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Sport gegen Krebs: Therapie mit ungeahnten Möglichkeiten

MEDIZIN

 
Sport gegen Krebs

Therapie mit ungeahnten Möglichkeiten

Von Daniela Biermann, Berlin

 

Beugt regelmäßiger Sport Krebs vor? Und darf ein Patient kurz nach einer Chemo schon wieder trainieren? Antworten gab es auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin.

 

Jede Art von Bewegung hat positive Auswirkungen auf Vorgänge im Körper, die eine Krebsentstehung erschweren: Sport kurbelt das Immunsystem und die DNA-Reparatur an, beschleunigt die Entgiftung und senkt den Spiegel bestimmter Wachstumsfaktoren und Hormone. »Die genauen Wirkmechanismen sind jedoch noch nicht bekannt«, sagte Privatdozentin Dr. Karen Steindorf vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Für den schützenden Effekt von Sport gibt es zahlreiche Hinweise, zum Beispiel bei Prostata- und Gebärmutterkrebs. Die Datenlage zu dem Thema wächst.

 

Hinreichend belegt sei bereits der präventive Effekt von Sport bei Kolon- und Mammakarzinom, sagte Steindorf. Das Brustkrebsrisiko sinkt um 20 bis 40 Prozent, wenn Frauen trainieren. Es profitieren hier vor allem postmenopausale Frauen. Das Darmkrebsrisiko lässt sich durch Sport sogar um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Dabei gibt es eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Dass heißt, je mehr und je häufiger jemand Sport treibt, desto stärker sinkt sein Risiko, an einer der beiden häufigsten Krebsarten in Deutschland zu erkranken. Der Unterschied, ob jemand lebenslang aktiv ist, oder erst spät mit dem Sport anfängt, ist minimal. Steindorf sieht es als Ermutigung: »Es ist nie zu spät, aktiv zu werden.« Sie empfahl, täglich mindestens 30 Minuten moderat zu trainieren; fittere Patienten sollten sich sogar 60 Minuten bewegen.

 

Patient muss aktiv werden

 

Eine absolute Gewähr, nicht an einem Karzinom zu erkranken, gibt Sport nicht. Aber er hat durchaus positive Effekte auf Krebspatienten. Privatdozent Dr. Fernando Dimeo von der Berliner Charité bezeichnet Sport als »kardioprotektives, blutdruckstabilisierendes, gewichtsenkendes, stoffwechselanregendes, knochenfestigendes, muskelaufbauendes, stimmungsaufhellendes Medikament mit noch ungeahnten therapeutischen Möglichkeiten«. Traditionell gingen Mediziner davon aus, dass sich Tumorpatienten erholen müssen. Ihr Körper macht eine chronische Entzündung durch; aufgrund der Chemotherapie kommt es zu Blutarmut. Anthrazykline und Cyclophosphamid wirken kardiotoxisch; supportiv eingesetzte Medikamente wie Glucocorticoide und Ciclosporin verursachen Myopathie und Sarkopathie. Bei Lungenkrebs ist zudem die Vitalkapazität eingeschränkt.

 

Auf der anderen Seite bauen Patienten durch den Bewegungsmangel Muskelmasse ab und verlieren ihre Leistungsfähigkeit. Dadurch erschöpfen sie rascher und brauchen noch mehr Ruhe. 50 bis 70 Prozent der Zytostatikapatienten leiden unter Fatigue. Diese lässt sich jedoch durch ein richtig dosiertes Training verbessern. »Tumorpatienten brauchen körperliche Aktivität und Motivation,« sagte Dimeo. »Sie werden dadurch nicht geschädigt.«

 

Der Meinung ist auch Dr. Anke Kleine-Tebbe, Gynäkologin an der Charité. Hier wird Brustkrebspatientinnen ein Ausdauertraining angeboten. Eine kleine Studie ergab, dass bei Patientinnen mit adjuvanter Chemotherapie plus Bewegungsprogramm weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit und Mukositis auftraten als bei Frauen, die an einem Entspannungsprogramm teilnahmen.

 

Die optimale Trainingsdauer liegt zwischen 45 und 60 Minuten. »Besser öfter und kürzer, als seltener und länger«, lautet ihr Rat. Da heute die Operationen schonender und mit kurzer Narkose ablaufen, spricht nichts dagegen, die Patienten schon früh wieder zu mobilisieren. Man startet mit sanften Dehnungs- und Kräftigungsübungen, nach zwei bis vier Wochen können sie Walken oder auf dem Fahrradergometer trainieren und nach vier bis sechs Wochen wieder Joggen oder Schwimmen. Erhält der Patient eine Bestrahlung oder eine konventionelle Chemotherapie (im Gegensatz zur intensiven), kann er auch während der Behandlungsdauer aktiv sein. Am Chemotag selbst sollte er jedoch aussetzen. Ein paar Kontraindikationen sind aber auch beim Sport zu beachten, wie Fieber, akute Erkrankungen, neu auftretende Schmerzen, Anämien und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bevor es losgeht, sollte jeder Patient einen Check-up wie im Fitnessstudio üblich machen oder sich sportmedizinisch untersuchen lassen.


Informationen des DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) informiert auf seinen Seiten über die präventive Wirkung von Sport (www.krebsinformationsdienst.de/themen/vorbeugung/sport.php) und über Sport als Therapie für Tumorpatienten (www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/sport-nach-krebs.php).


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Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2008

 

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