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Serie AMTS: Problemlöser Klinikapotheker

PHARMAZIE

 
Serie AMTS

Problemlöser Klinikapotheker


Von Sven Siebenand, Münster / Auch im stationären Bereich können Apotheker zur Lösung der Polymedikations-Problematik einiges beitragen. Das machte Apothekerin Beate Heite bei der Fachtagung »Polymedikation und Patientensicherheit« des Bundesverbands Managed Care Regional NRW in Münster deutlich.

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Die Pharmazeutin am Prosper-Hospital Recklinghausen zeigte auf, wie an einem Krankenhaus die Implementierung eines interprofessionellen Medikationsmanagements gelingen kann. In einem Pilotprojekt wurde bei 113 geriatrischen Patienten die Eingangsmedikation erfasst und diese mithilfe der ABDA-Datenbank auf Interaktionen überprüft. Die Patienten waren im Durchschnitt 81 Jahre alt und erhielten im Mittel neun bis zehn verschiedene Arzneistoffe. Insgesamt fanden die Pharmazeuten bei 1070 verabreichten Medikamenten 408 Interaktionsmeldungen, das heißt bei sage und schreibe 38 Prozent der Medikamente waren Interak­tionen beschrieben. Die Ergebnisse wurden schriftlich fixiert und mit dem Arzt besprochen.

 




Viele ältere Patienten nehmen mehr als fünf Medikamente dauerhaft ein, hinzu kommen Arzneimittel der Selbstmedikation. Ein Krankenhausaufenthalt kann dazu genutzt werden, die Medikationsliste zu optimieren und gegebenenfalls zu kürzen.

Foto: imago/Insadco


»Hat der Apotheker Zugriff auf die patientenbezogene Medikation, kann er pharmazeutisches Fachwissen einbringen und konkrete Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie machen«, sagte Heite. Die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker könne als gewinnbringend im Sinne einer Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) angesehen werden. Die Mediziner des Krankenhauses sind offenbar der gleichen Meinung. Sie plädierten nämlich dafür, das Projekt fortzusetzen und sogar auszubauen.

 

Interaktions-Check und Medikationsmanagement

 

Mittlerweile wurde der Interaktions-Check auf ein Medikationsmanagement ausgeweitet. Heite und Kollegen nehmen dafür eine Analyse der gesamten Medikation des Patienten vor, einschließlich der Selbstmedikation. Ziel sei es, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu lösen. Dafür erfassen die Pharmazeuten zunächst mithilfe eines standardisierten Aufnahme­bogens die komplette Medikation der Patienten. Diese wird im Anschluss nicht nur auf Interaktionen geprüft. Auch die Plausibilität (Abgleich mit Indikation) wird hinterfragt und gegebenenfalls mit dem Arzt geklärt. Zudem erfolgt eine Prüfung auf potenziell inadäquate Medikamente anhand der Priscus-Liste. Zu guter Letzt überprüft die Apotheke die Medikation auch im Hinblick auf Laborparameter. Heite erläuterte, dass dabei zum Beispiel auf die Nierenfunktion (Berechnung der Kreatinin-Clearance), die Elektrolytspiegel sowie auf Gerinnungswerte und – bei Antibiose – auf Infektparameter geachtet werde.

 

All dies mündet in eine schriftliche Ausarbeitung der Arzneimitteltherapie-Empfehlung zur Hinterlegung in der Patientenakte. Einmal wöchentlich erfolgt eine pharmazeutische Begleitung der Oberarztvisite. Dabei kann Heite zufolge eine direkte Kommunikation arzneimittelbezogener Probleme mit Arzt und Patienten erfolgen.

 

Auch bei dieser Service-Dienstleistung wollten sich die Pharmazeuten nicht allein auf das positive Feedback von Patienten, Angehörigen und Medizinern verlassen. Bei 100 Patienten verglichen sie deshalb die Daten der Aufnahme- und der Entlassmedikation. Das Ergebnis: Vorgeschlagene pharma zeutische Interventionen wurden zu 72 Prozent in der Entlassmedikation umgesetzt, die Zahl der eingesetzten Wirkstoffe konnte um mehr als 5 Prozent gesenkt werden und die Gesamtzahl an Wechselwirkungen ließ sich um knapp ein Viertel reduzieren.

 

Es ist also kein Wunder, dass nun auch andere Stationen der Klinik diese Dienstleistungen der Krankenhausapotheke in Anspruch nehmen. Heite zufolge zeigen sich auch andere Krankenhäuser an dem Projekt interessiert. Zudem werde sie zu Ärzte-Fortbildungen zum Thema Interaktionen als Referentin eingeladen.

 

AMTS ein Thema für Klinikchefs

 

Laut der Krankenhausapothekerin steigt auch bei den Geschäftsführern von Kliniken das Interesse am Thema AMTS. Zum einen spiele Risikomanagement zunehmend eine Rolle in Krankenhäusern. Zum anderen sei die angespannte Situation auf dem ärztlichen Arbeitsmarkt, also Probleme bei der Neubesetzung freier Stellen, ein Grund, weshalb Klinikchefs nun verstärkt auch auf pharmazeutische Kompetenz setzten. Insgesamt gibt es laut Heite beim Thema Polymedikation aber noch vieles zu tun. Zum Beispiel sprach sie sich für eine bessere Vernetzung mit den einweisenden Ärzten und den öffent­lichen Apotheken aus. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 28/2014

 

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