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Hepatitis C: Infektiös trotz erfolgreicher Therapie

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Hepatitis C: Infektiös trotz erfolgreicher Therapie
 


Patienten, die eine Hepatitis-C-Infektion dank erfolgreicher Therapie überwunden haben, können möglicherweise dennoch andere mit dem Virus anstecken. Darauf deuten die Ergebnisse eines Tierversuchs hin, die eine Forschergruppe um Naga Suresh Veerapu und Su-Hyung Park von der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health jetzt in «The Journal of Clinical Investigation» veröffentlichten. Sie unterstreichen, dass dauerhaftes virologisches Ansprechen (Sustained Virologic Response, SVR) nicht mit einer Heilung gleichzusetzen ist, insbesondere was die Kontagiosität anbelangt. SVR ist definiert als fehlender Nachweis von Virus-RNA im Blut eines Patienten sechs Monate nach Ende einer Therapie.
 
Spuren von Virus-RNA, die mit den üblichen Messmethoden nicht nachweisbar sind, können noch Jahre nach erreichtem SVR im Blut von Patienten auftauchen. Die Betroffenen selbst erkranken dadurch nicht erneut, doch können sich andere infizieren, wenn sie deren Blutplasma übertragen bekommen.

In einer 2011 im Fachjournal «Gastroenterology» publizierten Studie hatte die Arbeitsgruppe zunächst über die Existenz von Virus-Spuren im Blut einiger Patienten nach SVR berichtet. Diese waren innerhalb von acht Jahren nach einer erfolgreichen Interferon-α-Ribavirin-Kombitherapie bei 15 von 98 Patienten nachweisbar und provozierten bei den Betroffenen zwar eine T-Zell-Antwort, aber nicht erneut eine ausgeprägte Virämie. Schon das widersprach eigentlich der geltenden virologischen Lehrmeinung, denn als RNA-Virus mit einer Plasmahalbwertszeit von 40 Minuten sollte das Hepatitis-C-Virus (HCV) nicht in der Lage sein, längere Zeit im Blut zu überdauern.

Um zu untersuchen, ob diese HCV-Überbleibsel auch infektiös sind, verabreichten Veerapu, Park und Kollegen nun drei Schimpansen im Neun-Wochen-Rhythmus kryokonserviertes Blutplasma oder Zellkonzentrate (mononukleäre Zellen des peripheren Bluts, PBMC) aus den Proben, in denen sie die Virus-RNA-Spuren ursprünglich nachgewiesen hatten. Ein viertes Tier erhielt HCV-RNA-negative Bluttransfusionen von gesunden Spendern und diente als Kontrolle. Sechs bis zehn Wochen nach der ersten Infusion und während der Folgeinfusionen entwickelten die ersten drei Tiere, nicht aber der Kontrollschimpanse, T-Zell-Antworten auf HCV-Sequenzen. Bei einem Affen fiel die T-Zell-Antwort ab und es kam in Woche 27 nach der ersten Infusion zu einer ausgeprägten Virämie. Eine Detailanalyse dieses Virus ergab, dass das Tier mit einer kleineren HCV-Variante infiziert worden war, die zunächst mehr als sechs Monate unter der Nachweisgrenze persistierte und dann erst eine ausgeprägte Virämie auslöste.

Aus ihren Ergebnissen ziehen die Autoren drei Schlüsse. Erstens: Plasma von Personen, die durch eine Pharmakotherapie ein SVR erreicht haben, kann infektiös sein und bei Empfängern zu einer ausgeprägten Virämie sowie zu chronischer Hepatitis C führen. Zweitens: Der Verlauf der Virämie beim Empfänger kann von dem einer typischen akuten Hepatitis C abweichen, indem erst nach sechs Monaten die Viruslast im Blut ansteigt. Drittens: Eine T-Zell-Antwort des Empfängers kann die übertragenen Spuren von HCV vorübergehend unter Kontrolle halten.

Empfänger von Bluttransfusionen müssen sich nun jedoch keine Sorgen um eine mögliche Hepatitis-C-Infektion machen. Personen mit HCV-Infektion in der Vorgeschichte sind in Deutschland grundsätzlich von einer Blutspende ausgeschlossen, wie die Pharmazeutische Zeitung vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes erfuhr. (am)

doi: 10.1172/JCI73104 (aktuelle Studie)
doi: 10.1053/j.gastro.2010.10.048 (frühere Studie derselben Forschergruppe)
 
09.07.2014 l PZ
Foto: Fotolia/4designersart
 

 

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