Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Tamiflu: Linke wollen Einlagerung stoppen

NACHRICHTEN

 
Tamiflu: Linke wollen Einlagerung stoppen
 


Nach der ernüchternden Bewertung der Grippemittel Tamiflu und Relenza durch die renommierte Cochrane Collaboration fordert die Linkspartei, die Einlagerung dieser Präparate bei Bund und Ländern zu stoppen. Insbesondere die Vorgänge rund um Tamiflu seien «ein mehrfacher Skandal», sagte die Linken-Arzneimittelexpertin Kathrin Vogler. Bereits seit Jahren hätten unabhängige Forscher Zweifel am Nutzen des Neuraminidase-Hemmers. Negative Studiendaten habe die Firma Roche jedoch lange Zeit nicht offengelegt.
 
Nach langem Hin und Her hatten Roche und der Relenza®-Hersteller GlaxoSmithKline Experten zuletzt Einsicht in interne Studienberichte gewährt. Das Fazit der Cochrane-Wissenschaftler fiel verheerend aus: Beide Arzneimittel schützen demnach nicht vor schweren Komplikationen einer Grippe, die Nebenwirkungen fallen hingegen weit stärker aus als bislang bekannt.
 
Die Bundesregierung will vorerst dennoch an der Bevorratung mit Tamiflu® festhalten und verweist auf die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Sollte sie zu einer anderen Einschätzung über das Präparat gelangen, «wird das in die nationale Pandemieplanung einfließen», schreibt Ingrid Fischbach (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, in ihrer Antwort auf eine Anfrage Voglers.
 
Zu den Kosten für die Bevorratung mit antiviralen Arzneimitteln machte sie keine Angaben. Die Regierung werde die entsprechenden Zahlen jedoch bei den zuständigen Stellen der Bundesländer abfragen und veröffentlichen, sofern die Länder damit einverstanden seien, so Fischbach. Vogler sieht darin eine Verschleierungstaktik und sprach von einem «Milliarden-Grab Tamiflu». «Die Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wieviel öffentliche Gelder bislang für dieses teils unwirksame und teils gefährliche Medikament verschleudert worden sind.» Vogler zufolge dürften in Deutschland bislang ähnliche Kosten angefallen sein wie in Großbritannien. Dort sei etwa eine halbe Milliarde Euro investiert worden. (sch)
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Oseltamivir (Tamiflu® / 2002) und Zanamivir (Relenza® / 1999) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
23.04.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Doc Rabe Media
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen

Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...



Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene

Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...



ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....



Generika: EU-Parlament will Produktion stärken

Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

 
 

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU