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Hepatitis C: Neue Erfolge mit Interferon-freier Therapie

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Hepatitis C: Neue Erfolge mit Interferon-freier Therapie
 


Behandlungsregime zur Hepatitis-C-Behandlung werden in Zukunft oral sowie kürzer und besser verträglich sein als bisher und dabei ohne Interferon und Ribavirin auskommen. Davon zeigen sich Forscher im Fachjournal «The Lancet» anlässlich des heutigen Welt-Hepatitis-Tags überzeugt. Sie gehen davon aus, dass diese Fortschritte auch bislang schwer zu behandelnden Patienten und solchen mit fortgeschrittenen Lebererkrankungen zugutekommen werden. In zwei Phase-III-Studien konnten Ärzte auf diese Weise Patienten mit dem Virussubtyp 1 erfolgreich behandeln.

Hannoveraner Forscher testeten eine orale Therapie mit Asunaprevir und Daclatasvir (beide von Bristol-Myers-Squibb) an 645 Patienten aus 18 Ländern, die mit Hepatitis-C-Viren (HCV) vom Genotyp 1b infiziert waren. Als Vergleich dienten 102 mit Placebo behandelte Patienten. Bei 90 Prozent der zuvor unbehandelten Patienten und 82 Prozent der erfolglos vorbehandelten Patienten konnten die Viren mit der neuen Arzneistoffkombination innerhalb von 24 Wochen eliminiert werden. Beim Ansprechen zeigten sich keine Unterschiede zwischen Männern, älteren Patienten, Afroamerikanern und Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung. Diese Eigenschaften galten bislang als negative Einflussfaktoren auf den Therapieerfolg. «Diese neue, rein orale, Interferon- und Ribavirin-freie Kombination könnte eine effektivere, sicherere, kürzere und einfachere Behandlungsoption für die bislang schwierig zu behandelnden Patienten mit Zirrhose oder Therapieversager darstellen», kommentierte Studienleiter Professor Dr. Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover die Ergebnisse der HALLMARK-DUAL-Studie.

Asunaprevir hemmt wie die bereits verfügbaren Arzneistoffe Boceprevir, Telaprevir und Simeprevir das Virusprotein Serinprotease NS3. Daclatasvir inhibiert eine RNA-abhängige RNA-Polymerase, das nicht strukturelle Protein NS5A. Das bereits verfügbare Sofosbuvir hat mit der NS5B-Polymerase ein ähnliches Ziel. Daclatasvir hat bereits im Juni eine Zulassungsempfehlung in der EU erhalten, über die die EU-Kommission in den kommenden Monaten entscheiden wird.

In der COSMOS-Studie untersuchten US-amerikanische und europäische Forscher 167 Patienten mit HCV der Genotypen 1a und 1b. Sie bekamen über zwölf oder 24 Wochen einmal täglich Sofosbuvir plus Simeprevir. Ein Teil der Patienten erhielt zusätzlich Ribavirin. Schon nach zwölf Wochen war bei 93 Prozent der Teilnehmer auch ohne Ribavirin das Virus nicht mehr nachweisbar – sogar bei Patienten mit Leberzirrhose oder bei solchen, die zuvor nicht auf eine Interferon-basierte Therapie angesprochen hatten. Auch drei Monate nach Therapieende ließen sich keine Viren im Blut finden. Eine Verlängerung der Behandlung auf 24 Wochen oder die zusätzliche Gabe von Ribavirin brachten keinen Zusatznutzen. Nur 2 Prozent der Patienten erlitten schwere Nebenwirkungen oder brachen die Therapie frühzeitig ab. Beide Arzneistoffe sind bereits auf dem Markt.

In einem begleitenden Kommentar äußert Professor Dr. Ed Gane, Direktor des neuseeländischen Lebertransplantations-Zentrums am Auckland-City-Hospital, die Hoffnung, diese neuen Kombinationstherapien könnten in Kombination mit besserer Diagnose und Prävention die Hepatitis-C-Viren ausrotten. Als größte Hürde sieht er die hohen Preise der neuen Medikamente. Da 75 Prozent der HCV-Patienten auf der Erde in wirtschaftlich schwachen Ländern lebten, müssten Wege gefunden werden, ihnen die Medikamente zugänglich gemacht werden. Solange müssten die Patienten weiter mit dem vergleichsweise günstigen Interferon behandelt werden.

Hepatitis-C-Viren verursachen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit rund 60 Prozent am häufigsten die chronische Leberentzündung und gelten als am schwierigsten zu behandeln. Bislang gilt als Standardtherapie eine Kombination aus pegyliertem Interferon-α, Ribavirin und einem Proteasehemmer. Das erfordert ein- oder dreimal wöchentliches Spritzen sowie bis zu 18 Tabletten pro Tag über mehrere Monate bis zu einem Jahr. Schwere Nebenwirkungen wie Blutarmut und Depressionen gelten als sehr häufig. (db)

doi: 10.1016/S0140-6736(14)61059-X  (HALLMARK-DUAL-Studie)
doi: 10.1016/S0140-6736(14)61036-9 (COSMOS-Studie)


Wirkstoffprofile in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe:
Boceprevir (Victrelis® / 2011)
Simeprevir (Olysio® / 2014)
Sofosbuvir (Sovaldi® / 2014)
Telaprevir (Incivo® / 2011)
 
28.07.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Photocrew
 

 

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