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Hepatitis C: Heilung ohne Interferon

PHARMAZIE

 
Hepatitis C

Heilung ohne Interferon


Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Für die chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) gab es bislang keine Standardbehandlung, die ohne Interferon auskam. Diese Ära ist nun beendet: Der Polymerasehemmer Sofosbuvir kann, muss aber nicht mit Interferon kombiniert werden. Auf Ribavirin als Kombinationspartner ist die neue Substanz jedoch angewiesen.


Als einen entscheidenden Durchbruch in der HCV-Behandlung bezeichnete Professor Dr. Stefan Zeuzem vom Universitäts­klinikum Frankfurt am Main die Einführung von Sofosbuvir (Sovaldi®). Auf einer Presseveranstaltung des Herstellers Gilead nannte der Mediziner die Gründe diese Einschätzung: eine hohe antivirale Effektivität, ein sehr günstiges Neben­wir­kungs- und Verträglichkeitsprofil sowie eine nahezu nicht existente Re­sis­ten­zentwicklung. Zeuzem erinnerte daran, dass es noch gar nicht lange her ist, dass mit Boceprevir und Telaprevir die ersten beiden Proteasehemmer zur HCV-Behandlung eingeführt wurden. Mit Blick auf deren Nebenwirkungen und in Anbetracht der neuen Möglichkeiten grenze die Verordnung dieser Medikamente heute an einen ärztlichen Kunstfehler, so Zeuzem.

 

Triple-Regime oder Zweifach-Kombi

 

Bei der Replikation des HC-Virus spielt die RNA-abhängige NS5B-Polymerase eine wesentliche Rolle. Das neue Medikament hemmt dieses Enzym. Genauer betrachtet handelt es sich bei Sofosbuvir um ein Nukleotid-Prodrug, das nach intrazellulärer Metabolisierung in das pharmakologisch wirksame Uridin-Analogon-Triphosphat umgewandelt und dann von der NS5B-Polymerase in die HCV-RNA eingebaut wird. Das führt zum Kettenabbruch, wodurch die virale Replikation unterdrückt wird. Die empfohlene orale Tagesdosis beträgt einmal 400 mg.

 




Die Zahl der Lebertransplantationen könnte nach der Markteinführung von Sofosbuvir zurückgehen.

Foto: Colourbox


In Abhängigkeit vom vorliegenden HCV-Genotyp werden unterschiedliche Kombinationstherapien und Behandlungsdauern empfohlen. Wie Zeuzem erläuterte, erhalten Patienten mit den Genotypen 1, 4, 5 und 6 Sofosbuvir kombiniert mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen. Der primäre Endpunkt, ein anhaltendes virologisches Ansprechen, definiert als nicht nachweisbare HCV-RNA zwölf Wochen nach Therapiestart (SVR12), wurde bei 90 Prozent der Patienten erreicht. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber pegyliertem Interferon ist Sofosbuvir auch allein mit Ribavirin zugelassen, so Zeuzem. Die Behandlung dauere in diesem Fall 24 Wochen. In Studien betrug die SVR12-Rate unter diesem Regime 65 beziehungsweise 76  Prozent.

 

Die beiden Therapieregime, also Sofosbuvir mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen beziehungsweise mit Ribavirin alleine für 24 Wochen, sind auch beim Genotyp 3 zugelassen. Unter dem Triple-Regime erreichten nicht vorbehandelte Patienten SVR12-Raten über 90 Prozent, vorbehandelte Probanden sprachen zu 83 Prozent an. Beim Genotyp 2 gibt es laut Zeuzem überhaupt keinen Grund mehr, an Interferon zu denken. Hier ist Sofosbuvir zusammen mit Ribavirin und einer Behandlungsdauer von zwölf Wochen zugelassen. Die SVR12-Raten in diesem Kollektiv lagen zwischen 82 und über 90 Prozent.

 

P-gp-Induktoren vermeiden

 

Was gibt es in Sachen Wechselwirkungen zu beachten? Rifampicin und Johanniskraut sind starke P-Glykoprotein(P-gp)-Induktoren im Darm, die zu einer signifikant verringerten Plasmakonzentration von Sofosbuvir führen können. Dadurch wird die therapeu­tische Wirkung des Wirkstoffs vermindert. Bei gleichzeitiger Anwendung mit den folgenden Substanzen ist ein ähnlicher Effekt zu erwarten: Carbam­azepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifabutin, Rifapentin und Tipranavir/Ritonavir. In der Fachinformation wird daher davon abgeraten, P-gp-Induktoren und Sofosbuvir gleichzeitig anzuwenden. Ebenso gibt es keine Empfehlung für die Sofosbuvir-Gabe in Schwangerschaft und Stillzeit. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2014

 

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