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Früherkennung: Altersblindheit oft vermeidbar

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Früherkennung: Altersblindheit oft vermeidbar
 


Ein Präventions- und Behandlungssystem zur Vermeidung von Altersblindheit fordern Vertreter des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV): Der altersbedingte Verlust der Sehkraft ist häufig aufzuhalten – vorausgesetzt, die zugrunde liegende Erkrankung wird rechtzeitig erkannt und behandelt. Doch obwohl Früherkennung möglich und zielgerichtete Therapien verfügbar sind, kommen diese gerade bei älteren Menschen oft nicht systematisch zum Einsatz, kritisiert der DBSV in einer Pressemitteilung.

Zu den häufigsten Ursachen von Erblindung und Sehbehinderung gehören die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), der grüne Star (Glaukom) sowie die Linsentrübung (der sogenannte graue Star) , an dem in Deutschland allein 4,8 Millionen Menschen leiden. «Für alle drei Erkrankungen gilt: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Prognose», sagt Professor Dr. Frank Holz, Vorstandsvorsitzender der «Stiftung Auge» der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Wenn grauer Star rechtzeitig diagnostiziert werde, sei zur Sehverbesserung in den meisten Fällen nur ein ambulanter Eingriff nötig, so Holz. Bei der AMD und dem Glaukom sei jedoch nach der Diagnose eine engmaschige Betreuung durch den Augenarzt erforderlich, um eine weitere Verschlechterung aufzuhalten. Wichtig sei es daher auch, dass Senioren die notwendige Unterstützung bekommen, die sie benötigen, um Arzttermine wahrzunehmen und Medikamente richtig und regelmäßig anzuwenden. Die Belastung für Angehörige, Sozialdienste und Pflegekräfte kann dabei sehr groß sein. «Bei der AMD beispielsweise kommen schnell 20 Termine im Jahr beim Augenarzt zusammen», so Holz. Und auch das täglich mehrmalige Verabreichen von Augentropfen beim Glaukom erfordere viel Zeit und Geduld.

Viele ältere Menschen verlören unnötigerweise ihre Sehkraft, weil es an diesen Versorgungsfaktoren mangele, meint auch DBSV-Präsidentin Renate Reymann. Die Folgen seien mitunter erheblich: So können Seheinschränkungen zu Stürzen und Knochenbrüchen und letztlich auch zu Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit führen. Nicht zu vernachlässigen seien auch die psychischen Folgen, die sich etwa in Rückzug, Isolation und Depression äußern könnten. «Um Sehverlust im Alter zu vermeiden, fordern wir eine systematische augenärztliche Früherkennung, die bereits ab einem Alter von 40 Jahren einsetzen muss. Die Kosten für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen müssen von den Kassen übernommen werden», fordert Reymann. Und wenn ein Sehverlust eingetreten sei, müssten die nötigen Unterstützungen und Hilfen auch zur Verfügung gestellt werden. (ch)
 
10.06.2014 l PZ
Foto: Fotolia/pathdoc
 

 

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