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Pruritustherapie: Revival für Chloralhydrat

PHARMAZIE

 
Pruritustherapie

Revival für Chloralhydrat


Von Sybille Messer / Bis dato war Chloralhydrat zur dermatologischen Anwendung eigentlich obsolet. Neuerdings wird die juckreizstillende Substanz jedoch gelegentlich wieder von universitären dermatologischen Kliniken auf Rezept verordnet. Was gilt es bei der Herstellung zu beachten?

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Rezepturen mit Chloralhydrat als Mittel gegen Juckreiz und zur oberflächlichen Wunddesinfektion kennen allenfalls pharmaziehistorisch Interessierte. Die 5-prozentige »Chloral­hydrat-Campher-Salbe nach Neisser« wurde vor etwa 100 Jahren neben alkoholischen Lösungen verschrieben und bis in das ausgehende 20. Jahrhundert konnte man Chloral­hydrat-haltige Cremes, Salben, Lösungen und Lacke in 0,5- bis 1-prozentiger Konzentration in einem dermatologischen Therapielexikon finden. 

 




Chloralhydrat unter dem Polarisationsmikroskop bei 40-facher Vergrößerung

Foto: DAC/NRF


Aktuell wird nun ausgehend von universitären dermatologischen Zentren gelegentlich wieder eine Kombination auf Rezept verordnet. Unter klinischen Praktikern steht hierbei die Abkürzung »MCC« für die Substanzen Menthol, Campher und Chloralhydrat. Ein weiterer Trivialname ist »1-2-3-Creme«, der Aufschluss darüber gibt, in welcher Konzentration die drei Komponenten eingesetzt werden: 1 Prozent Menthol, 2 Prozent Campher und 3 Prozent Chloralhydrat.

 

Verfügbar sind Menthol und Campher in unterschiedlichen Formen: als jeweiliges Enantiomer oder als racemisches Gemisch. Für Menthol empfiehlt sich die Verwendung von Levomenthol, da dieses pharmakologisch aktiver ist. Entsprechende Unterschiede spielen für D-Campher und racemischen Campher keine wesentliche Rolle, sodass beide Stoffe verwendet werden können. Als Grundlage können sowohl Basiscreme DAC als auch Wasserhaltige hydrophile Salbe DAB eingesetzt werden. Bei beiden Grundlagen resultiert eine homogene, weiche Creme, die sich auf der Haut gut verteilen und keine Partikel spüren lässt.

 

Aus fest wird flüssig

 

Betrachtet man die drei Rezeptursubstanzen, fällt auf, dass es sich um kristalline Feststoffe handelt. Wie können diese Wirkstoffe also in ausreichend fein verteilter Form in die Grundlage eingearbeitet werden? Großer Vorteil bei dieser Substanzkombination ist, dass sich Menthol, Campher und Chloralhydrat beim Verrühren in der Fantaschale verflüssigen. Es entsteht eine klare, leicht viskose Mischung, die sehr gut in die oben genannten Grundlagen eingearbeitet werden kann. Die fertige Creme riecht stark nach Menthol. Herstellungstechnisch empfiehlt sich die Verwendung von Metall-Fantaschalen, bei denen man leicht erkennt, ob die Verflüssigung vollständig ist oder nicht. Ebenfalls praktikabel ist die Zubereitung der Creme mit Alternativverfahren wie elektrischen Mischern oder einem Rolliersystem mit Kunststoffschlauch. Dabei empfiehlt es sich aber, die Substanzen vorher in der Fantaschale zu verflüssigen. Stellt man die Creme in vollautomatischen oder halb­automatischen Rührsystemen her, muss die beim Rühren vorübergehend fließfähig gewordene Creme ein paar Stunden ruhen, bevor sie dem Patienten mitgegeben werden kann.

 

Chloralhydrat wird eine antipruriginöse Wirkung zugeschrieben. Auch für Menthol und Campher wird sie in Therapieleitlinien erwähnt, wobei im vorliegenden Fall nicht genau geklärt ist, ob Campher wesentlich an der Wirkung beteiligt ist oder in erster Linie als Hilfsstoff zur Verflüssigung eingesetzt wird. »1-0,6-3-Creme« klingt zwar nicht mehr so griffig, eigene Untersuchungen zeigen aber, dass auch weniger Campher verwendet werden kann, falls man ihn als Hilfsstoff ansieht. Fehlt Campher in der Rezeptur, bleiben Menthol und Chloralhydrat fest.

 

Literaturangaben und weitere Informationen finden sich in den DAC/NRF-Rezepturhinweisen »Chloralhydrat« unter www.dac-nrf.de. /


Hintergrund

Mit der Novelle der Apotheken­betriebsordnung hat sich die Kommunikation zwischen Hautärzten und Apothekern intensiviert. Der Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) nehmen dies zum Anlass, die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Rezeptur in regelmäßigen Publikationen in dermatologischen Fachzeitschriften darzustellen. Der erste Beitrag im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG) befasst sich mit Magistral­rezepturen zur Behandlung des Pruritus. Unter anderem wird darin auf die Anwendung Chloralhydrat-haltiger Cremes verwiesen, für die es bislang keine standardisierte Rezepturvorschrift gibt. Bei DAC/NRF hat man aus diesem Anlass die Praktikabilität der Zubereitung verifiziert.



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2014

 

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