Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Diabetes: Comeback des inhalierbaren Insulins

NACHRICHTEN

 
Diabetes: Comeback des inhalierbaren Insulins
 


Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat das inhalierbare Insulinpräparat Afrezza® zugelassen. Ein langes Rennen endet für den Hersteller MannKind damit im Guten. Das Pharmaunternehmen war mit dem Zulassungsantrag zuvor nämlich mehrere Male bei der Behörde gescheitert. Nachdem Pfizer das inhalierbare Insulin Exubera® vor einigen Jahren aus wirtschaftlichen Erwägungen vom Markt genommen hatte, könnte diese Applikationsform für Diabetiker nun eine Renaissance erleben. Das neue Insulinpulver basiert auf der von MannKind entwickelten Technosphere®-Technologie. Dabei dienen Kristalle aus Fumaryldiketopiperazin (FDKP) als Arzneistoffträger, in diesem Fall von Insulin. Die Partikelgröße ist so gewählt, dass die Applikation über die Lunge möglich ist.
 
Auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung teilte MannKind mit, dass das Unternehmen auch über eine Markteinführung von Afrezza in Europa und einen Zulassungsantrag bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA nachdenkt. Ein genauer Zeitplan dafür steht offenbar noch nicht. Das Vorhaben in Europa sei auch abhängig von den Ressourcen, von zukünftigen Marketingpartnern und den geforderten Daten.

Ob sich die pulmonale Insulingabe nun durchsetzen oder wieder an der Akzeptanz bei Patienten und Ärzten scheitern wird, bleibt abzuwarten. Interessant dürfte das Präparat für jene Diabetiker sein, die eine große Angst haben, sich zu spritzen. Ein wesentlicher Effekt auf die Güte der Blutzuckereinstellung ist mit dem neuen inhalierbaren Insulin dagegen nicht zu erwarten. So senkte es im Vergleich zu subkutan injiziertem Insulin aspart den HbA1c-Wert nach 24 Wochen bei Typ-1-Diabetikern weniger stark. Den zuvor festgelegten Nicht-Unterlegenheitswert gegenüber dem injizierten Insulin konnte Afrezza aber erreichen.

Zugelassen ist das Präparat in den USA bei erwachsenen Diabetikern. Typ-1-Diabetiker müssen zusätzlich ein langwirksames Insulin spritzen. Zu den Mahlzeiten können sie das neue, schnell wirksame Insulin inhalieren. Der blutzuckersenkende Effekt setzt nach 12 bis 15 Minuten ein und hält bis zu drei Stunden an.

Nicht empfohlen wird das Präparat zur Behandlung der diabetischen Ketoazidose und bei Rauchern. Zudem trägt es einen Warnhinweis, der auf akute Bronchospasmen aufmerksam macht, die bei Asthmatikern und COPD-Patienten beobachtet wurden. Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen sollten Afrezza wegen dieses Risikos nicht anwenden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Unterzuckerung, Husten und Halsschmerzen.

In einer Pressemitteilung informiert die FDA darüber, dass sie weitere Post-Marketing-Studien zu Afrezza fordert. Darunter eine klinische Studie zur Pharmakokinetik, Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und eine klinische Studie, die das potenzielle Risiko von Lungenkrebs unter die Lupe nimmt. In dieser Studie sollen zudem das kardiovaskuläre Risiko sowie der Langzeiteffekt auf die Lungenfunktion untersucht werden. (ss)
 
Lesen Sie dazu auch
Insulin: Alternativen zur Spritze, PZ 47/2009
 
Mehr zum Thema Diabetes
 
01.07.2014 l PZ
Foto: MannKind
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Rheuma-Medikament mit neuem Wirkstoff zugelassen

Lilly hat die EU-Zulassung für den Kinasehemmer Baricitinib (Olumiant®) erhalten. Zum Einsatz kommen soll der neue Arzneistoff...



Rx-Versandverbot: ABDA lehnt SPD-Vorschlag ab

Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände lehnt den SPD-Kompromissvorschlag zum



Blinddarmentzündung: Antibiotika statt OP für Kinder

Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) bei Kindern gilt die operative Entfernung des Wurmfortsatzes als Goldstandard. Vermutlich...



Metaanalyse: Vitamin D zum Schutz vor Erkältung

Die regelmäßige Einnahme von Vitamin D senkt das Risiko, an einer Infektion der oberen Atemwege zu erkranken, um 12 Prozent. Das ergab eine...

 
 

Buparlisib: Neue Hoffnung bei Kopf-Hals-Tumoren
Der neue Kinasehemmer Buparlisib kann in Kombination mit dem Zytostatikum Paclitaxel bei Patienten mit rezidiviertem Kopf-Hals-Tumor das...

Digitalisierung in der Apotheke: Einfach anfangen
Die öffentlichen Apotheken gehören in der Regel nicht zur Speerspitze der digitalen Revolution. Joss Hertle, Geschäftsführender...

Qualitätssicherung: Apotheker prüfen täglich Medikamente
Präsenzapotheken sind ein wichtiger Baustein bei der Qualitätssicherung von Arzneimitteln. Darauf macht heute die ABDA – Bundesvereinigung...

Rx-Versandverbot: SPD schlägt Kompromiss vor
Versandapotheken und niedergelassene Apotheken sollen gleich behandelt werden. Dafür haben sich gestern die Gesundheitspolitiker Sabine...

Formicamycine: Neue Antibiotika aus Ameisen
Eine baumbewohnende Ameise aus Kenia hat es über Nacht zur Berühmtheit gebracht: Tetraponera penzigi. Diesen Namen sollte man sich merken,...

Wirbel um Übernahme: Stada bestätigt dritten Interessenten
Beim Pharmakonzern Stada nimmt der von einigen Experten erwartete «Bieterkrieg» an Fahrt auf. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstagabend...

Schönheitsformel: Gibt es den idealen Mund?
US-amerikanische Forscher haben nach eigenen Angaben eine Formel für den ästhetisch «perfekten» Mund gefunden, zumindest für weiße Frauen....

Risikogene: Es ist kompliziert
Viele genetische Variationen, die das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK) erhöhen, sind auch mit einem gesteigerten Risiko für...

Hilfsmittelversorgung: Bessere Qualität, mehr Transparenz
Patienten sollen künftig bei der Heil- und Hilfsmittelversorgung mit einer besseren Qualität der Produkte sowie mit mehr Service und...

Fremdbesitz: Auch für Kooperationen eine Herausforderung
Wird der Fremdbesitz von Apotheken in Deutschland erlaubt, werde es eine mehrjährige Konsolidierungsphase geben, sagte Professor Dr. Ralf...

Glaeske: Zu viele schlechte Apotheker
Der Pharmazeut und Gesundheitsexperte Professor Gerd Glaeske (Foto) ist mit der Performance seiner Kollegen nicht zufrieden. «30 Prozent...

USA: Verkeimtes Cannabis gefährdet Patienten
Medizinisches Marihuana aus den USA ist häufig mit Bakterien und Pilzen kontaminiert, die für Patienten mit geschwächtem Immunsystem...

USA: Neuer Antikörper gegen Schuppenflechte zugelassen
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat mit Brodalumab (SiliqTM) einen neuen monoklonalen Antikörper zur Therapie der moderaten bis...

Lebendimpfstoff gegen Malaria: Die Plasmodien-Challenge
Einen Lebendimpfstoff der besonderen Art haben Tübinger Forscher erstmals an Menschen getestet: Sie verabreichten eine Vakzine mit...

Rezepturverordnung: Missverständnisse ausräumen
Beim Thema Rezeptur haben Apotheker und Arzt ein gemeinsames Ziel: Der Patient soll mit einem wirksamen und qualitativ hochwertigen...

IGeL-Leistungen: Oft nutzlos oder schädlich
Patienten sollen hierzulande zu viele unnötige Untersuchungen beim Arzt selbst bezahlen. Darauf haben die Macher des IGeL-Monitors heute...

Podiumsdiskussion: Digitalisierung braucht Mut
Neben weniger Bürokratie und stärkerer digitaler Vernetzung muss der Patient in Zukunft wieder deutlicher im Mittelpunkt des deutschen...

Ernährung: Vollkorn verschiebt Kalorienbilanz
Wer von Weißmehl- auf Vollkornprodukte umsteigt, erhöht damit seinen täglichen Kalorienverbrauch um knapp 100 kcal, ohne sich mehr zu...

Vorbildfunktion: Eltern beeinflussen Alkoholkonsum der Kinder
Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen hängt stark vom Trinkverhalten der Eltern ab. Darüber berichtet die DAK-Gesundheit...

EuGH-Urteil im Implantat-Skandal: TÜV und Frauen zufrieden
Im Skandal um reißanfällige Brustimplantate sinken die Chancen der Frauen, Schmerzensgeld vom TÜV Rheinland zu bekommen. Der Europäische...

Weleda: Umsatz auf Vorjahresniveau
Die steigende Nachfrage nach Naturkosmetika hat Weleda vor einem Umsatzeinbruch bewahrt. Während sich das Geschäft mit Arzneimitteln 2016...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU