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Mausarm: Klicken tut weh

MEDIZIN

 
Mausarm

Klicken tut weh


Von Nicole Schuster / Die Bedienung von Computermaus und Tastatur gehört heute für die meisten Menschen zum privaten und beruflichen Alltag. Beim sogenannten Mausarm bereiten diese kleinen Bewegungen Schmerzen. Verantwortlich für die Beschwerden sind Entzündungen der Sehnen oder Sehnenansätze. Mit Physiotherapie lässt sich gegensteuern.

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Der Tennisellenbogen ist vielen Menschen ein Begriff. »Weniger bekannt ist, dass das gleiche Beschwerdebild auch durch die Bedienung der Computermaus entstehen kann«, sagt Dr. Thomas Pauly vom Deutschen Orthopäden-Verband gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Beim sogenannten RSI-Syndrom kommt es durch wiederholte Belastung zu Mikroverletzungen von Sehnen(-ansätzen) an Ellenbogen oder Unterarm. RSI steht dabei für Repetitive Strain beziehungsweise Stress Injury.

 

Erst Kribbeln, dann Schmerzen

 




Foto: Fotolia/Heino Pattschull


Betroffene verspüren zunächst ein Kribbeln in der Hand und einen Kraftverlust im Unterarm. Auch Sensibilitätsstörungen und Taubheitsgefühle gehören zu typischen frühen Anzeichen. Bei fortgesetzter Tätigkeit entwickeln sich starke Schmerzen. Sie können den gesamten Arm einschließlich Schulter und Nacken betreffen. Typischerweise lassen die Beschwerden im Anfangsstadium nach oder verschwinden, sobald die Bewegung eingestellt wird.

 

Wie viele Menschen vom Mausarm betroffen sind, ist unklar. Meistens sind es jedoch nicht die typischen Büroarbeiter, die unter dem Syndrom leiden. »Gefährdet sind vor allem Personen, die täglich repetitive, kleine Bewegungen mit der Hand ausführen«, erläutert der Arbeitsmediziner Dr. Falk Liebers im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Beispiele sind etwa grafische Zeichner oder Menschen, die ununterbrochen Daten eingeben. Bei einer Büro­tätigkeit, die zwischen Arbeit am Computer, mit Aktenordnern und Telefonaten wechselt, ist das Risiko geringer. Ausgiebige Beschäftigung mit dem Computer in der Freizeit, beispielsweise mit PC-Spielen, erhöht das Risiko, einen Mausarm zu entwickeln.

 

»Der Mausarm ist keine etablierte medizinische Diagnose«, sagt Liebers. Das führt dazu, dass das Syndrom auch von Experten nicht immer gleich erkannt wird. Für die Diagnose ist es unverzichtbar, dass der Arzt bei der Anamnese erfährt, mit welchen Tätigkeiten die Schmerzen in Zusammenhang stehen. Empfehlenswert für Patienten ist es, ein Schmerztagebuch zu führen, in dem sie die verursachenden Bewegungen festhalten. Grunderkrankungen oder spezifische, den Unterarm betreffende Schmerzbilder wie eine Sehnenscheidenentzündung oder das Karpaltunnelsyndrom sowie Erkrankungen der Nacken-Schulter­region müssen ausgeschlossen werden.

 

Zur Therapie gehören unter anderem physiotherapeutische und ergonomische Maßnahmen. Hier lernen Betroffene ausgleichende Dehn- und Kräftigungsübungen und erhalten Informationen, wie sie ihre Arbeitsweise gesünder gestalten können. Auch Massagen und Sport können helfen. In akuten Fällen lindern Kälte- oder Wärmebehandlungen, Analgetika und Cortison-Injektionen die Symptome.

 

Auslöser meiden

 

Betroffene müssen die auslösende Bewegung meiden beziehungsweise stark reduzieren. Hier sind oft individuelle Lösungen gefragt. »Es geht nichts über Ausprobieren«, sagt Dr. Johannes Flechtenmacher, Orthopäde aus Karlsruhe, der PZ. Er rät Pa­tienten, mit Unterleg-Gelkissen für den Unterarm, Handauflagen und verschiedenen Armhaltungen zu experimentieren. Analgetika reduzieren nur die Symptome, nicht aber die Ursache. »Bei fortgesetzter Tätigkeit riskieren Patienten, dass die Krankheit chronisch wird und die Schmerzen auch ohne erneute Belastung wiederkehren«, warnt Flechtenmacher.




Passionierte Computerspieler können Gefahr laufen, einen Mausarm zu entwickeln.

Foto: picture alliance


Im Gegensatz zu Ländern wie den USA oder Australien ist das RSI-Syndrom infolge von Computerarbeit in Deutschland nicht als Berufskrankheit anerkannt. Dennoch sollte auch beim Mausarm zur bleibenden Regeneration des Patienten der Arbeitgeber eingebunden werden. »Arbeitnehmer haben das Recht auf arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, wenn entsprechende berufliche Belastungen vorliegen«, sagt Liebers. »Hier können sie sich auch beraten lassen, wie das Arbeitsumfeld verbessert werden kann.« Neben einer ergonomischen Computermaus und Tastatur können Änderungen der Sitzhöhe, des Abstands von Bildschirm und Tastatur, die Körperhaltung am Schreibtisch sowie Verbesserungen der Arbeitsorganisation Erleichterung verschaffen.

 

»Wichtig sind regelmäßige Unterbrechungen und Tätigkeitswechsel«, betont der Arbeitsmediziner. Schon kleine Pausen führen zu einer raschen Erholung der Muskeln und Sehnen und beugen einer Überlastung vor. Nicht nur die Maus zur Programmsteuerung und Dateneingabe zu benutzen, sondern auch die Tastatur, bringt Abwechslung. Liebers rät zudem Betroffenen, die während der Arbeit lange sitzen müssen, sich so viel wie möglich zu bewegen. »Zu Kollegen zu gehen, anstelle sie anzurufen, die Treppen und nicht den Lift zu benutzen und ab und zu ein paar Dehnübungen am Schreibtisch: Das lockert die Muskulatur und wirkt Verkrampfungen entgegen.«

 

Gewohnheiten dauerhaft umstellen

 

Auch wenn die Krankheit meistens im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit auftritt, sind Fälle von Arbeitsunfähigkeit infolge des Mausarms eher selten. »Die Erkrankung ist gut therapierbar, wenn konsequent behandelt wird«, sagt Flechtenmacher. Dazu gehört auch, Maßnahmen, die vor einer Überbelastung schützen sollen, nach Abklingen der Beschwerden beizubehalten. Nachlässigkeit kann bestraft werden, indem die Symptome des RSI-Syndroms wiederkehren. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2014

 

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