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Propranolol: Zufallsentdeckung gegen Hämangiome

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Propranolol: Zufallsentdeckung gegen Hämangiome
 


Mit Hemangiol® hat die EU-Kommission Ende April ein Arzneimittel zur Behandlung von proliferierenden Hämangiomen zugelassen, das den Betablocker Propranolol in Form einer oralen Lösung (3,75 mg/ml) enthält. Propranolol ist ein seit Jahrzehnten im Handel verfügbarer, nicht selektiver Betablocker, der bei einer Vielzahl von Indikationen zugelassen ist. Die neue Indikation geht auf eine Zufallsentdeckung zurück: Im Jahr 2008 hatte eine französische Ärztin einen Säugling mit ausgedehntem Hämangiom im Gesicht mit der üblichen Therapie, einem Glucocorticoid, behandelt. Als sich eine hypertrophe Kardiomyopathie entwickelte, gab sie zusätzlich Propranolol und stellte zu ihrer Überraschung fest: Das Hämangiom blasste innerhalb von 24 Stunden deutlich ab und verkleinerte sich in der Folgezeit rasch – auch nachdem das Corticoid abgesetzt worden war.

Hämangiome (umgangssprachlich: Blutschwämmchen) sind embryonale, gutartige Tumoren, die sich in der Haut oder in inneren Organen entwickeln und mit einer Prävalenz von etwa 3 bis 10 Prozent auftreten können. Sie entstehen in der Regel während der ersten vier bis sechs Lebenswochen und zeigen zu Beginn ein rasches Wachstum. Sie können in sehr unterschiedlicher Ausprägung an verschieden Körperregionen auftreten. Es gibt sowohl tiefe als auch oberflächliche Formen, die tiefrot sind und das Hautniveau überragen.

Die Geschwulste bilden sich meist von selbst zurück. Bei einem Teil der Kinder ist allerdings eine frühzeitige Behandlung notwendig – dann nämlich, wenn es zu schmerzhaften Geschwüren und zur Narbenbildung oder zu entstellenden Deformationen im Gesicht kommt, oder auch wenn die Hämangiome an Augen, Nase, Mund oder im Anogenitalbereich wuchern und lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können wie Atembeschwerden, Einschränkungen beim Sehen oder bei der Nahrungsaufnahme. In diesen schweren Fällen kann Hemangiol® bei Kindern im Alter von 5 Wochen bis 5 Monaten eingesetzt werden. (rt)
 
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05.05.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Franziska Krause
 

 

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