Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Deutsche entsorgen Arzneien falsch

NACHRICHTEN

 
Deutsche entsorgen Arzneien falsch
 


Ein Großteil der Deutschen weiß nicht, wie man Medikamente korrekt entsorgt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für sozio-ökologische Forschung (ISOE). Mitarbeiter des Instituts fragten dafür 2000 Deutsche, wie sie abgelaufene oder nicht mehr benötigte Arzneimittel loswerden. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, Flüssigarzneien in Toilette und Spüle zu entsorgen. 19 Prozent erklärten, auch für Tabletten diesen Entsorgungsweg zu nutzen. Genau diese Methode führt jedoch dazu, dass Wirkstoffe in Trink- und Grundwasser gelangen und so empfindliche Ökosysteme gefährden.
 
Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, alte Medikamente immer in den Hausmüll zu geben. Weitere 28 Prozent erklärten, dies häufig oder zumindest manchmal zu tun. Derzeit gilt die schwarze Tonne als Entsorgungsort der Wahl, da Arzneien hierüber in Verbrennungsanlagen gelangen und die enthaltenen Wirkstoffe so vollständig zerstört werden.
 
ISOE-Forscher Konrad Götz zeigte sich erstaunt über die großen Wissenslücken im Umgang mit Arzneimitteln. Knapp der Hälfte der Befragten sei etwa nicht bewusst gewesen, dass auch mit dem Urin Medikamentenreste ausgeschieden werden und ins Grundwasser gelangen. «Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern muss endlich eine wirksame Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden», so Götz. Dem Forscher zufolge sollten Altmedikamente in Apotheken abgegeben werden dürfen, wie es bis vor wenigen Jahren möglich war. Dies wäre «am verbraucherfreundlichsten», so Götz.
 
Die Ärzteschaft forderte der Forscher auf, sich stärker über die Problematik von Arzneimittelresten im Wasser und auch über umweltfreundliche Medikamentenalternativen zu informieren. Immerhin 90 Prozent der Umfrageteilnehmer hätten angegeben, sich umweltfreundliche Alternativen von ihrem Arzt zu wünschen, wenn sie genauso wirksam seien. (ah)
 
Lesen Sie dazu auch
Arzneistoffrückstände: Zahlen zu weltweiter Umweltbelastung, PZ 16/2014
Rückstände: Psychopharmaka beeinflussen Fische, Meldung vom 15.02.2013
 
02.06.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Africa Studio
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen

Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...



Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene

Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...



ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....



Generika: EU-Parlament will Produktion stärken

Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

 
 

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU