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DAC/NRF-Ergänzungslieferung: Schwerpunkt Defekturprüfung

PHARMAZIE

 
DAC/NRF-Ergänzungslieferung

Schwerpunkt Defekturprüfung


Von Michael Hörnig, Antje Lein und Holger Reimann / Das Augenmerk der ersten Ergänzungslieferung zu DAC/NRF in diesem Jahr liegt auf mehreren neuen Defekturprüfanweisungen und zwei Vorschriften für die dermatologische Anwendung. Zudem wurde mit der Neustrukturierung der Allgemeinen Hinweise zu Darreichungsformen begonnen.

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Die Novelle der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) im Jahr 2012 brachte bei Defekturarzneimitteln höhere Anforderungen an den Umfang der Qualitätsprüfung. Das betrifft auch die Vorschriften in DAC/NRF, wenn sie im Defekturmaßstab angefertigt werden. Auf Grundlage der allgemeinen Empfehlungen der DAC-Anlage J »Weitergehende Prüfung der Defekturarzneimittel« wurden Defekturprüfanweisungen für fünf NRF-Vorschriften neu auf­genommen: Chlorhexidindigluconat-Mundspüllösung 0,1 %/0,2 % (NRF 7.2.), Hydrocortisonacetat-Suspension 0,5 % mit Lidocainhydrochlorid und Dexpanthenol (NRF 7.14.) sowie Aluminiumchlorid-Lösungen und -Gel (NRF 11.1., 11.24., 11.132.). Einige der Vorschriften enthalten mehrere Konzentrations­stufen. Das erfordert spezifisch angepasste Anweisungen und die differenzierte Angabe der Prüfresultate, die in mehreren separaten Dokumenten abgebildet sind.

 




Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis L.) wird vereinzelt in Teemischungen bei Beschwerden der Atemwege verwendet. Seine DAC-Monographie wurde in die erste Ergänzungs­lieferung 2014 wieder auf­genommen.

Foto: dpa


Das Stufenmodell der DAC-Anlage J wird durch die amtliche Apothekenüberwachung aktiv unterstützt (1, 2). Die Flexibilität des Modells zeigt sich besonders am stark reduzierten Prüfaufwand bei gut beherrschten und im QMS dokumentierten Herstellungsprozessen sowie regelmäßiger Teilnahme an externen Qualitätskontrollen und mikrobiologischen Tests. Die in DAC/NRF veröffentlichten Prüfanweisungen veranschaulichen das Prinzip der eigenverantwortlichen Auswahl geeigneter und apothekengerechter Qualitätskontrollen im Zuge der Risikobeurteilung. Dieses Prinzip kann im Apothekenbetrieb auf eigene Defekturarzneimittel und Zwischenprodukte übertragen werden.

 

Alternativen zum Mischschmelzpunkt

 

Die neue DAC-Monographie Triamcinolonacetonid-Verreibung 1 Prozent in Nicht­ionischer hydrophiler Creme SR (T-107) ergänzt die Prüfvorschriften für Rezepturkonzentrate. Wiederaufgenommen wurde die DAC-Monographie Ehrenpreiskraut. Zahlreiche Rückmeldungen aus der Apothekenpraxis zeigten den weiterhin bestehenden Bedarf für eine Vorschrift zur pharmazeutischen Qualitätssicherung der Droge. Die Monographien Alfatradiol und Emulgierende Augensalbe sowie die DAC-Monographien mit den Anfangsbuchstaben K und L wurden aktualisiert und die Sammlung farbiger Abbildungen als Hilfestellung für die Identifizierung von pflanzlichen Drogen erweitert. Die beiden Anlagen »Schmelzpunkttabelle« und »Brechungsindextabelle« wurden mit den Informationen aus Arzneibuch und DAC/NRF ergänzt und überarbeitet.

 

Die Überarbeitung der Prüfmethoden einzelner Ausgangsstoffe der Alternativen Identifizierung nach DAC/NRF fällt mit dieser Ergänzungslieferung wegen Änderungen bei der Durchführung des Mischschmelzpunkts umfangreicher aus. Der Mischschmelzpunkt beschreibt die Schmelztemperatur einer Mischung aus gleichen Anteilen der zu prüfenden Substanz und einer geprüften Vergleichssubstanz, die eine Abweichung von ± 1°C zu den Einzelstoffen aufweisen darf. Diese Prüfmethode ist äußerst sensitiv und bedarf oftmals der visuellen Kontrolle durch den Prüfenden. Seitens der Apothekenaufsicht und aus der Apothekenpraxis wurde DAC/NRF auf das Problem aufmerksam gemacht, dass es bei vollautomatischen Schmelzpunktbestimmungsgeräten, die diese Kontrollmöglichkeit nicht zulassen, zu negativen oder nicht auswertbaren Ergebnissen bei der Messung des Mischschmelzpunkts einiger Ausgangsstoffe kam. Dies betrifft solche Stoffe, die unter Verfärbung schmelzen. Es wurde deshalb entschieden, bei diesen Ausgangsstoffen weitere Prüfmethoden als Alternativen zu entwickeln und zu veröffentlichen.

 

Allgemeine Hinweise neu gestaltet

 

Die Allgemeinen Hinweise I.6. bis I.18. beschäftigen sich mit der Konzeption der rezepturrelevanten Darreichungsformen und deren Herstellungstechniken. Um in der Apotheke strukturiert an die Anfertigung eines Rezeptur- oder Defektur-Arzneimittels heran­gehen zu können, bedarf es ebenso strukturierter Informationen zu den Anforderungen an das Arzneimittel, so etwa zu Besonderheiten bei Applika­tionsart und -ort, bei bestimmten Patientengruppen oder der Hygiene. Dem trägt die Überarbeitung der allgemeinen Kapitel zu Darreichungsformen Rechnung.

 

Sie wurde begonnen mit den Texten I.6. Dermatika – Zubereitungen zur kutanen Anwendung, I.9. Kapseln, I.11. Flüssige Zubereitungen zum Einnehmen und I.12. Zubereitungen zur rek­talen und zur vaginalen Anwendung. Diese Kapitel enthalten nun übereinstimmend eine kurze Einführung, in der die Darreichungsformen den Arzneibuchnormen zugeordnet werden, sowie Abschnitte zum galenischen Konzept, zu Hygiene und Konservierung und zur Herstellung. Im Herstellungsteil finden sich Informationen zu sinnvollen Inprozessprüfungen, zu Packmitteln und Applikationshilfen und zur Endprüfung am konfektionierten Produkt. Im Grundsatz können diese Texte zur Umsetzung der ApBetrO als darreichungsformspezifische Herstellungsanweisungen für Rezepturarzneimittel herangezogen und bei Bedarf ergänzt werden.

 

Dermatologische Rezepturen für Kinder




Foto: PZ/Govi


In die NRF-Rezepturvorschriften wurden zwei neue Zubereitungen für die Dermatologie aufgenommen: Hydrophile Prednicarbat-Creme 0,08 % / 0,15 % / 0,25 % (NRF 11.144.) und Hydrophile Prednicarbat-Creme 0,08 % / 0,15 % / 0,25 % mit Octenidindihydrochlorid 0,1 % (NRF 11.145.). Prednicarbat ist ein Externsteroid mit dem Therapeutischen Index (TIX) 2. Das heißt, das Verhältnis von erwünschten zu unerwünschten Wirkungen ist günstig. Es gehört der Wirkstärkeklasse II der mittelstark wirksamen Externsteroide an. Die beiden neuen Vorschriften sind für die Behandlung schwacher bis mittelstarker Ekzeme, verschiedene Therapieschemata wie die Intervall- oder die proaktive Therapie geeignet und können auch bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Insbesondere mit Blick auf die kinder­dermatologische Anwendung sind mehrere Konzentrationsstufen festgelegt worden. Das unterscheidet die Zubereitungen von Fertigarzneimitteln, die nur in der Konzentration 0,25 % Prednicarbat im Handel sind. Dermatologen und Pädiater ziehen das mittelstarke topische TIX-2-Glucocorticoid in niedriger Dosierung zunehmend den schwach wirkenden TIX-1-Glucocorticoiden vor. Darüber hinaus bietet die Kombination mit Octenidindihydro­chlorid die Möglichkeit, auch bakteriell infizierte Ekzeme zu behandeln.

 

Tool zur Einwaagekorrektur

 

Die Kompensation des Mindergehaltes in Rezeptursubstanzen, verursacht durch Feuchtigkeit und Begleitstoffe, ist inzwischen fester Bestandteil der Arzneimittelzubereitung in der Apotheke. Seit Jahren unterstützt die Excel-Datenbank bei den »DAC/NRF-Tools« als digitale Arbeitshilfe die Berechnung des Einwaagekorrekturfaktors. Die Datei der Ergänzung 2014/1 zeigt sich nun im neuen Kleid. Sie ist mit den alphabetisch in Tabellenblättern geordneten Rezeptursubstanzen sehr viel übersichtlicher und sicherer, weil zusätzliche Größen wie etwa Molekülmassen oder Referenzwerte, sofern sie für den Korrekturfaktor relevant sind, bereits in die Berechnung integriert sind. Sie müssen nicht mehr aus separaten Listen herausgesucht werden. Es genügen die Angaben aus den Prüfzertifikaten der Rezeptursubstanzen und die Kenntnis, auf welchen Stoff sich die Verordnung bezieht. Im DAC/NRF-Text I.2.1.1. sind Grundformeln und Gehaltsdefinitionen kurz erläutert.

 

Seit Herbst 2013 können alle Abonnenten zusätzlich zur Loseblattausgabe und der DAC/NRF-DVD auch den Online-Zugriff auf das Werk über www.dac-nrf.de nutzen. Hierfür muss lediglich der individuelle Zugangscode zur aktuellen Ergänzungslieferung unter »Mein Konto« eingepflegt werden. Über den Ablauf der Gültigkeit des alten Codes wird der Nutzer beim Login automatisch informiert. Wie gewohnt ist der neue Code im Loseblattwerk auf dem »Merkblatt – Zugangscode« im Serviceteil zu finden, für Abonnenten der DVD steht er auf der Rückseite des Benutzerhandbuchs. /


Literatur 

  1. Frage-und-Antwort-Information zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) vom 27. Februar 2014 (www.pharma zeutische-zeitung.de/fileadmin/pdf/FAQ-ApBetrO-allgemein.pdf) der Arbeitsgruppe Arzneimittel-, Apotheken-, Transfusions- und Betäubungsmittelwesen (AATB)
  2. Resolution 2013 »Eckpunkte der APD« zur einheitlichen Umsetzung der neuen ApBetrO in allen Bundesländern« (www.pharma zierat.de) der Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands (APD)



Beitrag erschienen in Ausgabe 28/2014

 

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