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Leitlinie: Opioide werden zu häufig eingesetzt

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Leitlinie: Opioide werden zu häufig eingesetzt
 


Patienten, die unter nicht tumorbedingten Schmerzen leiden, bekommen in Deutschland immer häufiger Opioide verordnet – zu häufig, wie jetzt führende Schmerztherapeuten feststellen. In der Neufassung der S3-Leitlinie «Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS)», die unter Koordination der Deutschen Schmerzgesellschaft erstellt wurde, führen die Autoren Studien mit Krankenkassendaten als Beleg für die gestiegene Verordnungshäufigkeit von Opioiden bei chronischen, nicht an Krebs erkrankten Schmerzpatienten an. Diese Daten belegen auch, dass die starken Analgetika häufig bei Krankheitsbildern gegeben werden, bei denen die entsprechenden Leitlinien den Einsatz nicht empfehlen, beispielsweise Fibromyalgiesyndrom, somatoforme Schmerzstörungen und Kopfschmerzen. Umgekehrt sei es möglich, dass Patienten mit prinzipiell opioidsensitiven Schmerzarten, beispielsweise neuropathischen Schmerzen, mit Opioiden unterversorgt seien, so die Leitlinie.

 

In folgenden Indikationen nennt die LONTS-Leitlinie Opioide als Therapieoption für vier bis zwölf Wochen: diabetische Polyneuropathie, Postzosterneuralgie, Phantomschmerz, Schmerz nach Rückenmarksverletzung, schmerzhafte Radikulopathie (Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln), chronischer Arthroseschmerz, chronischer Rückenschmerz. Patienten mit chronischen Rücken-, Arthrose- oder neuropathischen Schmerzen, bei denen die zeitlich befristete Therapie erfolgreich und die Nebenwirkungen gering waren, können Opioide als langfristige Therapieoption angeboten werden. Kürzer, nämlich bis zu sechs Wochen, sollte die symptomatische Schmerztherapie mit Opioiden bei rheumatoider Arthritis sein. Patienten mit chronischer Pankreatitis oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sollten Opioide maximal vier Wochen ohne Unterbrechung erhalten. Bei allen anderen nicht tumorbedingten chronischen Schmerzen stellt die Gabe von Opioiden einen individuellen Heilversuch dar.

 

Als Kontraindikationen nennt die Leitlinie primäre Kopfschmerzen, Schmerzen bei funktionellen Störungen, chronischen Schmerz als (Leit-)Symptom psychischer Störungen und das Fibromyalgiesyndrom. Bei Letzterem kann aber über acht bis zwölf Wochen Tramadol als Monotherapie oder in Kombination mit Paracetamol zum Einsatz kommen.

 

Bei der jetzt vorgelegten Leitlinie handelt es sich um eine Konsultationsfassung, die bis zum 31. August 2014 zur öffentlichen Kommentierung freigegeben ist. Die Leitlinie selbst, der Methodenreport sowie eine Lang- und eine Kurzfassung für Patienten sind unter dem unten angegebenen Link zu finden. Dort besteht auch die Möglichkeit, einen Kommentar abzugeben. (am)

 

Lesen Sie dazu auch

Von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. initiierte Leitlinien: LONTS (externer Link)

Nebenwirkungen von Opioiden: Mehr als bloß Verstopfung, PZ 10/2014

 

16.07.2014 l PZ

Foto: ABDA

 

 

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