Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Analyse: Wenig Vitamin D, schlechte Krebsprognose

NACHRICHTEN

 
Analyse: Wenig Vitamin D, schlechte Krebsprognose
 


Krebspatienten mit geringem Vitamin-D-Spiegel haben schlechtere Chancen, die Krankheit zu überleben als solche mit hohen. Das berichten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum im «British Medical Journal». Für ihre Untersuchung fassten sie die Daten von acht Studien mit insgesamt mehr als 26.000 Teilnehmern zwischen 50 und 79 Jahren aus mehreren Ländern zusammen. Sie teilten die Probanden je nach ihrer Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin D im Blutserum in fünf Gruppen ein. Anschließend schauten sie sich die Sterberaten an.

Im Laufe der bis zu 16-jährigen Beobachtungszeit starben 6695 Teilnehmer, davon 2227 an Krebs. Dabei war insgesamt bei den Probanden mit den niedrigsten Vitamin-D-Spiegeln die Gesamtsterblichkeit um den Faktor 1,57 erhöht gegenüber denjenigen mit den höchsten Vitamin-D-Werten. Wer bereits bei Studienbeginn einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel und Krebs aufwies, hatte ein erhöhtes Sterberisiko. Das gilt jedoch nicht für Probanden mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel, die erst während des Beobachtungszeitraums Krebs entwickelten. Ihre Prognose war nicht schlechter als bei Patienten mit höheren Vitamin-D-Spiegeln.

«Das bedeutet, dass Vitamin D-Mangel wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Krebsentstehung hat, aber sich ungünstig auf den Verlauf der Krebserkrankungen auswirken könnte», erklärt Dr. Ben Schöttker, der Erstautor der Arbeit. Diese Studienergebnissen deuteten nicht darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel das Krebsrisiko erhöht. Ist man aber einmal an Krebs erkrankt, ist ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ein schlechtes Zeichen.

«Mit der Interpretation müssen wir im Moment noch vorsichtig sein: Theoretisch wäre es auch möglich, dass eine aggressivere Krebserkrankung zu niedrigeren Vitamin-D-Spiegeln führt als eine weniger aggressive. Ein niedriger Spiegel wäre dann also die Konsequenz und nicht die Ursache eines ungünstigeren Krankheitsverlaufs.» Denkbar sei auch, dass Vitamin D selbst keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, sondern nur den eigentlich schützenden Faktor wie zum Beispiel Bewegung im Freien widerspiegelt.

Zu berücksichtigen ist, dass diese Untersuchung nur eine Korrelation und keine Kausalität nachweist. Eine generelle Vitamin-D-Prophylaxe, um sich vor Krebs zu schützen oder bei bestehenden Krebserkrankungen seine Überlebenschancen zu erhöhen, wollen die Forscher nicht empfehlen. Sie verweisen auf laufende Studien zum Thema, mit deren Ergebnissen jedoch frühestens 2017 zu rechnen sei. Sie raten, sich während des Sommers viel draußen zu bewegen, jedoch auf einen adäquaten Sonnenschutz zu achten, um das Hautkrebsrisiko nicht zu erhöhen. Selbst bei genügendem Sonnenschutz erreichen die meisten Menschen so eine genügende Exposition. (db)

doi: 10.1136/bmj.g3656
 
Mehr zu den Themen Vitamine und Krebs und Zytostatika
 
10.07.2014 l PZ
Foto: Fotolia/concept w
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


«Zeckenzement»: Klebstoff für menschliches Gewebe

Aus der zementartigen Substanz, die es Zecken ermöglicht, sich für mehrere Tage fest in der Haut des Wirtes zu verankern, wollen Forscher...



Immer mehr junge Menschen leiden an Kopfschmerzen

Fast 10 Prozent der Deutschen haben nach Angaben der Krankenkasse Barmer im Jahr 2015 mindestens einmal an Kopfschmerzen gelitten. Die...



Simvastatin plus Amiodaron: AkdÄ warnt vor Interaktion

Bei gleichzeitiger Anwendung von Simvastatin und Amiodaron kann es zu einem Zerfall quergestreifter Muskelfasern, einer Rhabdomyolyse,...



Versandverbot: Adexa wirbt bei SPD und Grünen

Die Apothekengewerkschaft Adexa hat die Parteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen angeschrieben und für das geplante Versandverbot für...

 
 

Diagnostika-Industrie: Gute Laune trotz Flaute
Der Gesamtmarkt der Diagnostika-Industrie in Deutschland geht von einem leichten Plus von 0,1 bis 0,2 Prozent für das Jahr 2016 aus. Das...

Tiere: Erstmals Antikörper zur Zulassung empfohlen
Auch Hunde können unter Neurodermitis leiden. Für die betroffenen Tiere kommt wahrscheinlich bald ein monoklonaler Antikörper in der EU auf...

Doc Morris: Kunden sollen Postkarte an CDU schicken
Die Protestaktionen der Apotheken und ihrer Kunden gegen Boni auf Rezept scheinen offenbar so erfolgreich zu sein, dass auch die...

Ressortabstimmung: Nächster Schritt für Rx-Versandverbot
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am 17. Feburar für das geplante Gesetz zum

Entwicklungshilfe: Deutschland fördert Klinikpartnerschaften
Für deutsche Hochschulen sind Partnerschaften mit Universitäten im Ausland Normalität – jetzt gibt es einen ähnlichen Ansatz auch für...

Fluglärm erhöht Stresspegel und schädigt Gefäße
Fluglärm führt einer neuen Mainzer Studie zufolge zu Gefäßschäden und langfristig zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesem Schluss...

E-Health: Nägel mit Köpfen
Eine der zentralen Baustellen in der Gesundheitspolitik ist das Thema digitale Gesundheit. Vielen geht die Entwicklung zu schleppend. Um...

KBV für Zusammenführung der Notfallsdienste
Der Bereitschaftsdienst von niedergelassenen Ärzten und die Notfallambulanz von Krankenhäusern müssen nach Ansicht der Kassenärztlichen...

RKI: 2017 könnte wieder ein Masernjahr werden
In einigen Bundesländern bereiten Masernviren derzeit wieder Probleme. Mehrere Fälle der hoch ansteckenden Krankheit wurden unter anderem...

Merkel: Mit Gesundheitsversorgung gegen Fluchtursachen
Eine gute Gesundheitsversorgung für jedermann kann nach Einschätzung der Bundeskanzlerin zur Reduzierung von Fluchtbewegungen beitragen....

Rheuma-Medikament mit neuem Wirkstoff zugelassen
Lilly hat die EU-Zulassung für den Kinasehemmer Baricitinib (Olumiant®) erhalten. Zum Einsatz kommen soll der neue Arzneistoff...

Rx-Versandverbot: ABDA lehnt SPD-Vorschlag ab
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände lehnt den SPD-Kompromissvorschlag zum

Blinddarmentzündung: Antibiotika statt OP für Kinder
Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) bei Kindern gilt die operative Entfernung des Wurmfortsatzes als Goldstandard. Vermutlich...

Metaanalyse: Vitamin D zum Schutz vor Erkältung
Die regelmäßige Einnahme von Vitamin D senkt das Risiko, an einer Infektion der oberen Atemwege zu erkranken, um 12 Prozent. Das ergab eine...

Buparlisib: Neue Hoffnung bei Kopf-Hals-Tumoren
Der neue Kinasehemmer Buparlisib kann in Kombination mit dem Zytostatikum Paclitaxel bei Patienten mit rezidiviertem Kopf-Hals-Tumor das...

Digitalisierung in der Apotheke: Einfach anfangen
Die öffentlichen Apotheken gehören in der Regel nicht zur Speerspitze der digitalen Revolution. Joss Hertle, Geschäftsführender...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU