Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Dengue-Fieber: Hoffnung auf Impfstoff

PHARMAZIE

 
Dengue-Fieber

Hoffnung auf Impfstoff


Von Kerstin A. Gräfe / Erstmals hat ein Impfstoff gegen eine Infektion mit dem Dengue-Virus eine Phase-III-Studie durchlaufen. Die tetravalente Vakzine ChimeriVax™ reduzierte die Erkrankungsrate um 56 Prozent. Die Suche nach einem effektiven Kandidaten beschäfigt die Hersteller seit Jahrzehnten. Denn die Tropenerkrankung ist auf dem Vormarsch, auch in Deutschland.


Das Dengue-Virus gehört wie die Erreger von Gelbfieber und Japanischer Enzephalitis zu den Flaviviren. Gegen die beiden letzteren Tropenerkrankungen gibt es effektive Impfstoffe. Dagegen hat sich die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Dengue-Virus als schwierig erwiesen. Zum einen fehlt ein einfaches Tiermodell. Zum anderen tritt das Virus in vier unterschiedlichen Serotypen auf (DENV-1 bis DENV-4), die wiederum als Mischinfektionen beim selben Patienten vorkommen können. Dementsprechend muss ein erfolgreicher Impfstoff gegen alle vier Viren schützen.




Bei den Asiatischen Tigermücken saugen wie bei anderen Stechmücken ausschließlich die Weibchen Blut, das sie für die Bildung ihrer Eier benötigen.

Foto: CDC/James Gathany


Bei ChimeriVax handelt es sich um einen gentechnisch hergestellten, abgeschwächten Lebendimpfstoff, der auf dem Gerüst eines Gelbfieberimpfstoffs jeweils Antigene der vier Dengue-Viren exprimiert. Laut Sanofi Pasteur steckt in der Vakzine mehr als zwanzigjährige Forschungsarbeit.

ChimeriVax wurde in zwei placebokontrollierten Phase-III-Studien untersucht. Die erste Untersuchung fand in Endemiegebieten in Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam mit mehr als 10 000 Kindern im Alter zwischen zwei und 14 Jahren statt. Zwei Drittel der Kinder bekamen zu Studienbeginn, nach einem halben Jahr und nach einem Jahr den Impfstoff injiziert; das andere Drittel erhielt dreimal Placebo. Als primärer Endpunkt war die Zahl der virologisch bestätigten Erkrankungen am Dengue-Fieber definiert. Laut Hersteller reduzierte die Vakzine die Infektionsrate um 56 Prozent. Zu potenziellen Nebenwirkungen äußert sich das Pharmaunternehmen bislang nicht. In der vorangegangen, im Fachjournal »The Lancet« publizierten Phase-IIb-Studie hatte sich ChimeriVax als sicher und gut verträglich erwiesen (doi: 10.1016/S0140-6736(12)61428-7).

Die zweite Phase-III-Studie mit mehr als 20 000 Probanden läuft derzeit in Brasilien, Kolumbien, Honduras, Mexiko und Puerto Rico. Erste Ergebnisse werden für das dritte Quartal 2014 erwartet.

Weitere Kandidaten in der Pipeline

Auch alle anderen Impfstoffe gegen Dengue, die sich derzeit in klinischen Studien befinden, sind als tetravalente Substanzen konzipiert. DENVax® von der US-amerikanischen Firma Inviragen befindet sich in Phase II in Puerto Rico, Kolumbien, Singapur und Thailand. Ebenfalls in Phase II ist eine abgeschwächte Lebendvakzine des brasilianischen Instituts Butantan. Weitere Kandidaten wie ein rekombinanter Subunit-Impfstoff von Merck und Hawaii Biotech, ein aufgereinigter inaktivierter Impfstoff von GlaxoSmithKline sowie eine attenuierte Lebendvakzine des indischen Herstellers Panacea befinden sich in frühen Phasen der klinischen Prüfung.

Mehr Infektionen auch in Deutschland

Dengue ist in den Tropen weit verbreitet, vor allem in Südostasien, Indien sowie Mittel- und Südamerika. Überträger des Erregers ist die Tigermücke Aedes aegypti, aber auch Aedes albo­pticus kann das Virus weitergeben. Trat die Erkrankung früher nur während der Regenzeit in ländlichen Regionen auf, kommt sie nun auch ganzjährig in Städten vor. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jährlich 50 Millionen Menschen an der Tropenerkrankung.

Diese äußert sich in der milden Form mit grippeähnlichen Symptomen. Typisch sind plötzlich auftretendes hohes Fieber, das drei bis sieben Tage anhält, intensive Kopfschmerzen, Schmerzen hinter den Augen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Oft tritt ein charakteristischer Ausschlag (makulopapulöses Exanthem) auf. In dieser leichten Form heilt die Krankheit in der Regel von selbst aus. Da bislang keine kausale antivirale Therapie verfügbar ist, steht im Mittelpunkt der Behandlung die Rehydratation und Fiebersenkung mit Paracetamol. Acetyl­salicylsäure und andere Blut verdünnende nicht steroidale Antirheumatika sind kontraindiziert, da es unter ihnen zu hämorrhagischem Fieber (DHF) bis hin zum Schocksyndrom kommen kann. In diesen Fällen kann die Infektion tödlich ausgehen. Von den Patienten, die hämorrhagisches Fieber entwickeln, stirbt etwa jeder fünfte. Vor allem Kinder sind gefährdet. In einigen asiatischen Ländern ist Dengue sogar der Hauptgrund für Kindersterblichkeit.

Auch in Deutschland ist Dengue auf dem Vormarsch. In den vergangenen Jahren wurden dem Robert-Koch-Institut jährlich zwischen 260 und 300 Fälle gemeldet; 2010 bereits 594 und 2013 sogar 879. Am häufigsten wird die Krankheit aus Thailand importiert. Apotheker sollten Fernreisende verstärkt auf die Prävention mit Mückenschutz hinweisen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2014

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU