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Frühgeburt: Bakterien in Plazenta als Ursache möglich

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Frühgeburt: Bakterien in Plazenta als Ursache möglich


dpa / Die Plazenta ist nicht steril, wie bislang angenommen, sondern beherbergt eine kleine, aber vielfältige Bakteriengemeinschaft. Ihre Zusammensetzung erinnere am ehesten an die der Mundhöhle, berichten Forscher im Fachjournal »Science Translational Medicine« (doi: 10.1126/scitranslmed. 3008599). Das plazentare Mikrobiom könnte für das Frühgeburtsrisiko eine Rolle spielen.


Die Plazenta bildet sich bei Beginn der Schwangerschaft und stellt über die Nabelschnur die Versorgung des heranwachsenden Embryos mit Nährstoffen und Sauerstoff sicher. Außerdem dient sie als natürliche Schranke zwischen dem mütterlichen und dem kindlichen Blutkreislauf und verhindert, dass bestimmte Schadstoffe und Krankheitserreger von der Mutter zum Kind gelangen.




Die das Embryo versorgende Plazenta ist nicht steril, sondern von Bakterien besiedelt. Anscheinend gelangen die Mikroben über das mütterliche Blut in den Mutterkuchen.

Foto: dpa


Allerdings filtert die Plazenta nicht alle schädlichen Stoffe aus dem mütterlichen Blut heraus und – wie die neue Untersuchung nahelegt – auch nicht alle Bakterien. Die Forscher um Professor Dr. Kjersti Aagaard vom Baylor College of Medicine in Houston hatten insgesamt 320 Plazenten von Frauen nach der Geburt untersucht (sogenannte Nachgeburten). Mit gentechnischen Verfahren identifizierten sie die darin vorkommenden Bakterienstämme. Anschließend verglichen sie die Zusammensetzung des Mikrobioms mit dem anderer Körperregionen. Daten zur Bakterienvielfalt in und auf dem Menschen sind in den vergangenen Jahren beim »Human Microbiom Project« gesammelt worden.

 

Von Frau zu Frau unterschied sich die bakterielle Zusammensetzung der Plazenta. Die Anzahl der Bakterien war im Allgemeinen gering, das Darmbakterium Escherichia coli kam bei den meisten Frauen am häufigsten vor. Die meisten Bakterien waren harmlos und gehörten zu den üblichen menschlichen Keimen. Grundsätzlich fanden die Wissenschaftler eine Ähnlichkeit der Bakterienzusammensetzung mit der der Mundhöhle, vor allem an der Zunge, den Mandeln und in Zahnbelägen. Vermutlich gelangten die Bakterien in der Frühschwangerschaft über das Blut der Mutter in die Plazenta. Ihre Studie gebe somit auch neue Hinweise darauf, wann Kinder erstmals mit Bakterien besiedelt werden – nämlich möglicherweise schon im Mutterleib über die Plazenta. Die Forscher hatten zuvor die Vaginalflora von Schwangeren untersucht und dabei festgestellt, dass diese nicht als Quelle der intestinalen Flora des Neugeborenen infrage kommt.

 

Es gibt Hinweise darauf, dass das plazentare Mikrobiom für das Frühgeburtsrisiko eine Rolle spielt. So kamen bei Frauen, die eine Frühgeburt hatten, bestimmte Keime vermehrt vor, andere waren weniger häufig zu finden. Die Forscher wollen diesen Zusammenhang nun in einer weiteren Studie untersuchen. Schon länger ist bekannt, dass Schwangere mit schlechter Mundhygiene, vor allem mit Parodontitis, eine erhöhtes Frühgeburtsrisiko haben. Auch bei Frauen, die im ersten und frühen zweiten Trimester der Schwangerschaft eine Infektion bekommen hatten, zum Beispiel einen Harnwegsinfekt, war die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft verändert. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2014

 

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