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Muskuläre Rückenschmerzen: Therapieoptionen sind begrenzt

PHARMAZIE

 
Muskuläre Rückenschmerzen

Therapieoptionen sind begrenzt


Von Maria Pues, Frankfurt am Main / Rückenschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen: von Bewegungsmangel bis hin zu malignen Erkrankungen. In vielen Fällen ist die Muskulatur beteiligt. Doch die Therapiemöglichkeiten sind rar geworden.

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Schmerzt es im Rücken, liegen den Beschwerden häufig Fehlfunktionen und Verspannungen der Muskulatur zugrunde. Den verschiedenen Ausprägungen des Phänomens, das häufig als »unspezifischer Rückenschmerz« zusammengefasst wird, widmete sich auf dem diesjährigen Schmerz- und Palliativkongress in Frankfurt am Main ein von Teva unterstütztes Symposium. Grundlagen der Beschwerden sowie Möglichkeiten und Probleme einer an der Schmerzursache ansetzenden Behandlung waren zentrale Themen der Referate.

 

Wirklich unspezifisch?

 

Spezifisch heißt ein Rückenschmerz definitionsgemäß dann, wenn er beispielsweise durch einen Tumor, einen Bandscheibenvorfall oder eine Osteoporose verursacht wird. Rund 90 Prozent der Fälle von lumbalem Rückenschmerz würden heute als unspezifischer Rückenschmerz eingestuft, sagte Professor Dr. Matthias Maschke, Trier. Er kritisierte, dass hierbei angeblich keine weitergehende Klassifizierung möglich sei. In den meisten Fällen sei der Schmerz muskulär bedingt und ausschließlich klinisch erfassbar. Eine gründliche körperliche Untersuchung und unterstützende Diagnosetools wie der Myotet®-Fragebogen hälfen dabei, muskuläre Schmerzen sicher zu diagnostizieren.




Foto: Fotolia/agenturfotografin


Muskelschmerzen auch im Rückenbereich können sehr unterschiedliche Ursachen haben, erläuterte er weiter. Zu diesen gehören nicht nur Infektionen wie mit HI- oder Coxsackie-Viren, sondern auch Arzneimittel wie Statine oder Ciclosporin. Auch endokrine oder rheumatologische Erkrankungen können mit Muskelschmerzen einhergehen. Häufig unterschätzt werde die Rolle muskulärer Schmerzen bei neurolo­gischen Erkrankungen, sagte Maschke. So zeige sich beispielsweise ein Morbus Parkinson anfangs nicht durch Bewegungsstörungen, sondern durch Verspannungen im Schulter­bereich.

 

Bei muskulären Schmerzen handelt es sich um einen sogenannten Nozizeptorschmerz. Rezeptoren an der Muskulatur registrieren die Veränderung und melden sie ans Gehirn. Ordnet dieses eine Schonhaltung an, kommt es zwar zu einer akuten Besserung, auf Dauer aber häufig zu weiteren Verspannungen mit der Gefahr einer Chronifizierung des Schmerzes. Eine gesteigerte Schmerzerwartung beeinflusst das Schmerzerleben zusätzlich. Beteiligt sind meistens spannungsabhängige Natrium- und Kaliumkanäle. Zur Unterscheidung: Akut heißen Schmerzereignisse bis zu einer Dauer von sechs Monaten.

 

Die Behandlung muskulär bedingter Rückenschmerzen erfolgt zweckmäßig über verschiedene Wege: Eine Bewegungstherapie kräftigt die Muskulatur und hilft, das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Entspannungs­methoden können dazu beitragen, erneuten Verspannungen vorzubeugen. Häufig ist zunächst zumindest kurzzeitig eine Pharmakotherapie erforderlich, um die akuten Beschwerden zu lindern und eine Bewegungstherapie zu ermöglichen. Bei myofascialen Schmerzsyndromen sollten entsprechende Wirkstoffe möglichst spezifisch über Natrium- und Kaliumkanäle wirken sowie neben einer guten Schmerzlinderung eine muskelentspannende Wirkung besitzen, so Maschke.

 

Flupirtin zur Kurzzeitbehandlung

 

Grundsätzlich stehen zur Schmerz­linderung verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) haben sich bei entzündlichen Gelenkschmerzen bewährt, Opioide kommen gemäß der LONTS-Leitlinie (Langzeitanwendung von Opioiden) auch bei bestimmten Arten von Rückenschmerzen zum Einsatz. Diffizil gestaltet sich die Therapie muskulär bedingter Schmerzen, nachdem im vergangenen Jahr drei Wirkstoffe zur Behandlung dieser Beschwerden eine Neubewertung durchlaufen haben, erinnerte Privatdozent Dr. Michael A. Überall, Nürnberg. Das Ergebnis: Tolperison ist wegen der Gefahr schwerer Hautreaktionen nur noch zur symptomatischen Behandlung von Spastizität nach einem Schlaganfall Erwachsener zugelassen; die Zulassung von Tetra­zepam ruht wegen der Gefahr schwerer Hautreaktionen; und Flupirtin darf wegen der Gefahr von Leberwerterhöhungen nur noch bei Erwachsenen mit akuten Schmerzen und nur noch als Kurzzeitbehandlung (zwei Wochen unter wöchentlicher Leberwertkontrolle) angewendet werden, wenn NSAR und Opioide kontraindiziert sind.

 

Aber wirkt Flupirtin überhaupt in dieser kurzen Zeit? Überall verwies dazu auf eine eigene Post-hoc-Subgruppenanalyse von Daten aus nicht interventionellen Studien aus dem vergangenen Jahr. Demnach erwies sich der Wirkstoff im Vergleich mit Diclofenac auch in der Kurzzeitbehandlung als gut wirksam und verträglich, führte Überall aus. NSAR wie Diclofenac sind bei myofaszialen Schmerzen allerdings nur indiziert, wenn diese eine ausgeprägte entzündliche Komponente aufweisen. Anwendungsgebiete im ambulanten Bereich für Flupirtin sind akute Schmerzen im Bewegungsapparat, die mit einer Verspannung der Muskulatur einhergehen. Dazu gehören Kreuz-, Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen. Schwere Leberzellschädigungen wurden bei einer Kurzzeittherapie bisher nicht beobachtet. /

 

Bei muskulär bedingten Schmerzen sollte die Behandlung multimodal erfolgen: Dazu gehören Bewegungs-, Entspannungs- und Pharmakotherapie.



Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2014

 

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