Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

20 neue Designerdrogen sollen verboten werden

NACHRICHTEN

 
20 neue Designerdrogen sollen verboten werden
 


Mit neuen Verboten will die Bundesregierung den Konsum von Designerdrogen in Deutschland bekämpfen. «Im vergangenen Jahr wurden 55 neue psychoaktive Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt», sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Für 20 weitere liegen bereits positive Voten des zuständigen Ausschusses beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor», so Mortler. «Hier sind im Betäubungsmittelgesetz die weiteren Unterstellungen absehbar», kündigte sie zum Tag des Kampfes gegen Drogen an diesem Donnerstag an. Somit sind 20 neue Verbote absehbar.

Neue psychoaktive Substanzen seien eine große Herausforderung der Suchtpolitik, so Mortler. Bei den sogenannten Legal Highs handelt es sich um Drogen, die im Grundsatz seit Langem bekannt und auch schon längst verboten sind, aber immer wieder verändert werden und unter Fantasienamen neu auf den Markt kommen. Oft werden sie über Internethändler bestellt. Die Stoffe können dämpfend wirken, aber auch aktiv und aggressiv machen.

«Hersteller nehmen oft kleinste chemische Abwandlungen vor, tauschen etwa eine Molekülgruppe gegen eine andere aus», erläuterte Mortler. «Die Substanzen ähneln sich dann stark, auch in der Wirkung.» Aber durch die Veränderung einer bereits verbotenen Substanz sei die veränderte Droge dann nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. «Dazu kommt, dass Verpackung und Werbung extrem verharmlosend wirken und die Substanzen als Kräutermischungen oder Badesalze vermarktet werden», sagte die Politikerin. «Dahinter steckt eine große Professionalität und eine hohe Rentabilität.»

Das Problem sei: «Wenn wir wie bisher einzelne Substanzen verbieten, indem wir sie entsprechend unter das Betäubungsmittelgesetz stellen, ist das nicht selten wie ein Hase- und Igelspiel – wir laufen Entwicklungen hinterher.» Ein Ausweg könnte nach ihren Worten sein, ganze Stoffgruppen für diese Substanzen zu verbieten. Dabei müsse aber das Bestimmtheitsgebot für Strafgesetze und das Rechtsstaatsgebot beachtet werden. «Und es wird immer Substanzen geben, die auch einzeln erfasst werden müssen», räumte Mortler ein. «Wir arbeiten an Lösungen, aber es gibt hier keinen Königsweg.»
 
Insgesamt sei ein Schwerpunkt ihrer Politik die Aufklärung, speziell für einzelne Zielgruppen, wie Mortler sagte. «Ich möchte dazu beitragen, dass das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil größer wird.» Drogen verlören umso mehr an Attraktivität, umso stärker und selbstbewusster die Kinder und Jugendlichen seien. «Je mehr die Menschen auf einen gesunden Lebensstil achten, desto weniger werden sie auf Suchtmittel zurückgreifen.»
 
Mehr zum Thema Betäubungsmittel
 
26.06.2014 l dpa
Foto: Fotolia/creative soul
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


DocMorris muss Automatenapotheke wieder schließen

Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Der...



Deutschland unter den zehn größten Raucherländern weltweit

Deutschland gehört weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Anzahl an Rauchern – mit fatalen Folgen: Etwa jeder siebte Todesfall...



Hepatitis: Zu wenige Diagnosen, zu selten Therapie

Rund 325 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit chronischer Hepatitis B oder Hepatitis C...



EMA: Amsterdam bewirbt sich um neuen Sitz

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) soll ihren Sitz nach dem Wunsch der Niederlande von London nach Amsterdam verlagern. Dieser...

 
 

NRW: Ersatzkassen bekommen 700.000 Euro zurück
Wegen gefälschter Abrechnungen und anderer Manipulationen haben die Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen 2016 mehr als 700.000 Euro von...

Pflegereform: Mehr Leistungen für 80.000 Menschen
Durch die seit Jahresbeginn wirkende Pflegereform haben bisher rund 80.000 Menschen Pflegeleistungen bekommen, die sonst leer ausgegangen...

Nacktmull schafft 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff
Nacktmulle können bis zu 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff überleben. Extremen Sauerstoffmangel überstehen die Tiere mehrere Stunden, wie...

Grünen-Politikerinnen besuchen Apotheke in Kiel
Not- und Nachtdienst, Rezeptur, Medikationsmanagement, Logistik, Ausbildung von PTA und Pharmaziepraktikanten, Arzneimittelberatung und...

Tausende Tabletten aus China bei Heilpraktiker sichergestellt
Der Zoll am Düsseldorfer Flughafen hat hohe Mengen chinesischer Medikamente beim Schmuggelversuch eines Heilpraktikers sichergestellt. Mehr...

Orale Corticoide: Auch kurzzeitig nicht unproblematisch
Die Risiken einer langfristigen oralen Glucocorticoid-Therapie sind bekannt. Aber auch eine kurzfristige Gabe über wenige Tage ist nicht so...

Innovationsfonds: Neue Förderprojekte, wenig Apotheker
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat heute die Namen von Projekten bekannt gegeben, die 2017 mit Mitteln aus dem Innovationsfonds...

Fatigue: Rituximab scheitert in Phase II
Der Antikörper Rituximab ist zur Behandlung eines chronischen Erschöpfungssyndroms bei Patienten mit einer Entzündung der Gallenwege in der...

Kampf gegen Hunger: Unterstützung aus dem All
Im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheit in der Welt will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus der Luft helfen: Die...

Glyphosat: Berlin verzichtet auf umstrittenen Unkrautvernichter
Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) wollen künftig auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat verzichten. Bisher sei das...

Masern: Gröhe ruft zur Schutzimpfung auf
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die Bundesbürger aufgerufen, ihren Impfschutz auf den aktuellen Stand zu bringen. «Impfungen...

Facebook will Menschen direkt mit dem Gehirn tippen lassen
Facebook will Menschen direkt aus dem Gehirn heraus Worte in Computer schreiben lassen. Damit wäre es zum Beispiel möglich, einem Freund...

Sozialwahl 2017: Ehrenamtliche für Versicherten-Interessen
Ab kommender Woche können Rentner und Versicherte der Ersatzkassen aufs Neue darüber mitentscheiden, was mit ihren Beitragsgeldern passiert...

Notfallversorgung: Kliniken im Clinch mit Ärzten und Kassen
Die Erstversorgung von Patienten in den Notfallambulanzen der Kliniken sorgt für neuen Streit zwischen Krankenhäusern, Kassenärzten und...

Forscher wollen von afrikanischen Heilern lernen
Wissenschaftler der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen dafür deren medizinisch genutzte Pflanzen....

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU