Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Zusatzbeitrag: Kassen gehen Transparenz-Pläne zu weit

NACHRICHTEN

 
Zusatzbeitrag: Kassen gehen Transparenz-Pläne zu weit
 


Die von der Großen Koalition geplant Pflicht zu mehr Transparenz bei der Erhebung von Zusatzbeiträgen stößt bei den Krankenkassen auf wenig Begeisterung. Natürlich müssten Kassen ihre Versicherten über Beitragserhöhungen auch künftig informieren und ihnen in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht einräumen, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz. «Eine gute Krankenkasse findet man aber nicht nur über den Preis, sondern über das richtige Verhältnis von Preis und Leistung.»
 
Hintergrund dieser Kritik sind zwei Änderungsanträge, die Union und SPD in das geplante GKV-Finanzstrukturgesetz einbringen wollen. Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben oder erhöhen wollen, müssen ihre Mitglieder demnach spätestens einen Monat im Voraus darüber informieren und auf ihr Kündigungsrecht aufmerksam machen. Liegt der Extrabeitrag über dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag aller Kassen, müssen sie die Versicherten zudem explizit auf die Möglichkeit hinweisen, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln. Für größtmögliche Transparenz soll dabei eine Übersicht des GKV-Spitzenverbands im Internet sorgen, aus der eindeutig hervorgeht, welche Krankenkasse einen Extrabeitrag in welcher Höhe erhebt. Besonders wichtig ist den Koalitionären, dass die Information der Versicherten in einem gesonderten Schreiben erfolgt. «Eine allgemeine Information in der Mitgliederzeitschrift der Krankenkasse reicht zur Erfüllung der Hinweispflicht nicht aus», heißt es im Änderungsantrag.
 
Aus Sicht der Krankenkassen gehen diese Vorgaben zu weit. «In keiner anderen Branche gibt es eine gesetzliche Pflicht, auf einen billigeren Konkurrenten hinzuweisen», sagte Kassensprecher Lanz. Ähnlich äußerte sich die Chefin des Verbands der Ersatzkassen, Ulrike Elsner. Die Versicherten würden durch einen entsprechenden Brief ihrer Krankenkasse massiv verunsichert und könnten ihn sogar als Aufruf zum Kassenwechsel verstehen. «Das kann die Bundesregierung nicht ernsthaft wollen», so Elsner. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn zeigte sich mit den geplanten Änderungen hingegen äußerst zufrieden. «Das ist Transparenz und Verbraucherschutz», sagte er.
 
Mit dem geplanten GKV-Finanzstrukturgesetz wollen Union und SPD die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung umstellen. Dazu sinkt der Beitrag zunächst von derzeit 15,5 auf dann 14,6 Prozent. Arbeitgeber und Angestellte zahlen mit 7,3 Prozent jeweils die Hälfte. Während der Anteil der Chefs auf dieser Höhe jedoch eingefroren bleibt, können die Kassen von den Versicherten prozentuale Zusatzbeiträge verlangen, wenn sie mit dem Geld nicht auskommen. (sch)
 
04.06.2014 l PZ
Foto: Fotolia/ArTo (Symbolbild)
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Landgericht Köln: Linda muss Werbung unterlassen

Die Apothekenkooperation Linda darf nicht mit der Abgabe einer kostenlosen Sonnenbrille für ein Heuschnupfenspray werben. Das hat nun das...



Brexit: Arzneimittelhersteller pochen auf Marktzugang

Bereits erteilte EU-Zulassungen für Arzneimittel müssen weiterhin Bestand in Großbritannien haben. Das betonte der Bundesverband der...



Strahlentherapie: Antikörper verhindert Lungenfibrose

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg haben möglicherweise einen Ansatz gefunden, mit dem sich...



PTA-Schulen: NRW soll wieder Ausbildungskosten übernehmen

Große Versprechen vor der Landtags- und Bundestagswahl: Die Ausbildungskosten für pharmazeutisch-technische Assistenten sollten weder die...

 
 

Stada-Bilanz: Weniger Gewinn, mehr Optimismus
Trotz eines Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr will der umkämpfte Generikahersteller Stada an seinen ehrgeizigen Zielen für 2017...

Welt-Apotheker-Tag: Beruf mit vielen Facetten
Die Vielfalt des Berufs wird das Motto des diesjährigen Welt-Apotheker-Tags am 25. September sein. Von der Forschung und Entwicklung von...

Umfrage: Patienten kaufen Rx-Medikamente selten im Netz
Der Verband der Ersatzkassen (vdek) sieht keine Grundlage für das geplante Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln....

Rx-Versandverbot: Zypries ändert Position
Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD, Foto) hat sich in den vergangenen Tagen klar gegen das von...

Nelfinavir: HIV-Medikament mit Potenzial bei Krebs
Dem nicht mehr gebräuchlichen HIV-Medikament Nelfinavir könnte eine zweite Karriere als Krebsmittel bevorstehen. Wissenschaftler der...

Jedes vierte Krankenhaus schreibt noch rote Zahlen
Ein Viertel der knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland schreibt immer noch rote Zahlen. Dennoch sei das Defizit aller Krankenhäuser in den...

Kassenausgaben für freiwillige Angebote fast verdoppelt
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für freiwillige Leistungen haben sich in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt. Das geht...

Cannabis: Forscher warnen vor Hochleistungszüchtungen
In den USA und in geringerem Ausmaß auch in Europa wird Cannabis zunehmend legal als Freizeitdroge konsumiert und kurbelt die...

DKG: Krankenhausstrukturreform braucht Ausnahmen
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Ausnahmeregelungen bei der 2016 in Kraft getretenen Krankenhausstrukturreform gefordert. So...

Koalitionsausschuss berät heute über Rx-Versandverbot
Am Mittwochabend tagt der Koalitionsausschuss der Regierung. Dabei geht es für die Apotheker ums Ganze: Ungewiss ist immer noch, ob die...

DAV: Lieber Status quo als Boni akzeptieren
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) würde eher gar nichts an der derzeitigen Rabatt-Situation ändern, als sich auf einen der...

Apothekermangel: Pharmaziestudium in Bielefeld?
Angesichts des Fachkräftemangels fordert die Apothekerkammer Westfalen-Lippe einen zweiten Studienort für Pharmazie neben Münster. «In den...

ABDA: Rx-Versandverbot ist Gebot politischer Vernunft
Deutschlands Apotheker fordern die Politik auf, ihrer Verantwortung für Millionen Patienten gerecht zu werden und das über lange Jahre...

Jagende Bakterien möglicherweise neuartiges Antibiotikum
Bakterien jagende Bakterien könnten künftig vielleicht als eine Art lebendes Antibiotikum eingesetzt werden. Beim Beutefang nützen den...

Rx-Versandverbot im Koalitionsausschuss: Ausgang ungewiss
Morgen wird im Koalitionsausschuss in Berlin über den Gesetzentwurf zum Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten...

Rheuma: Zulassung für Tofacitinib
Die Europäische Kommission hat den Kinase-Inhibitor Tofacitinib (Xeljanz®) zur Behandlung erwachsener Patienten mit...

Kölner Apotheker planen Resolution
Der Apothekerverband Köln fordert ein Verbot des Versandhandels für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Der Verband hat für die...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU