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Modellprojekt: Startschuss für ARMIN

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Modellprojekt

Startschuss für ARMIN


Von Ev Tebroke, Berlin / Jetzt ist es offiziell: Vergangenen Donnerstag haben die Verantwortlichen der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) den Start des Modellvorhabens bekannt gegeben. Ab 1. April können sich Ärzte und Apotheker für das Projekt anmelden.

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Mit ARMIN wollen die Apothekerverbände und die Kassenärztlichen Vereinigungen der beiden Bundesländer zusammen mit der AOK Plus die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung verbessern. Das auf fünf Jahre ausgelegte Vorhaben richtet sich in erster Linie an chronisch Kranke und Menschen, die über einen längeren Zeitraum fünf oder mehr Wirkstoffe gleichzeitig einnehmen müssen. Hier soll ARMIN helfen, die Therapietreue zu verbessern und eine sichere korrekte Medikamenteneinnahme fördern. Als Modellregion waren Sachsen und Thüringen prädestiniert, da diese Länder bundesweit den höchsten Anteil multimorbider Patienten verzeichnen.

 

Softwaregestützte Zusammenarbeit

 




Präsentierten das Modellprojekt: Klaus Heckemann, Vorstandschef der KV Sachsen; Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerbands; Rainer Striebel, Vorstandschef der AOK Plus; Annette Rommel, Vorsitzende der KV Thüringen; Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands.

Foto: PZ/Wagenzik


Kernpunkt des Vorhabens ist eine enge und strukturierte Kooperation von Arzt und Apotheker bei der Patientenbe­treuung. »Mit ARMIN ist erstmals institutionell geregelt, wie Probleme in der Arzneimitteltherapie von beiden Professionen auf Augenhöhe gemeinsam konstruktiv gelöst werden«, sagte der Vorsitzende des Thüringer Apotheker­ver­bands (ThAV), Stefan Fink, bei der Vorstellung des Modells in Berlin. Dazu wurde eine IT-Lösung erarbeitet, die es beiden Parteien ermöglicht, soft­ware­gestützt zusammenzuarbeiten und einen stets aktuellen Überblick darüber zu erhalten, welche Medi­ka­men­te der Patient einnimmt. Das ursprüng­lich von der ABDA und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) initiierte Zukunftskonzept (ABDA-KBV-Modell) fußt dabei auf drei Stufen: der Wirkstoffverordnung, dem Medikationskatalog und schließlich dem eigentlichen Kernstück des Projekts, dem Medikationsmanagement.

 

»Wir haben die große Hoffnung, dass wir damit der Abschaffung der Richtgrößen einen entscheidenden Schritt näher gekommen sind«, kommentierte der Vorstand der Kassen­ärzt­lichen Bundesvereinigung (KBV), Regina Feldmann, das Projekt. Je nach Indikation kann der Arzt künftig aus einem Medikationskatalog einen entsprechenden Wirkstoff auswählen. Derzeit sind dort rund 250 Wirkstoffe aufgeführt. Die ersten beiden Stufen sollen zum 1. Juli starten. Nächstes Jahr soll dann das Medikationsmanagement beginnen, bei dem Arzt und Apotheker gemeinsam mithilfe eines Medikationsplans die Arzneimitteltherapie eines Patienten begleiten.

 

Die ARMIN-Dienstleistung wird auch entsprechend honoriert. Für das Medikationsmanagement erhalten Arzt und Apotheker im ersten Quartal je 94,50 Euro, jedes weitere Quartal wird mit 21 Euro vergütet, so der Vorsitzende des AOK Plus-Vorstands, Rainer Striebel. Für die Anschaffung der erforderlichen Hardware soll es zudem bei Anmeldung im ersten Halbjahr eine Anschubfinanzierung von 1500 Euro gegeben, wer sich im 3. Quartal einschreibt, bekommt 1000 Euro, im 4. Quartal gibt es nur noch 500 Euro.

 

Bessere Rabattquote erhofft

 

Die AOK Plus, die nach eigenen Angaben in Thüringen und Sachsen rund 2,7 Millionen Versicherte betreut, erhofft sich durch eine verbesserte Arzneimitteltherapiesicherheit vor allem auch »direkte Einsparungen durch Aufdeckung von Doppelverordnungen und unerwünschten Nebenwirkungen«, so Striebel. Auch die Umsetzung der Rabattquote, die in den Bundesländern im Vergleich zum Rest des Landes vergleichsweise niedrig ist, soll durch ARMIN besser werden. /.



Beitrag erschienen in Ausgabe 14/2014

 

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