebrille oder eine Brille mit Zweistärkengläsern. Sogenannte Bildschirmbrillen sind speziell auf die Entfernungen am Arbeitsplatz abgestimmt und gewährleisten eine hohe Sehschärfe an Bildschirm, Tastatur und Arbeitsplatz (6).

 

Ein häufiges Problem sind »trockene Augen«. Denn der konzentrierte Blick auf den Monitor verringert die Häufigkeit des Lidschlags. Die Folge ist eine geringere Benetzung der Augenoberfläche mit Tränenfilm. Ein zu hoch aufgestellter Bildschirm kann zu einer stärkeren Lidöffnung und damit zu einer vermehrten Verdunstung von Tränenflüssigkeit führen. Während diese beiden möglichen Ursachen eines Sicca-Syndroms außer Frage stehen, ist unklar, ob und in welchem Umfang das Raumklima bei trockenen Augen eine Rolle spielt (7).

 

Das typische Fremdkörpergefühl bei trockenen Augen ist für Betroffene oft sehr unangenehm, zudem sind die Augen empfindlicher gegenüber Infektionen. Je nach Stärke der Beschwerden eignen sich niedrig oder hoch visköse »künstliche Tränen« zur symptomatischen Behandlung.

 

Fenster oder Klimaanlage?

 

Der Frischluftbedarf hängt von der Arbeitsaufgabe, der erforderlichen Konzentration und dem persönlichen Empfinden ab. Um frische Luft in das Büro zu bringen, ist Stoßlüftung besser als die dauernd gekippten Fenster: Die Lüftung ist effektiver, es dringt weniger Lärm von außen ein und es kommt nicht zu dauernder Zugluft. Ist keine Fensterlüftung vorgesehen, sind raumlufttechnische Anlagen erforderlich.

 

Die Raumlufttechnik sollte so eingestellt sein, dass die relative Luftfeuchte höchstens 50 Prozent beträgt. Eine zu hohe Luftfeuchte begünstigt das Wachstum von Mikroben (7). In der Regel wird eine maximale Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur von 6 bis 8 °C empfohlen. Andernfalls werden kalte Luftströme aus Klima­anlagen als unangenehm empfunden und können zu Beschwerden führen. Untersuchungen zeigen, dass Menschen in klimatisierten Büroräumen häufiger unter Beschwerden leiden als bei freier Fensterlüftung (6, 8).

 

Fragezeichen bei Tonerpartikeln

 

Vor einiger Zeit gerieten Laserdrucker und -kopierer in Verdacht, Atemwegsprobleme zu verursachen. Insbesondere chronischer Schnupfen, Halsschmerzen, Reizhusten und Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder der Bronchien werden den Geräten angelastet. Ursache sollen feinste, mit bloßem Auge nicht sichtbare Tonerpartikel sein, die während des Druckens über das Belüftungs- und Kühlsystem des Geräts in die Luft gelangen.




Strahlenschäden durch Bildschirmarbeit sind nicht nachweisbar. Auch schwangere Frauen dürfen an Bildschirmen arbeiten.

Foto: Colourbox


Das Institut für Innenraum- und Umwelt­to­xi­ko­lo­gie des Universitätsklinikums Gießen un­ter­suchte im Auftrag des Bundes­in­sti­tuts für Risikobewertung (BfR) mögliche Zu­sam­men­hän­ge zwischen den Emissionen aus Laser­druckern und Fotoko­pierern und ge­sund­heit­lichen Be­ein­träch­ti­gun­gen bei Büro­an­ge­stell­ten. Das Ergebnis: Die meisten Parameter waren nicht auffällig. Allerdings war der Anteil ärztlich nicht erklärbarer körperlicher Be­schwer­­den bei den untersuchten Personen höher als in Vergleichs­kol­lek­ti­ven. Zudem re­agier­te ein Teil der Personen überem­pfind­lich auf bron­chi­ale Reize (9). Fazit: Eine gesundheitliche Be­ein­träch­ti­gung durch die Emission feiner und ultrafeiner Partikel beim Druckprozess wird nicht ausgeschlossen.

 

Das BfR rät sicherheitshalber, häufig genutzte Laserdrucker und Fotokopierer in separaten Räumen mit guter Luftzirkulation zu betreiben – allerdings nicht in solchen, in denen Essen verzehrt wird. Wer einen Drucker und Kopierer anschafft, sollte ein emissionsarmes Modell wählen – erkennbar an Prüfzeichen wie »DGUV Test« oder »Der Blaue Engel« (8, 9).

 

Beim Tonerwechsel und bei der Entsorgung von Tonerabfällen ist aus gesundheitlichen Gründen Vorsicht geboten. Wie man es machen sollte, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einem Faltblatt »Tonerstaub am Arbeitsplatz« zusammengestellt (10).


Das Leid mit den Venen

Langes und falsches Sitzen kann nicht nur zu Rückenproblemen, sondern auch zu Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Problemen führen. In einer statischen Sitzposition werden die Venen im Knie- und Beckenbereich abgeknickt und der Rückfluss des Blutes zum Herzen behindert. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, hat erwiesenermaßen ein erhöhtes Thromboserisiko.

 

Arbeitsmediziner empfehlen, den Blutfluss in den Venen durch regelmäßiges Bewegen der Füße und Beine zu unterstützen, zum Beispiel immer wieder deren Stellung zu wechseln, mit den Füßen zu kreisen oder zu wippen. Wenn möglich sollten die Beine zwischendurch hochgelagert werden. Günstig für die Venen ist jede Form von Bewegung, die die Fuß- und Wadenmuskulatur aktiviert. Daher sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, sich die »Beine zu vertreten«, etwa durch kleine Arbeitsgänge oder einen Spaziergang in der Mittagspause. Und selbstverständlich gilt: Treppe statt Fahrstuhl!


Keine Gefahr durch Strahlen

 

Unter dem Begriff Elektrosmog versteht man die technisch verursachte elektromagnetische Strahlung in der Umwelt. Mögliche Gesundheitsgefahren werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Unter anderem werden mutagene oder teratogene Effekte befürchtet. Die Wirkung der elektromagnetischen Strahlung wurde daher intensiv untersucht. Bislang konnte aller­dings keinerlei Zusammenhang zwischen Gesundheitsstörungen und elektromagnetischen Feldern nachgewiesen werden, wie sie durch übliche Haushalts- und Bürogeräte erzeugt werden. Somit gibt es auch keinen Grund, dass Schwangere nicht an Bildschirmen tätig sein dürften (7, 8).

 

Sitzen ist unnatürlich

 

Der moderne Büroarbeiter sitzt täglich stundenlang mehr oder weniger still und bewegt sich nur minimal. Die andauernde körperliche Unterforderung lässt die Muskulatur, vor allem des Rumpfs, erschlaffen. Insgesamt gerät das feine Zusammenspiel von Rumpfmuskulatur und Wirbelsäule aus dem Gleichgewicht. Muskeln verkürzen sich, es kommt zu Fehlhaltungen, Spannungen und Rückenschmerzen. Der Rücken verformt sich zum Rundrücken, was zu einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheiben führt (7). Auch die Venen leiden unter langem Sitzen (Kasten).

 

Der Schultergürtel bildet mit der Muskulatur von Armen, Hals und Rumpf eine funktionelle Einheit. Störungen in einem Strukturelement können auf benachbarte Abschnitte übergehen oder reflektorisch zu Verspannungen der Schultergürtelmuskulatur führen. Auf Dauer kann daraus ein myofasziales Schmerzsyndrom entstehen. Charakteristisch sind myofasziale Triggerpunkte – überempfindliche Stellen in der verspannten Muskulatur. Die Erkrankung geht zudem mit herabgesetzter Beweglichkeit und Muskelschwäche in dem betroffenen Gebiet einher. Offenbar kommt es durch die Verspannung zu einer lokal begrenzten Unterversorgung des Muskels mit Sauer­stoff. Hypoxie, unzureichende Energiezufuhr sowie Ausschüttung proinflammatorischer Substanzen bewirken eine Sensibilisierung umliegender Nozizeptoren. Die entstehenden Schmerzen können sich über spinale Reflexe auf benachbarte Muskelbereiche ausdehnen.

 

Die Behandlung erfolgt vor allem mit Physio- und Wärmetherapie. Bei starken Beschwerden werden Muskelrelaxanzien und Analgetika eingesetzt (11, 12).

 

Mausarm oder RSI




Eine andauernde hohe Belastung des Handgelenks kann zu einer Funktionsstörung von Nerven führen.

Foto: Shutterstock/sixninepixels


Wenn das Arbeiten mit der Computermaus Schmerzen verursacht, sollten Betroffene zu allererst für eine ergonomische Einrichtung des Arbeitsplatzes sorgen. Unter Umständen können alternative Eingabegeräte wie Trackball, Touchpad, Vertikalmaus, Stiftmaus oder Rollbalken hilfreich sein (8). Verschwinden die Beschwerden nicht, sollte ein Arzt abklären, ob möglicherweise eine Erkrankung des Armes oder der Hand vorliegt.

 

Schmerzhafte sensorische Störungen in Hand und Unterarm bezeichnen Laien schnell als »Mausarm«. Doch die Ursache der Beschwerden ist meist schwer auszumachen – die Computermaus ist es nur in seltensten Fällen. Mediziner sind sich einig, dass eine sich ständig wiederholende Bewegung über einen längeren Zeitraum in ungünstiger Haltung Beschwerden aus­lösen kann. Sie sprechen von »RSI« – repeti­tive strain injury. Das sind Verletzun­gen, die durch wiederholte Beanspruchung hervorgerufen werden. Beispielsweise können Arbeiten am Fließband oder möglicherweise auch an der Computertastatur die Beschwerden auslösen. Dagegen ist die Arbeit mit der Computermaus nur sehr selten so stark repetitiv und mit solchem Kraftaufwand verbunden, dass sie ein RSI verursachen könnte.

 

Doch selbst wenn die Erkrankung mittlerweile einen Namen hat, so sind noch viele Fragen offen. Das fängt schon mit der Diagnose an, die sehr schwer zu stellen ist. Denn weder in bildgebenden Verfahren noch in Gewebeproben ist eine lokale Schädigung nachweisbar (8).

 

Auch über die Ursachen des RSI wird kontrovers diskutiert. Aus Sicht der Verwaltungsberufsgenossenschaft ist eine überwiegende Verursachung durch berufliche Tätigkeiten nicht belegt. RSI ist somit auch nicht als Berufskrankheit anerkannt. Als Pathogenese wird vermutet, dass es bei wiederholten ungünstigen Bewegungsabläufen zu muskulären Ko-Kontraktionen kommt, also zu einer gleichzeitigen Aktivierung von agonistisch und antagonistisch arbeitenden Muskeln. Dies führt zu Gewebeschäden und Muskelfaserrissen in der betroffenen Extremität. Das geschädigte Gewebe kumuliert, da die Arbeits­unterbrechungen nicht für die Reparaturprozesse ausreichen. Mit der Zeit entstehen Schmerzen, sensorische Störungen und Kraftverlust (13).

 

Nicht selten sind RSI-Patienten während einer längeren Arbeitsunterbrechung (Urlaub, Krankschreibung) völlig beschwerdefrei. Sobald sie ihre Arbeit wieder aufnehmen, treten die alten Beschwerden nach wenigen Stunden wieder auf. Man vermutet, dass sich ein Schmerzgedächtnis ausgebildet hat, dass durch die Bewegungen aktiviert wird (14).

 

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Änderung der Arbeits­bedingungen. Zum einen muss der Arbeits­platz ergonomisch eingerichtet sein. Zum anderen sollten Arbeitgeber und -nehmer gemeinsam versuchen, den Stress aus der Arbeit zu nehmen. Denn Stress trägt wesentlich zur Entstehung und Aufrechterhaltung des RSI bei. Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie sind oft hilfreich. Eine begleitende physiotherapeutische Behandlung mit Dehn- und Kraftübungen unterstützt die Therapie (13). Analgetika lindern zwar die Schmerzen und beugen einer Chronifizierung vor, lösen das Problem aber nicht.

 

Handgelenk in Gefahr

 

Auch das Karpaltunnelsyndrom wird immer wieder im Zusammenhang mit Bildschirmarbeit angeführt. Jedoch ist ein Zusammenhang mit dem Gebrauch der Computermaus nicht nachgewiesen (15).

 

Das Karpaltunnelsyndrom ist ein häufiges Nerven-Engpass-Syndrom im Handgelenk, das sich meist an beiden Händen zeigt – etwa 1 Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Durch die Einengung des Karpalkanals kommt es zu einer Funktionsstörung des Medianus-Nervs. Typische Symptome sind Kribbeln und »Einschlafen« der Finger vor allem nachts oder nach starker Belastung des Handgelenks. Im Spätstadium sistieren die Beschwerden, und es kommt zum Kraftverlust der Finger.




Zwischendurch im Stehen zu arbeiten, entlastet Rückenmuskulatur und Wirbelsäule.

Foto: Colourbox


Häufig ist keine eindeutige Ursache feststellbar. Infrage kommen Verletzungen des Handgelenks, Rheuma, Gicht oder hormonelle Veränderungen. Auch eine hohe Belastung des Handgelenks kann zu einer Funktionsstörung des Nervs führen, beispielsweise Arbeiten mit vibrierenden Geräten. Für einige Berufe kann das Karpaltunnelsyndrom als Berufskrankheit anerkannt werden, etwa für Montage- und Forstarbeiter. Für Betroffene an Bildschirmarbeitsplätzen sind eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und ausreichende Pausen besonders wichtig. Im Frühstadium wird die Erkrankung meist mit Ruhigstellung mittels Handgelenkschiene oder Infiltration einer Corticoid-Kristallsuspension in den Karpaltunnel therapiert. In schweren Fällen ist eine Operation unumgänglich.

 

Wird die Sehne im Handgelenkbereich durch Arbeiten in ungünstiger Position gereizt, kann sich die Sehnenscheide entzünden (Tendovaginitis). Als Sehnenscheiden bezeichnet man die mit Synovialflüssigkeit gefüllten Umhüllungen von Sehnen. Sie sind an den Stellen ausgebildet, wo Sehnen mit erhöhter Spannung über Gelenke laufen, um sie vor Abrieb zu schützen. Charakteristisch für Sehnenscheidenentzündungen sind starke, immer wiederkehrende ziehende Schmerzen, die zunächst nur bei Bewegung auftreten, später auch im Ruhezustand. Häufig gehen sie mit lokaler Überwärmung, Schwellung und Rötung einher.

 

Nur wenn das Gelenk konsequent geschont wird, können die Beschwerden ausheilen. Dazu wird der betroffene Körperteil häufig mit Schienen, Tape- oder Gipsverband ruhigstellt.

 

Ergonomie am Schreibtisch

 

Ergonomie ist eine Teildisziplin der Arbeitswissenschaften. Ihr Ziel ist, durch Anpassung der Arbeitsbedingungen, der Arbeitsabläufe und Anordnung der Werkzeuge ein optimales Arbeiten sicherzu­stellen und zugleich Gesundheitsschäden zu verhindern. Ergonomische Büroarbeitsplätze sollen vor allem ermüdungsfreies Sehen und eine optimale Haltung ermöglichen.




Bewegung am Arbeitsplatz tut Körper und Seele gut.

Foto: DAK-Gesundheit


Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist der richtige Abstand zwischen Auge und Bildschirm. Er liegt zwischen 50 und 80 Zentimeter. Die oberste lesbare Zeile auf dem Bildschirm sollte auf Augenhöhe oder etwas darunter liegen. Zugleich ist der Bildschirm ein wenig nach hinten zu kippen. So ergibt sich für den Nutzer eine leichte Blickneigung, was eine übermäßige Öffnung der Lider verhindert und zudem von vielen als angenehm empfunden wird.

 

Die Sitzfläche des Stuhls ist so hoch einzustellen, dass die Oberarme entspannt senkrecht herabhängen und die Unterarme im 90-Grad-Winkel auf der Tischplatte liegen. Alternativ lässt sich dies durch Höhenverstellung der Tischplatte erreichen. Allerdings ist dabei zu beachten, dass genügend Beinfreiheit bleibt und die Oberschenkel nicht zwischen Sitzfläche und Tischplatte eingeklemmt sind. Tastaturen mit abgewinkelter Tastenanordnung sowie Handgelenkauflagen für Tastatur und Maus verhindern, dass die Hände seitlich oder nach unten abgewinkelt werden. Zu Beginn sind solche ergo­nomischen Hilfsmittel meist etwas gewöhnungs­bedürftig.

 

Auch die Kniegelenke sollten einen rechten Winkel bilden. Wenn die Füße nicht flach auf dem Boden stehen, ist ein Fußbänkchen empfehlenswert.

 

Zur Variation der muskulären Belastung ist es sinnvoll, zeitweise an einem Stehpult zu arbeiten. Mittlerweile gibt es auch Schreibtische, deren Arbeitsplatte im Handumdrehen hochgefahren werden kann.

 

Beim Büroarbeitsstuhl ist es wichtig, dass die Oberkante der Rückenlehne bis in den Bereich der Schulterblätter reicht und ihre Wölbung die Wirbelsäule im unteren und mittleren Bereich unterstützt. Wünschenswert ist das »dynamische Sitzen«: mal vorgeneigt, mal aufrecht und mal zurückgelehnt sitzen. Dazu muss die Lehne beweglich sein, damit sie der Anlehnkraft nachgibt. Armlehnen entlasten die Schulter-Nacken-Muskulatur. Sitz-/Kniemöbel sind ebenso wie Pendelhocker als alleinige Sitzgelegenheit an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen nicht geeignet (8).

 

Regelmäßiges stundenlanges Arbeiten mit einem Notebook ist aus ergonomischen Gründen nicht empfehlenswert, da eine flexible, individuell passende Anordnung von Bildschirm und Tastatur nicht möglich ist. Dies führt zwangsläufig zu Verspannungen. Auch sind die Notebook-Tastaturen kleiner und weniger praktisch, sodass es schneller zu Ermüdung kommt. Wenn das Arbeiten mit einem Notebook jedoch erforderlich ist, sollten mindestens eine separate Tastatur sowie eine Maus benutzt werden. Empfehlenswert ist eine Dockingstation mit separatem Bildschirm sowie separater Tasta­tur und Maus (8). Ähnliches gilt für Tablet-Computer.

 

Bewegung nicht vergessen

 

Ein ergonomischer Arbeitsplatz ersetzt nicht die regelmäßige Bewegung. Die Devise lautet: alle 20 bis 30 Minuten aufstehen und sich bewegen. Eine gute Angewohnheit ist es, zum Telefonieren immer aufzustehen. Man findet im Inter­net viele Vorschläge für eine praktikable »Büro-Gymnastik« (siehe Linkliste zum Titelbeitrag). Diese Mini-Übungen von wenigen Minuten lassen sich mit gutem Willen meist in den Büroalltag einbauen. Damit die guten Vorsätze nicht untergehen, können entsprechende Bildschirmschoner oder regelmäßige Erinnerungen auf dem PC installiert werden.

 

So sinnvoll Büro-Gymnastik ist, so wichtig ist insgesamt eine bewegte Lebens­weise zum Ausgleich für den Büro­alltag. An Möglichkeiten und Sportangeboten mangelt es bekanntlich nicht. Man muss sie nur umsetzen. /

 

Literatur bei der Verfasserin


Die Autorin

Annette Immel-Sehrstudierte Pharmazie in Bonn und Frankfurt/Main. Nach der Approbation 1988 wurde sie mit einer Arbeit über ein pharmakologisches Thema am Pharmakologischen Institut für Naturwissenschaftler der Universität Frankfurt promoviert. Von 1992 bis 1999 war Dr. Immel-Sehr als Referentin für Aus- und Fortbildung bei der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände tätig. Seither arbeitet sie freiberuflich als Beraterin für Wissenschafts-PR und als Fachjournalistin.

 

Dr. Annette Immel-Sehr Behring­straße 44, 53177 Bonn-Bad Godesberg, ais(at)immel-sehr.de




Beitrag erschienen in Ausgabe 36/2014

 

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