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USA: Neuroleptika häufig off-label verordnet

PHARMAZIE

 
USA

Neuroleptika häufig off-label verordnet


Von Sven Siebenand / Die Verordnung von niedrig dosierten Antipsychotika der zweiten Generation in nicht zugelassenen Indikationen ist in den USA nach wie vor verbreitet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von US-Wissenschaftlern.

 

Wie das Autorenteam um Professor Dr. Daniel M. Hartung von der Oregon State University in Portland im Fachmagazin »Pharmacoepidemiology and Drug Safety« berichtet, werden Präparate, die zum Beispiel zur Behandlung von bipolaren Störungen oder Schizophrenie zugelassen sind, in niedrigerer Dosis zum Beispiel gegen Angstzustände, Schlaflosigkeit oder Aufmerksamkeitsdefizitstörungen verordnet und off label eingesetzt (doi: 10.1002/pds.3538).

 




Foto: Shutterstock/Lightspring


Eine Datenbank-Analyse in den Bundesstaaten Colorado und Oregon ergab, dass im Zeitraum zwischen 2004 und 2008 mehr als die Hälfte als Neuverordnungen von Antipsychotika der zweiten Generation im Bereich der niedrigeren Dosen lagen. Für diese, so die Studienautoren, gebe es aber oft keine Evidenz für die Wirksamkeit, dafür aber das Risiko von ernsten Nebenwirkungen.

 

Nachdem einige Pharmafirmen Strafen zahlen mussten, weil sie Antipsychotika der zweiten Generation für den Einsatz in von der US-amerika­nischen Zulassungsbehörde FDA nicht zugelassenen Indikationen beworben hatten, ist der Off-label-Use zurückgegangen. Hartung zufolge ist er aber immer noch ein Problem. Ein Beispiel dafür ist demnach der Wirkstoff Que­tiapin. In British Columbia zum Beispiel gingen laut einer Untersuchung zwei Drittel aller Quetiapin-Verordnungen auf das Konto der 25-mg-Tabletten, was deutlich weniger ist als die empfohlene Tages­dosis.

 

Offensichtlich verordnen immer mehr Allgemeinmediziner in den USA ihren Patienten Quetiapin und Co. Zu oft, so die Studienautoren, tun sie dies ohne auf den Blutzucker und den Cholesterol-Wert der Patienten zu achten, die beide – wie das Körpergewicht – unter einem Antipsychotikum ansteigen können und damit auch das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen.

 

Einige Bundesstaaten überlegen, wie sie die Verwendung subtherapeutischer Dosen an Antipsychotika eindämmen können. Sie schlagen den Gesundheitsbehörden vor, die gegenwärtigen Regelungen für den Einsatz von anderen sicheren sedativ wirkenden Sub­stanzen zu überdenken. Immerhin hätten Unter­suchungen gezeigt, dass Pa­tienten, die zum Beispiel mit Zolpidem oder Zopi­clon behandelt wurden, später seltener von ihren Ärzten niedrig dosiertes Quetiapin verordnet bekamen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 49/2013

 

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