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Teriflunomid|Aubagio®|51|2013

NEUE ARZNEISTOFFE

 
Stoffgruppe51 Immunmodulatoren
WirkstoffTeriflunomid
FertigarzneimittelAubagio®
Hersteller

Genzyme

Markteinführung (D)10/2013
Darreichungsform

14 mg Filmtabletten

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Indikationen

Teriflunomid ist zur Behandlung von erwachsene Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) zugelassen.

Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismuss von Teriflunomid ist noch ungeklärt. Bekannt ist, dass der Arzneistoff selektiv und reversibel das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH) in den Mitochondrien hemmt und dadurch die De-novo-Synthese von Pyrimidin in aktivierten Lymphozyten unterbindet. Infolgedessen blockiert Teriflunomid die Proliferation der für die Pathogenese der MS bedeutsamen autoreaktiven T- und B-Zellen, die auf die Neusynthese von Pyrimidin angewiesen sind. Zudem wird eine Reduktion der Zahl von aktivierten Lymphozyten diskutiert.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosierung ist einmal täglich 14 mg, wobei die Filmtabletten mit oder ohne Nahrung eingenommen werden können. Vor und während der Behandlung müssen drei Parameter im Blick behalten werden. Da es während der Behandlung zu Erhöhungen des Blutdrucks kommen kann, muss dieser vor Beginn und regelmäßig während der Therapie kontrolliert werden. Gleiches gilt für die Leberwerte (ALT/SGPT). Sie müssen vorab, alle zwei Wochen während der ersten sechs Monate und anschließend, sofern sich keine Symptome zeigen, alle acht Wochen überprüft werden. Als drittes muss vor und im Laufe der Therapie ein großes Blutbild erstellt werden. Hintergrund ist ein potenzielles Auftreten von schwerwiegenden Infektionen, wobei im Vergleich zu Placebo unter der Therapie keine Zunahme beobachtet wurde. Dennoch muss bei Patienten mit schwerer aktiver Infektion der Behandlungsbeginn verschoben werden. Tritt eine schwere Infektion unter der Behandlung auf, sollte diese abgebrochen werden. Aufgrund der langen Halbwertszeit kann eine beschleunigte Elimination mit Colestyramin oder Aktivkohle angezeigt sein.

wichtige Wechselwirkungen

Hinsichtlich der Wechselwirkungen ist einiges zu beachten. Rifampicin und andere bekannte starke CYP- und Transporter-Induktoren wie Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Johanniskraut sollten während der Behandlung mit Teriflunomid mit Vorsicht angewendet werden, da dies zu einer Abnahme der Teriflunomid-Exposition um 40 Prozent führen kann. Sofern keine beschleunigte Elimination gewünscht ist, sollten die Patienten nicht mit Colestyramin oder Aktivkohle behandelt werden, da dies zu einer raschen und signifikanten Senkung der Teriflunomid-Plasmaspiegel führt. Da In-vivo-Untersuchungen darauf hinweisen, dass Teriflunomid CYP-2C8 hemmt, sollten Arzneimittel, die durch dieses Enzym verstoffwechselt werden, nur mit Vorsicht angewendet werden. Dazu zählen Repaglinid, Paclitaxel, Pioglitazon und Rosiglitazon. Gleiches gilt für die Anwendung von CYP-1A2-Substraten wie Duloxetin, Alosetron, Theophyllin und Tizanidin, da der Teriflunomid ein schwacher Induktor dieses Enzyms ist. Zudem zeigten Untersuchungen, dass Teriflunomid den organischen Anionentransporter 3 (OAT3) hemmt. Vorsicht ist daher geboten bei der gleichzeitigen Anwendung mit Cefaclor, Benzylpenicillin, Ciprofloxacin, Indomethacin, Ketoprofen, Furosemid, Cimetidin, Methotrexat und Zidovudin. Dies gilt ebenso für Substrate des Transportproteins BCRP wie Methotrexat, Topotecan, Sulfasalazin, Daunorubicin und Doxorubicin sowie für HMG-CoA-Reduktase-Hemmmer (Simvastatin, Atorvastatin, Pravastatin, Methotrexat, Nateglinid, Repaglinid, Rifampicin). Zudem wird bei der gleichzeitigen Anwendung mit Warfarin zu einer engmaschigen Nachbeobachtung und Kontrolle des INR-Wertes geraten.

Nebenwirkungen

Das Sicherheitsprofil von Teriflunomid ist insgesamt gut bekannt, da der Wirkstoff der aktive Metabolit der Substanz Leflunomid ist, die bereits seit Jahren zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis sowie der Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen eingesetzt wird. Häufigste Nebenwirkungen waren Grippe, Infektionen der oberen Atemwege oder der Harnwege, Diarrhö, Übelkeit, Erhöhung der Leberwerte sowie eine Haarausdünnung.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist der Arzneistoff bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Stadium C) und mit schwerer dialysepflichtiger Nierenfunktionsstörung. Des Weiteren darf er nicht bei schwangeren und stillenden Frauen eingesetzt werden sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die während der Behandlung beziehungsweise solange die Plasmaspiegel noch über 0,02 mg/l liegen, nicht zuverlässig verhüten. Ebenfalls kontraindiziert ist Teriflunomid bei Patienten mit schwer beeinträchtigtem Immunstatus (Aids), schweren aktiven Infektionen, signifikant beeinträchtigter Knochenmarksfunktion oder mit schwerer Hypoproteinämie.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Aubagio basiert auf den beiden doppelblinden randomisierten Phase-III-Studien TEMSO und TOWER. Konkret erhielten in der Zulassungsstudie TEMSO 1086 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose zwei Jahre lang placebokontrolliert entweder einmal täglich 7 mg oder 14 mg Teriflunomid. Beide Dosierungen konnten verglichen mit Placebo die jährliche Schubrate, der primäre Endpunkt der Studie, signifikant um über 31 Prozent senken. Zudem konnte das Risiko einer Behinderungsprogression unter 14 mg Teriflunomid signifikant um rund 30 Prozent reduziert werden. Des Weiteren wurde das Risko für Schübe, die einer Steroidtherapie bedürfen, unter beiden Dosierungen signifikant verringert (14 mg um 29  Prozent; 7 mg um 34 Prozent). Ein vergleichbares Resultat ergab die TOWER-Studie, in der 1169 Patienten doppelblind randomisiert und placebokontrolliert 7 mg oder 14 mg Teriflunomid erhielten. Auch hier führten beide Dosierungen zu einer signifikanten Reduktion der jährlichen Schubrate (14 mg um 36,3 Prozent; 7 mg um 22,3 Prozent) und der Behinderungsprogression, wobei diese nur unter der höheren Dosierung signifikant war.

Hintergrundinfos

Besonderheiten

Es sind keine besonderen Lagerungsbedingungen einzuhalten.

Aubagio ist verschreibungspflichtig.

Formeln



Teriflunomid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Teriflunomid.wrl

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2015


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