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Leitbild: Neun Monate bis zum Finale

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Leitbild

Neun Monate bis zum Finale


Von Daniel Rücker / In neun Monaten soll es ein konsentiertes Leitbild für die öffentlichen Apotheken geben. Alle Apotheker in Deutschland können sich an dessen Genese beteiligen. Das Vorhaben ist durchaus ambitioniert. ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold hat dennoch kaum Zweifel, das Unterfangen termingerecht abzuschließen.

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»Ein Leitbild beschreibt eine realistische Vision. Es stellt dar, welche Rolle und welche Aufgaben die öffentlichen Apotheken und die dort arbeitenden Apotheker in der Zukunft übernehmen werden.« Damit wäre die Eingangs­frage in die Leitbilddiskussion der Apotheker in Deutschland schon einmal geklärt.




Das Leitbild soll definieren, welche Rolle und Aufgaben die öffentlichen Apotheken und die dort arbeitenden Apotheker künftig übernehmen.

Foto: dpa


ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold wird diesen Satz im Jahr 2014 wahrscheinlich noch viele Male so oder ähnlich wiederholen. Arnold hat im Geschäftsführenden ABDA-Vorstand die he­raus­fordernde Aufgabe übernommen, in der Haupt­versammlung der deutschen Apotheker im September in München ein konsentiertes Leit­bild zu präsentieren.

 

Einfach wäre die Aufgabe, wenn sie von einem kleinen Zirkel im Deutschen Apothekerhaus erledigt würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. »Wir wollen eine möglichst breite Diskussion«, sagt Arnold. Jeder Apotheker soll die Mög­lich­keit haben, seine Vorstellungen ein­zu­brin­gen. Helfen wid dabei eine Website, die Anfang Februar freigeschaltet wird, für drei bis vier Wochen am Netz bleibt und einige Wochen später noch einen zweiten Einsatz haben wird.

 

Zugangscode für Diskussionsforum im Netz

 

Die Apotheker erhalten per Post einen Zugangscode zu dieser Website. Mit ihm können sie sich einloggen, ihre Vorstellungen zum Leitbild posten und die Posts anderer Apotheker aus dem Kammerbezirk lesen und kommentieren. Auf der Website haben Apotheker auch die Möglichkeit, ihre Meinung abzugeben zu vorgegebenen Fragen wie, »welche apothekerlichen Tätigkeiten sind für Sie die wichtigsten?« Um ein Passwort müssen sich die Apotheker übrigens nicht selbst kümmern. Sie erhalten über ihre Apothekerkammer unaufgefordert den Zugangscode.

 

Mit der Kombination aus freien Meinungsäußerungen und gezielten Fragen will die ABDA zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Meinungs­äußerungen lassen Spielraum auch für unkonventionelle Ideen. Das Frage-Antwort-Spiel zeigt dagegen, wie die Apotheker denken, was sie für richtig oder falsch halten. Es lässt sich auch besser auswerten. Für die Auswertung sind die Landesapothekerkammern und die -verbände zuständig. Jede Mitgliedsorganisation gründet einen Arbeitskreis, der die Kommentare ihrer Mitglieder erfasst und daraus ein Meinungsbild erstellt. Natürlich können sich Kammer und Verband auch zusammentun und ein gemeinsames Votum erarbeiten. Bis zu diesem Punkt sei die Leitbildentwicklung eine regionale Angelegenheit ohne Beteiligung der ABDA, sagt Arnold.




Auf einer Website haben Apotheker die Möglichkeit, sich an der Leitbild- Diskussion zu beteiligen.

Foto: Fotolia/ Robert Kneschke


Aus den regionalen Projekten wird Ende März, Anfang April eine bundesweite Angelegenheit. Dann treffen sich Vertreter der 34 Mitgliedsorganisationen zu einem Konvent in Berlin. Dort sollen sie, unterstützt von einem Moderator, die regionalen Ergebnisse in ein bundesweites Bild transformieren. Diese Veranstaltung ist nicht öffentlich. Arnold: »Der Prozess muss beherrschbar bleiben. Wenn bei der Zusammenführung der Ideen zum Leitbild zu viele Menschen mitdiskutieren, wird es unmöglich, ein Ergebnis zu finden. Es wird danach eine zweite Beteiligungsrunde geben.«

 

Konvent erarbeitet Rohfassung des Leitbildes

 

Das Resultat des Konvents soll eine Rohfassung des Leitbildes sein, sagt Arnold. Was steht da drin? Arnold: »In dem Rohentwurf müssen die Antworten auf die Kernfragen formuliert sein. Es muss deutlich werden, wo wir hinwollen und was unsere wichtigste Aufgaben sind.« Wenn die Rohfassung fertig ist, kommt die Website wieder ins Spiel. Auf ihr wird das Leitbild veröffentlicht. Die Apotheker können erneut ihre Anmerkungen, Lob und Kritik posten. Gleichzeitig können die Landesorganisationen regionale Veranstaltungen anbieten, auf denen Apotheker den Entwurf mit Kollegen und Berufsvertretern diskutieren. Dies liegt laut Arnold jedoch im Ermessen der Organisationen. Dieser Prozess soll Ende April, Anfang Mai abgeschlossen sein.

 

Nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung: Im Mai wird sich ein kleiner Kreis in Berlin zusammenfinden und aus den Ergebnisse der zweiten Webdiskussion das fast endgültige Leitbild erstellen. Arnold: »Teilnehmer könnten die 34 Kammerpräsidenten und Verbandsvorsitzenden oder andere Repräsentanten der Mitgliedsorganisationen sein.« Der ABDA-Vize geht davon aus, dass dieses Gremium mindestens einen Tag, vermutlich aber noch länger tagen wird.

 

Dem abgestimmten Entwurf steht dann eine Reise durch die ABDA-Gremien bevor, an deren Ende die Mitgliederversammlung Ende Juni in Berlin steht. Dort sollen die Delegierten dem Leitbild das finale Plazet erteilen. Mit dem Votum der ABDA-Mitgliederversammlung sei das Leitbild auf Basis des vo­rangegangenen Prozesses für alle ersichtlich vom Berufsstand demokratisch legitimiert.

 

Und was geschieht, wenn die Mitgliederversammlung den Entwurf ablehnt? »Dann hätten wir ein richtiges Problem«, sagt Arnold. Er hält das Szenario aber für extrem unwahrscheinlich. Es gebe für die Teilnehmer der Mitgliederversammlung voraussichtlich keinen nachvollziehbaren Grund an dieser Stelle noch den Prozess infrage zu stellen.

 

Bis zum Sommer 2014 hätten alle Apotheker die Gelegenheit gehabt, ihre Vorstellungen zum Leitbild in die Diskussion einzubringen. Kammern und Verbände müssen sich im ersten Halbjahr 2014 gleich mehrfach mit dem Thema auseinandersetzen. Wer bei der Mitgliederversammlung gegen den Entwurf stimme, ohne in der Mitgliederversammlung eigene Änderungsvorschläge zur Dis­kussion zu stellen, der habe es versäumt, seine Anregungen zum richtigen Zeitpunkt deutlich zu machen, sagt Arnold.




Zum Apothekertag soll die Willensbildung abgeschlossen sein und das Leitbild präsentiert werden.

Foto: PZ/Müller


Wirkung braucht Zeit

 

Beim Deutschen Apothekertag, der vom 17. bis 19. September 2014 in München stattfindet, soll dann die Hauptversammlung die Willensbildung der Apotheker abschließen und das Zukunftsbild der Öffentlichkeit präsentieren.

 

Wie verändert das neue Leitbild die Apotheken? Greift es in die Arbeitsprozesse ein? »Nein«, sagt Arnold, kurzfristig ändere sich gar nichts in den Apotheken. Die Umsetzung des Leitbilds starte zwar mit seiner Verabschiedung, wirken werde es aber erst mit der Zeit. Wenn die Apotheker ihr Selbstverständnis definierten, neue Aufgaben für sich einforderten, dann müsse die Politik dafür an einigen Stellen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dies dauere. Und nicht nur die Politik müsse überzeugt werden, die Gesellschaft generell erwarte für sich einen erkennbaren Nutzen aus der Neuausrichtung der Apotheker.

 

Aus diesem Grund habe sich die ABDA auch auf den vermeintlich in weiter Ferne liegenden Zeitpunkt 2030 verständigt. Arnold ist die Kritik daran bekannt. Er sieht die Leitbilddebatte als den Beginn eines länger währenden Prozesses, der viele strategische Aufgaben und Teilziele beinhaltet, die unterschiedlich schnell umgesetzt werden. /




Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2014

 

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