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Mikrobiom: Ernährung verändert Darmflora rasch

MEDIZIN

 
Mikrobiom

Ernährung verändert Darmflora rasch


Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein Wechsel in der Ernährungsweise verändert die Zusammensetzung der Bakterien im menschlichen Darm rasch. Das haben Untersuchungen mit gesunden Freiwilligen ergeben. Die im Fachjournal »Nature« veröffentlichte Studie zeigt, wie flexibel der Mensch auf seine Nahrung reagiert.

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In den vergangenen Monaten erschien eine Reihe von Studien, die die Darmflora mit der Entstehung von Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Rheumatoide Arthritis bis hin zu Autismus in Verbindung bringen. Entsprechend der großen Bedeutung der Darmbakterien suchen Forscher nach Wegen, deren Zusammensetzung in eine günstige Richtung zu beeinflussen. In Tierversuchen hatte die Ernährungsweise Auswirkungen auf die Darmflora gezeigt. Um zu untersuchen, ob dies auch beim Menschen der Fall ist, rekrutierten Peter Turnbaugh und Kollegen von der Harvard Universität in Boston zehn Freiwillige, darunter einen Vegetarier. Diese Probanden wurden angehalten, ihre Ernährung für fünf Tage von ihrer normalen Kost auf entweder eine stark pflanzenbasierte (mit Obst, Gemüse und Getreide) oder eine tierbasierte (mit Eiern, Milchprodukten und Fleisch) Kost umzustellen. Jeden Tag wurde aus Stuhlproben der Teilnehmer mikrobielle RNA sequen­ziert, um die Zusammensetzung der Darmflora zu bestimmen.

 




Was auf den Teller kommt, bestimmt darüber, welche Bakterien sich im Darm tummeln: Bei einer Ernährungsumstellung ändert sich innerhalb von Tagen auch die Zusammensetzung der Darmflora.

Foto: Fotolia/
tamsindove


Innerhalb von 24 Stunden waren bereits dramatische Veränderungen in der Häufigkeit bestimmter Mikroben zu erkennen, berichten Turnbaugh und seine Kollegen in »Nature« (doi: 10.1038/nature12820). So stieg zum Beispiel unter einer tierbasierten Kost die Zahl des Bakteriums Bilophila wadsworthia an, das Gallensäuren verstoffwechselt. Eine Häufung dieses Bakterientyps wird mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht. Der Wechsel zu einer pflanzlichen Kost hingegen ließ die Zahl von Bakterien nach oben schnellen, die die Fettsäure Butyrat produzieren. Diese wirkt antiinflammatorisch.

 

Insgesamt veränderte sich die Zusammensetzung der Darmflora so, dass unter einer pflanzlichen Diät die Darmbakterien hauptsächlich Kohlenhydrate verstoffwechselten, während sie unter der tierischen Kost ihre Energie verstärkt aus Proteinen zogen. Die Veränderungen waren aber eher kurzlebig: Sie hielten etwa zwei Tage an. Aus evolutionärer Sicht ist diese Flexibilität der Darmflora für den Menschen hilfreich, um sich an verschiedene Nahrungsquellen anpassen zu können.

 

Obwohl die Ergebnisse nahelegten, dass eine pflanzliche Ernährung gesundheitliche Vorteile gegenüber einer tierischen Kost hat, sei es noch zu früh, um Ernährungsempfehlungen zur Prophylaxe bestimmter Erkrankungen zu geben, schreibt Turnbaugh. Bis dahin sei noch einige Forschungsarbeit nötig. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2014

 

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