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Wenn chronisch kranke Kinder erwachsen werden

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Wenn chronisch kranke Kinder erwachsen werden
 


Wenn Jugendliche mit chronischen Krankheiten erwachsen werden, entstehen häufig Lücken bei der medizinischen Betreuung. «Diese Patienten brauchen eine bessere Versorgung in der Erwachsenenmedizin», sagte Silvia Müther, Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin, der Nachrichtenagentur dpa. Auch Fragen wie Sexualität, Berufswahl und Kinderwunsch müssten geklärt werden. Der Verband setzt sich für einen strukturierten Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin ein. Betroffen von der Problematik sind Menschen, die zum Beispiel an Asthma, Diabetes oder auch Mukoviszidose leiden.

Kinderärzte geben ihre Patienten, wenn diese 18 Jahre alt werden, in der Regel weiter an Erwachsenenärzte. Oft kommen im Erwachsenenalter neue Komplikationen hinzu, Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose oder Gelenkerkrankungen zum Beispiel. Deshalb brauchen die Patienten eine andere Versorgung als in der Kindheit. Viele Pädiater seien überfordert, Erwachsenenärzte oft nicht ausreichend mit den seltenen Krankheiten vertraut, sagt Lungenarzt Carsten Schwarz vom Mukoviszidose-Zentrum der Berliner Charité.

Früher starben Mukoviszidose-Paitenten häufig, bevor sie erwachsen waren. Dem Bericht «Qualitätssicherung Mukoviszidose» von 2011 zufolge ist die Lebenserwartung solcher Patienten enorm gestiegen: Vor rund 35 Jahren waren weniger als 2 Prozent von ihnen erwachsen, heute sind es etwas mehr als die Hälfte. Sie erreichten 2011 im Mittel das 40. Lebensjahr. Eine Umfrage des Projektes Mukoviszidose ergab, dass knapp 40 Prozent der erwachsenen Patienten weiter in der Pädiatrie versorgt werden.

Transitionsmediziner plädieren dafür, dass sich Pädiater und Erwachsenenarzt zwei Jahre lang gemeinsam um den Patienten kümmern. Erprobt wird das unter anderem am Christiane-Herzog-Mukoviszidose-Zentrum an der Frankfurter Uniklinik. Erwachsenenärzte sind hier Teil des Teams. Heranwachsende Patienten müssen so nicht plötzlich zu fremden Ärzten wechseln. Solche Strukturen sollten finanziell unterstützt werden, sagt Christina Smaczny, Oberärztin an der Frankfurter Mukoviszidose-Ambulanz. Aktuell überlebten die Zentren nur durch Spenden.

Smacznys hält es für sinnvoll, die Kosten als Vorsorge fest ins Programm der Krankenkassen aufzunehmen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, GKV, sieht das anders: «Diese Probleme löst man nicht durch mehr Geld, sondern durch eine bessere Kooperation der Ärzte untereinander», teilt ein Sprecher mit.

Die Erwachsenenmedizin folgt einem anderen Takt als die Pädiatrie. «Es geht alles viel schneller», sagt die Berliner Kinder- und Jugendärztin Silvia Müther, die im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin ist. Den Jugendlichen falle es oft schwer, ohne ihre Eltern alleine die Verantwortung zu übernehmen. Der Weg zu einem flächendeckend besseren und strukturierterem Übergang sei noch lang.
 
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09.05.2014 l dpa
Foto: Fotolia/Syda Productions
 

 

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