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Von wegen weise

EDITORIAL

 

Von wegen weise


Sieben Professoren sitzen im renommierten Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Sie sollen die Bundesregierung beraten und Reformschritte empfehlen und werden daher auch die Gesundheitsweisen genannt. Doch was die Experten Anfang der Woche in Berlin präsentierten, ist alles andere als klug.

 

Seit Jahren fordern die Sachverständigen mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt. In ihrem neuesten Gutachten heißt das nun vor allem eines: felxible Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel (lesen Sie dazu Rezeptpflichtige Arzneimittel: Experten fordern Preiswettbewerb). Zwar soll der Staat auch künftig eine feste Spanne vorgeben, welche die Krankenkassen übernehmen. Doch jeder Apotheker soll seine Preise letztlich frei kalkulieren können. Liegt er dabei über dem vorgegebenen Wert, müssen die Patienten im Falle einer Selbstbeteiligung mehr zuzahlen, bleibt er unter der festgesetzten Spanne, erhalten die Patienten die Differenz zurück. Über die Zuzahlung soll also Druck auf die Apotheken ausgeübt werden, die eigene Marge möglichst gering zu kalkulieren.

 

In ihrer Begeisterung für den Wettbewerb blenden die Experten allerdings wichtige Aspekte aus. Denn die Preisbindung für rezeptpflichtige Präparate hat ihren Grund. Kranke Menschen sollen eben nicht auf Schnäppchenjagd gehen müssen, um den günstigsten Anbieter für Arzneien ausfindig zu machen. Wettbewerb zwischen den Apotheken gibt es auch so, nur läuft der über Service und gute Beratung. Davon profitieren die Patienten mehr als von schlichtem Preiswettbewerb.

 

Das vom Sachverständigenrat vorgeschlagene System könnte vielen Patienten mehr schaden als nutzen. Denn wer in einer Region mit vergleichsweise wenigen Apotheken wohnt, müsste womöglich mehr für seine Präparate zahlen als Menschen in der Stadt, wo viele Apotheken um die Gunst der Patienten buhlen. Das kann der Sachverständigenrat nicht ernsthaft wollen. Die Experten sehen in ländlichen Regionen ein begrenztes Dispensierrecht für Hausärzte als mögliche Lösung des Problems. Damit wäre das Chaos dann wohl komplett.

 

Immerhin: Große Chancen auf Umsetzung hat der Vorschlag der Professoren nicht. Ihre Ideen sind nicht neu. In der Vergangenheit haben verschiedene Regierungsparteien aber immer wieder auf die Arzneimittelpreisverordnung gesetzt – allen voran die Union. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wird dieser Linie wahrscheinlich treu bleiben und die Empfehlung des Sachverständigenrats alsbald zu den Akten legen. Das wäre dann eine wahrlich weise Entscheidung.

 

Stephanie Schersch 

Ressortleitung Politik und Wirtschaft



Beitrag erschienen in Ausgabe 26/2014

 

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