Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Malaria: Manipulierten Mücken gehen die Weibchen aus

NACHRICHTEN

 
Malaria: Manipulierten Mücken gehen die Weibchen aus
 


Im Kampf gegen Malaria gehen Wissenschaftler neue Wege. Forscher aus London haben das Genmaterial von Mücken so manipuliert, dass diese im Labor fast nur noch männliche Nachkommen zeugten. Die Malaria-Erreger (Plasmodien) werden jedoch ausschließlich durch den Stich bestimmter weiblicher Mückenarten auf Menschen übertragen. Die Forschung sei aber noch ganz am Anfang, betonte Roberto Galizi vom Imperial College.
 
Bei ersten Laborversuchen hätten die veränderten männlichen Mücken (Anopheles gambiae) zu 95 Prozent männliche Nachkommen gezeugt, schreiben die Autoren der Studie in der Fachzeitschrift «Nature Communications». Damit sei es erstmals gelungen, die Geschlechterverhältnisse in Mückenpopulationen zu beeinflussen. Die Wissenschaftler mischten die genveränderten Insekten mit fünf eingesperrten normalen Populationen. Vier der fünf Bestände starben der Studie zufolge innerhalb von sechs Generationen aus, weil ihnen Weibchen fehlten. Die Idee ist, auf diese Weise auch in der Natur Malaria übertragende Mückenpopulationen auszurotten. Welche Folgen dies für die Ökologie haben könnte, war nicht Gegenstand der Studie.
 
Um die Zeugung weiblicher Nachkommen bei den Mücken zu verhindern, nutzten die Wissenschaftler ein Enzym namens I-Ppol. Es schädigte bei den Männchen die DNA der X-Chromosomen bei der Spermaproduktion. Normalerweise trägt die Hälfte der Spermien das X-Chromosom und zeugt weibliche Nachkommen, die andere Hälfte trägt das Y-Chromosom und zeugt männliche Nachkommen. Die veränderten Moskitos hatten fast kein funktionsfähiges Sperma mit X-Chromosomen und zeugten kaum Töchter. Nikolai Windbichler, einer der Hauptautoren der Studie, betonte: «Am erfolgversprechendsten an unseren Ergebnissen ist, dass sie selbsterhaltend sind. Wenn einmal veränderte Moskitos eingeführt sind, produzieren die Männchen hauptsächlich Söhne, und ihre Söhne tun dasselbe, sodass eigentlich die Moskitos die Arbeit für uns machen.»

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen an Malaria. Rund 90 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Die Krankheitserreger sind sehr anpassungsfähig und daher schwierig zu bekämpfen. Experten versuchen auf verschiedenen Wegen, Malaria in den Griff zu bekommen, etwa durch Impfstoffe und wirksamere Medikamente. Dabei gehen sie immer wieder auch ungewöhnliche Wege: So hatten US-Forscher den Geruchssinn bei Mücken so verändert, dass diese Menschen nicht mehr riechen konnten.

doi: 10.1038/NCOMMS4977
 
Lesen Sie dazu auch
Bernhard-Nocht-Institut: Malaria auf Sankt Pauli, PZ-Titelbeitrag 12/2011
 
11.06.2014 l dpa
Foto: Fotolia/teracreonte
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pseudomonas: Enzym zerstört Biofilme

Ein aus dem Bodenbakterium Mycobacterium fortuitum isoliertes Enzym kann die Bildung von Biofilmen des Problemkeims Pseudomonas aeruginosa...



ABDA-Aktion: GKV rät zum «Blick in die Zukunft»

Zur bundesweiten Unterschriftenaktion der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, mit der auf die Konsequenzen des Urteils...



Bakterien im Urin: Keine Beschwerden, kein Antibiotikum!

Der bloße Nachweis von Bakterien im Urin rechtfertigt in der Regel keine antibiotische Therapie, wenn der Patient keine Beschwerden hat....



Auch in Tschechien: Rauchverbot in Sicht

Eine der letzten Raucherbastionen Europas steht kurz vor dem Fall: Das Abgeordnetenhaus in Tschechien stimmte mit breiter Mehrheit für ein...

 
 

Gebärmutter: Bakterien beeinflussen die Fruchtbarkeit
Der Uterus ist von Bakterien besiedelt und die Zusammensetzung dieser Mikrobiota wirkt sich auf den Erfolg von künstlichen Befruchtungen...

Sucht im Alter: NRW startet Aufklärungskampagne
Suchtprobleme werden bei Senioren häufig verharmlost. Nebenwirkungen von Alkohol- und Medikamentensucht, etwa Stürze oder Verwirrtheit,...

USA: Lebenserwartung gesunken
Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Lebenserwartung in den USA gesunken: Hatte ein Neugeborenes 2014 im Durchschnitt 78,9...

Der Weihnachtsmann: Zwischen Lüge und Verzauberung
Für Kinder ist der Advent eine Zeit des Zaubers, mit Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann. Das Lügen zum Thema sehen Psychologen aber...

2016: Kassen erzielen Überschuss in Milliardenhöhe
Das Jahr 2016 verlief für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bislang deutlich besser als erwartet: Im ersten bis dritten Quartal...

EU-Rechnungshof: Auf Epidemien nicht genug vorbereitet
Die EU schützt ihre Bürger aus Sicht des europäischen Rechnungshofs nicht optimal vor globalen Gesundheitsgefahren wie Vogelgrippe, Ebola...

Securpharm: Klinikprojekt soll Schutz verbessern
Das erste Krankenaus ist nun an das System zur Echtheitsprüfung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln angeschlossen. Das teilte die...

Mumie mit Pocken: Seuche vermutlich jünger als gedacht
Bisher galten Pocken als eine der ältesten Seuchen der Menschheit. Jetzt wurden in einer Kindermumie aus dem 17. Jahrhundert unter einer...

Ausblick 2017: Chemiebranche zeigt sich wenig optimistisch
Die deutsche Chemiebranche erwartet im kommenden Jahr noch kein Ende der Flaute. 2017 werde der Umsatz in der chemisch-pharmazeutischen...

Forscher entwickeln Handroboter mit Augensteuerung
Tübinger Wissenschaftler haben eine hirngesteuerte Roboterhand für querschnittsgelähmte Menschen entwickelt. Das sogenannte Hand-Exoskelett...

EU: Ab 2018 kein Amalgam mehr für Kinder und Schwangere
Wegen des giftigen Quecksilbers in Amalgam will die Europäische Union die millionenfach verwendete Zahnfüllung deutlich zurückdrängen. Ab...

Kasse veröffentlicht Zahlen zur Kundenzufriedenheit
Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) will für mehr Transparenz bei Kundenklagen über Leistungen sorgen. Deshalb will sie als erste...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU