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Brechdurchfall: Noroviren sind häufigste Auslöser

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Brechdurchfall: Noroviren sind häufigste Auslöser
 


Fast jede fünfte akute Gastroenteritis mit Durchfall und Erbrechen weltweit geht auf das Konto von Noroviren. Das geht aus der bislang größten Metaanalyse von Gastroenteritis-Fällen hervor, die jetzt im Fachblatt «The Lancet» erschien. Sie umfasste Daten aus 48 Ländern mit 187.000 Erkrankungen in allen Altersgruppen; auch deutsche Studien flossen in die Metaanalyse ein. Demnach verursachen die hochansteckenden Noroviren 20 Prozent der Erkrankungen in Industrieländern und 14 bis 19 Prozent in Entwicklungsländern. Dort ist die absolute Rate an Magen-Darm-Infektionen jedoch auch durch andere Keime und oftmals schlechte hygienische Bedingungen insgesamt höher. Schätzungsweise sterben weltweit jährlich 1,45 Millionen Menschen an einer akuten Gastroenteritis.

Norovirus-Infektionen lassen sich auch unter guten hygienischen Bedingungen nicht immer vermeiden. Schon 18 Viruspartikel in Essen, Wasser oder auf Oberflächen reichen, damit eine gesunde Person erkrankt. 1 Gramm Stuhl einer infizierten Person kann nach Angaben der Autoren um Dr. Benjamin Lopman von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC mehr als 1 Milliarde Viren enthalten. Zudem bleibt der Stuhl infizierter Personen über mindestens eine Woche ansteckend. Das deutsche Robert-Koch-Institut empfiehlt daher vorbeugend eine sorgfältige Sanitär- und Händehygiene.

Eine Erkrankung kann milde bis symptomlos verlaufen, aber auch schwere Verläufe bis hin zu Todesfällen sind möglich, insbesondere bei Kleinkindern und Hochbetagten. Durchfall allgemein kostet in Entwicklungsländern jährlich 200.000 Kindern unter fünf Jahren das Leben und gilt damit als eine der Haupttodesursachen in dieser Altersgruppe.

Lopman zufolge müsse man noch viel darüber lernen, wie Noroviren am besten zu kontrollieren sind. Es existieren weder eine ursächliche Therapiemöglichkeit noch eine Impfung. Der Erreger gehört zur Familie der Caliciviren und zeigt eine ausgeprägte Genomvaribilität. Unterschieden werden fünf Genomgruppen. Die humanpathogenen Gruppen I und II umfassen wiederum jeweils mindestens 20 Genotypen. Sie lassen sich bislang nicht auf Zellkulturen vermehren, was die Impfstoffentwicklung erschwert. Gearbeitet wird zum Beispiel an virusähnlichen Partikeln, die eine bestimmte Kohlenhydratstruktur auf menschlichen Zellen blockieren sollen, an denen Noroviren andocken. (db)

doi: 10.1016/S1473-3099(14)70776-5
 
27.06.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Anja Greiner Adam
 

 

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