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Gröhe gegen jede Form organisierter Sterbehilfe

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Gröhe gegen jede Form organisierter Sterbehilfe
 


In der Sterbehilfedebatte hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ein Verbot von jeglicher Form der organisierten Hilfe zur Selbsttötung verlangt. Nicht nur geschäftsmäßig betriebene Sterbehilfe, sondern auch von Vereinen organisierte Unterstützung beim Suizid müssten unter Strafe gestellt werden, sagte er am Montag beim Kirchenforum der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hannover. Die Gefahr sei sonst, dass Sterbehilfe zu einer Dienstleistung werde, die als Alternativmöglichkeit neben eine medizinische Behandlung trete und Ärzte zu Dienern des Todes mache, sagte Gröhe. Das Grundgesetz verpflichte zum Schutz des Lebens. Beihilfe zur Selbsttötung solle wie bisher straffrei bleiben.


Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bekräftigte die feste Position der Kirche, nach der Selbsttötung und Beihilfe dazu abzulehnen sind. Werde die Hilfe zur Selbsttötung institutionalisiert, könne dies zu einer Normalisierung des Suizids, etwa bei einer aussichtslosen Krankheit, führen. Es sei fraglich, ob eine gesetzliche Regelung für die Grauzone zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe und für menschliche Grenzsituationen sinnvoll sei. «Der Mensch gehört Gott, nicht sich selbst und auch keinem anderen, der über ihn verfügen kann», sagte Schneider zum Wunsch nach einem selbst gewählten Sterben. «Den Christ trägt die Hoffnung auf ein unzerstörbares Leben nach dem Tod.»


Der Tübinger Medizinethiker Professor Dr. Urban Wiesing plädierte für einen ärztlich assistierten Suizid nach strengen Regeln. Dafür sei eine gesetzliche Neuregelung erforderlich, es bedürfe aber keiner neuen Institutionen. Genügend Ärzte ständen für eine Hilfe zur Selbsttötung bereit.


Nach einem gescheiterten Anlauf will der Bundestag im kommenden Jahr über eine Gesetzesreform bei der Sterbehilfe entscheiden. Zuvor wird im Parlament eine schwierige Ethikdebatte erwartet. Bisher ist in Deutschland passive Sterbehilfe durch den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen erlaubt. Wenn es dem Patientenwillen entspricht, ist auch indirekte Sterbehilfe durch die Gabe starker Schmerzmittel erlaubt, die die Lebensdauer verkürzen. Auch Beihilfe zum Suizid ist erlaubt, aktive Sterbehilfe wie Tötung auf Verlangen hingegen steht unter Strafe.

 

15.07.2014 l dpa

Foto: Fotolia/Alexander Raths

 

 

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