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Mit Nasenknorpel Knie reparieren

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Mit Nasenknorpel Knie reparieren
 


Nasale Chondrozyten können beschädigte Knorpel an Gelenken ersetzen. Die Zellen aus der Nasenscheidewand seien in der Lage, sich an die Umgebung beispielsweise des Kniegelenks anzupassen und so Knorpeldefekte zu heilen, schreiben Forscher um Dr. Karoliina Pelttari von der Universität Basel im Fachjournal «Science Translational Medicine». Knorpelschäden gelten bislang als schwer heilbar und erfordern oft komplizierte Operationen mit langwierigen Rehabilitationen. Das könne sich nun ändern: Die Knorpelzellen der Nasenscheidewand hätten die besondere Fähigkeit, sich anzupassen und zu regenerieren, heißt es in der Pressemeldung der Universität.
 
Für die laufende Studie an 25 Patienten unter 55 Jahren entnahmen die Forscher kleine Biopsien von 6 Millimeter Durchmesser aus der Nasescheidewand. Sie isolierten die Knorpelzellen, vermehrten sie in Kultur auf ein Vielfaches und bauten sie auf ein Gerüst auf. Mit dem daraus gezüchteten 30 x 40 Millimeter großen Transplantat wurde dann das beschädigte Knieknorpelgewebe bei den Patienten ersetzt.
 
Nach den Angaben der Uni Basel war das Forschungsteam schon bei Untersuchungen an Ziegen überrascht, dass die Knorpelzellen der Nase mit der Gewebeumgebung am Kniegelenk kompatibel sind, obwohl sich die Zelltypen unterscheiden. Denn in der embryonalen Entwicklung entstünden Zellen der Nasenscheidewand aus dem äußeren Keimblatt (Neuroektoderm), aus dem sich auch das Nervensystem bilde. Ihre Regenerationsfähigkeit werde damit erklärt, dass bei ihnen einige sogenannte Homöobox (Hox)-Gene nicht exprimiert seien. Dagegen fänden sich diese Hox-Gene in Zellen des Gelenkknorpels, die sich im Embryo aus dem mittleren Keimblatt (Mesoderm) bilden.
 
«Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und den präklinischen Studien über die Eigenschaften der Nasenknorpelzellen und den daraus gezüchteten Transplantaten haben die Möglichkeit eröffnet, eine innovative Behandlung für Knorpeldefekte bei Patienten zu untersuchen», sagt Professor Dr. Ivan Martin, Professor für Tissue Engineering laut Pressemeldung. Die Fähigkeit der menschlichen Nasenknorpelzellen, zu wachsen und neue Knorpel zu bilden, sei zudem nicht altersabhängig. Auch ältere Menschen könnten so von der neuen Methode profitieren, sowie Patienten mit größeren Knorpelverletzungen. (ke)
 
doi: 10.1126/scitranslmed.3009688
 
28.08.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Photographee.eu
 

 

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