Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Stiftung Warentest: Apothekenberatung gut bis ausreichend

NACHRICHTEN

 
Stiftung Warentest: Apothekenberatung gut bis ausreichend
 


Die Stiftung Warentest hat mal wieder stichprobenartig die Beratung in Apotheken überprüft. Die Ergebnisse erscheinen heute im Magazin «Test» und online unter www.test.de. Geschulte Tester besuchten mehrmals 21 Apotheken im Raum Dresden, Hannover und Frankfurt am Main. Außerdem bestellten sie bei 15 deutschen und zwei europäischen Versandapotheken. Vier Vor-Ort-Apotheken schnitten gut, zwölf befriedigend und fünf nur ausreichend ab. Bei den Internetapotheken sieht das Ergebnis ähnlich aus: Vier gelten als gut, sieben als befriedigend, fünf als ausreichend und eine als mangelhaft.

Schwerpunkt der Bewertung war die fachliche Beratung. So überprüften die Tester drei Szenarien zu Wechselwirkungen, drei zur Selbstmedikation und forderten eine falsch dosierte Rezeptur an. Nach Aussage von Stiftung Warentest erkannte nur eine Apotheke alle wichtigen Wechselwirkungen, die teils nur auf Nachfrage festzustellen waren. Größter Kritikpunkt: Das pharmazeutische Personal vor Ort und an den Telefonhotlines fragte zu wenig nach.
Im Erkennen von Wechselwirkungen waren die Versandapotheken insgesamt besser, während die lokalen Pharmazeuten umfassender zu rezeptfreien Medikamenten informierten. Im Fall eins ging es um die Wechselwirkung zwischen Tamoxifen und Paroxetin (von zwei lokalen und sieben Versandapotheken erkannt). Bei Fall zwei sollte eine Medikationsliste mit sieben Präparaten überprüft werden (von vier beziehungsweise fünf erkannt). Im dritten Fall ging es um die Interaktion zwischen Calcium und Alendronsäure.

In den weiteren Fällen ging es um OTC-Arzneimittel. Bei Aufgabe vier war der Wunsch nach einem Isoflavon-Präparat gegen Wechseljahrsbeschweren zu hinterfragen. In Fall fünf forderten die Tester das Bronchitis-Medikament Umckaloabo für die nicht zugelassene Indikation Halsschmerzen. 15 von 21 Vor-Ort-Apotheken empfahlen passendere Alternativen, bei den Versendern taten dies nur 6 von 17. Hinweise auf Interaktionen und Nebenwirkungen sowie der Verweis an einen Arzt aufgrund der Symptome fehlten meist. Im sechsten Fall ging es um Vomex-A-Suppositorien für ein Kleinkind mit Brechdurchfall. Vier örtliche Apotheken empfahlen die fünffach höhere Erwachsenendosis.

Vor allem bei der Rezeptur besteht Nachholbedarf, wie Fall sieben zeigt: Zwei lokale und sieben Versandapotheken verweigerten die Anfertigung, teils mit der Begründung, die Ausgangsstoffe seien vom Großhändler nicht lieferbar. Gefordert war eine im Neuen Rezeptur- Formularium (NRF) verzeichnete Lösung zur Wundbehandlung auf Privatrezept, die verschriebene Konzentration war jedoch zu hoch. Vier lokale und eine Versandapotheke fertigten die Lösung in falscher Konzentration an, zwei gaben eine höher konzentrierte industrielle Lösung ab. Neun Apotheken lieferten korrekt hergestellte und beschriftete Rezepturen. Der Preis variierte zwischen 7 und 65 Euro.

Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßt Testkäufe grundsätzlich. Die Ergebnisse der aktuellen Stichprobe lagen der ABDA vorab nicht vor, sodass der Verband noch keine detaillierte Stellungnahme abgeben wollte. «Wir werden die Ergebnisse intern intensiv diskutieren und jede berechtigte Kritik ernst nehmen, da wir an einer stetigen Qualitätsverbesserung arbeiten», betonte die ABDA. Sie verweist darauf, dass 71 Prozent der Apotheken ein «gut» oder «befriedigend» erhielten, beim Testkauf im Jahr 2010 waren es nur 54 Prozent gewesen.  

Die Stiftung Warentest selbst hält die Beratung durch pharmazeutisches Personal für überaus wichtig. Zur Polymedikation schreibt sie: «Jemand sollte den Mix im Blick behalten. Wer könnte das besser als die Arzneimittelexperten in Apotheken?» Im Editorial der aktuellen Ausgabe der «Pharmazeutischen Zeitung» fordert auch der Präsident der Bundesapothekerkammer, Dr. Andreas Kiefer, sich fortzubilden und stets eine exzellente Beratung zu bieten: «Die Gesellschaft erwartet von jeder inhabergeführten Apotheke die gleiche Beratungsleistung.» Das müsse eben auch kontrolliert werden. Testkäufe seien hierfür ein geeignetes Mittel. (db)
 
Lesen Sie dazu auch
Editorial: Alle machen mit..., PZ 17/2014
 
24.04.2014 l PZ
Foto: Stiftung Warentest
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Homöopathie: FDA warnt vor Belladonna-Produkten

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor homöopathischen Arzneimitteln, die auf Basis der schwarzen Tollkirsche (Atropa...



Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt

Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...



Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...



GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

 
 

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Stada: Erstes verbindliches Übernahmeangebot eingegangen
Der Pharmakonzern Stada hat heute das erste rechtlich verbindliches Übernahmeangebot erhalten. Laut Ad-hoc-Meldung von Stada umfasst die...

WHO: Immer mehr Menschen leiden an Depressionen
Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322...

Farbige Fun-Kontaktlinsen: Fragwürdiger Fastnachtsspaß
Freiverkäufliche Fun- oder Crazylinsen sollten nur so kurz wie möglich im Auge gelassen und am besten unter augenärztlicher Kontrolle...

Krankenkassen wollen Zyto-Ausschreibungen behalten
Die deutschen Krankenkassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern. In einem Schreiben an die...

Depressionen: Merkel sieht Aufklärungs- und Handlungsbedarf
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern...

Studie: Image der Pharmaindustrie bleibt schlecht
Die Pharmaindustrie hat weiterhin ein schlechtes Image. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor...

Alkohol an Karneval: Risiken nicht verharmlosen
Gerade im Karneval herrscht beim Alkohol oft Narrenfreiheit. Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt am Vivantes...

Grippewelle: Höhepunkt wohl überschritten
Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der...

Morbus Fabry: Selten und häufig übersehen
Bis zur Diagnose der seltenen Erkrankung Morbus Fabry vergehen im Schnitt 13 bis 18 Jahre. «Bei jungen Patienten mit Schlaganfall sowie bei...

Philippinen: Terrorgefahr für Apotheker ohne Grenzen
Hilfsorganisationen sollen ihre deutschen Mitarbeiter wegen akuter Terrorgefahr von der philippinischen Insel Mindanao abziehen. Nach...

Orphan Disease: Herausforderung für Arzt und Patient
Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland haben besondere Symptome. Sie stellen Ärzte oft jahrelang vor Rätsel, bis klar ist: Der Patient...

Kinder: Psychotherapie zu Hause statt in der Praxis
Psychiater und Psychotherapeuten wollen die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher verbessern. Ein Kernelement sei dabei der...

Gröhe: Kindergesundheit besser und früher stärken
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat eine gemeinsame Kraftanstrengung von Eltern, Kitas, Schulen, Ärzten sowie Verbänden gefordert,...

Stiftung Warentest: Gutes Urteil für teurere Inkontinenzhilfen
Die Stiftung Warentest hat 19 Inkontinenzhilfen im Labor und mit knapp 200 Männern und Frauen getestet. Neunmal gab es die Note «gut» – vor...

Nutzenbewertung: VdPP kritisiert EU-Pläne
Der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) kritisiert die Initiative der EU-Kommission, das...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU