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Kooperation DAV-TK: Medikationsplan für Diabetiker

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Kooperation DAV-TK

Medikationsplan für Diabetiker


Von Daniel Rücker und Ev Tebroke / Die Apotheker und die Techniker Krankenkasse (TK) kooperieren ab sofort bei der Diabetiker-Beratung. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker, und der stellvertretende TK-Chef, Thomas Ballast, erläutern im Interview, warum sich der neue Service für alle Beteiligten lohnt.

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PZ: Der Deutsche Apothekerverband hat mit der Techniker Krankenkasse eine Vereinbarung über Medikations­gespräche für Diabetiker getroffen. Worum geht es dabei?

 

Becker: Typ-2-Diabetiker haben häufig große Compliance-Probleme. Gemeinsam mit der TK wollen wir diese lösen. Der Arzneimittelcoach der TK spricht in diesen Tagen die versicherten Diabetiker an und empfiehlt ihnen ein Medikationsgespräch in ihrer Stammapotheke. Der TK-Coach informiert dann die entsprechende Apotheke, dass der Patient demnächst zu diesem Gespräch in die Apotheke kommt.

 




Ab sofort können sich Versicherte der Techniker Krankenkasse mit Typ-2-Diabetes in ihrer Stammapotheke individuell zur Medikation beraten lassen.

Foto: imago/Tack


Ballast: Durch eine individuelle Beratung soll der Patient besser informiert und dadurch motiviert werden, seine Arzneimitteltherapie durchzuhalten. Unser wichtigstes Ziel ist es, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Neben einer besseren Therapietreue hilft die Beratung zudem, die Sicherheit der Patienten zu erhöhen. Durch die Medikationsgespräche kommt es zu weniger unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

 

PZ: Wie kam es zu der Idee, die Pharmazeuten stärker bei der Chroniker-Behandlung einzubinden?

 

Ballast: Seit Mitte 2013 bieten wir unseren Versicherten ein telefonisches Arzneimittelcoaching mit dem Ziel, die Arzneimitteltherapie bei Chronikern zu verbessern. Dabei war von Anfang an klar, dass wir die Apotheker mit ins Boot holen wollen. Durch eine Einbindung der Stammapotheke versprechen wir uns eine größere Nachhaltigkeit des Arzneimittelcoachings. Ursprünglich war dabei nur ein Beratungsgespräch angedacht. Die Verhandlungen haben aber ergeben, dass zwei Gespräche sinnvoll sind.

 

PZ: Wie soll dieses Gespräch verlaufen?

 

Becker: Das erste Gespräch dauert 30 Minuten, das zweite 15 Minuten. Ziel ist es, die Compliance-Probleme zu erkennen und zu lösen. Basis für das Medikationsgespräch sind die Leitlinien der Bundesapothekerkammer. Die sollte jeder Apotheker kennen. Eine spezielle Fortbildung für diese Aufgabe ist nicht notwendig.

 

Ballast: Nach jeder Beratung bekommt der Teilnehmer eine Dokumentation der Gesprächsergebnisse mit. Die kann er, wenn gewünscht, seinem behandelnden Arzt zeigen und ihn mit einbeziehen.

 

PZ: Was passiert, wenn ein Apotheker kein Medikationsgespräch führen will?

 

Becker: Das steht ihm natürlich frei. Es gibt keinen Zwang. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Apotheker seinem Stammpatienten diese Dienstleistung verweigert. Zumal sie von der TK mit 30 Euro für das erste Gespräch und 20 Euro für das zweite vergütet wird.

 

PZ: An wie viele Patienten wendet sich das Programm?

 

Ballast: Im Bereich Diabetes könnten rund 10 000 TK-Versicherte in Betracht kommen. Bei einer Ausdehnung auf weitere Indikationen rechnen wir mit rund 50 000 Patienten, die von den Beratungen profitieren können.

 

PZ: Warum hat der DAV dieses Projekt gerade mit der TK zusammen gestartet?

 

Becker: Die TK ist eine große, bundesweit agierende Kasse, die sehr innovationsfreudig ist. Wir glauben an eine langfristige Zusammenarbeit. Die Medikationsgespräche zu Diabetes sind nur der Anfang. Wir reden bereits darüber für die Indikationen Rheuma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Herz-Kreislauf- Erkrankungen ähnliche Programme aufzulegen.

 

Die Zusammenarbeit mit der TK ist auch eine gute Möglichkeit für uns Apotheker, an Versorgungsverträgen beteiligt zu werden. Im Arzneimittel­bereich können nur wir die richtigen Ansprechpartner sein. Für unsere Zukunft ist es sehr wichtig, sich hier zu positionieren.

 

Ballast: Bereits im Herbst wollen wir ein Arzneimittelcoaching zum Thema Rheuma anbieten, das wir derzeit mit dem Bundesverband der Rheumato­logen entwickeln. Auch hierzu soll es dann Medikationsgespräche mit den Apothekern geben. Später sollen die Indikationen Asthma, koronare Herz-Krankheit und chronisch obstruktive Lungenerkrankung hinzukommen.

 

PZ: Welche Rolle spielen die Ärzte in diesem Programm?

 

Becker: Es ist immer gut, wenn Ärzte und Apotheker miteinander reden. In der aktuellen Phase des Projektes sind die Ärzte aber nicht ausdrücklich ein­gebunden. Wir stehen ja noch ganz am Anfang. Darüber werden wir aber sicher zu einem späteren Zeitpunkt noch reden.

 

PZ: Wie geht es weiter, wenn die Medikationsgespräche wie vorgesehen stattgefunden haben?

 

Becker: Dann wird es eine Evaluation geben, die nach meiner Überzeugung den Nutzen der apothekerlichen Intervention belegen wird. Wenn dies so ist, dann werden wir einen Anschluss­vertrag mit der TK anstreben, um die Versorgung der Patienten langfristig zu verbessern.

 

PZ: Auf welchen Zeitraum ist der Kooperationsvertrag ausgelegt?

 

Ballast: Er läuft unbefristet. Jede Seite kann mit einer Frist von drei Monaten zum jeweiligen Jahresende kündigen.

 

PZ: Warum bieten Sie die Dienstleistung unter dem Begriff Medikations­gespräch und nicht Medikations­management an?

 

Becker: Im Medikationsmanagement erfassen Ärzte und Apotheker dauerhaft die Gesamtmedikation eines Pa­tienten. Im Medikationsgespräch geht es um eine punktuelle Intervention bei einer Indikation. Medikationsmanagement ist deshalb deutlich aufwendiger als das Medikationsgespräch.

 

PZ: Interessieren sich andere Krankenkassen auch für das Programm?

 

Becker: Wir haben bislang keine konkreten Gespräche darüber geführt. Wir warten jetzt auf das Ergebnis. Wenn das überzeugt, werden sich auch andere Krankenkassen für die Dienstleistung Medikationsgespräch interessieren. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2014

 

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