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Minenfeld

EDITORIAL

 
Minenfeld

Wenig ist in der Pharmazie so umstritten wie die Wirkung hochpotenter homöopathischer Dilutionen. Die Befürworter verweisen auf einige Berichte, die einen medizinischen Nutzen nahe legen. Auf der anderen Seite fällt Naturwissenschaftlern der Glaube an die Wirksamkeit einer wirkstofffreien Lösung mehr als schwer. Deshalb begibt sich jeder, der die Wirkung hochpotenter homöopathischer Dilutionen wissenschaftlich nachweisen will, auf ein Minenfeld. Das mussten jetzt auch Wissenschaftler der Universität in Leipzig erfahren. In einer mit dem Reckeweg-Preis ausgezeichneten und in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Arbeit behaupteten sie, die Wirkung homöopathischer Verdünnungen von Belladonna über Kontraktionsmessungen an einem isolierten Darm nachgewiesen zu haben.

 

Da die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, in den verwendeten Dilutionen noch ein Atropinmolekül zu finden, begründeten die Wissenschaftler wie gehabt: Im Lösungsmittel Wasser seien Abdrücke des Atropins für die Wirkung verantwortlich.

 

Natürlich ernteten die Leipziger Widerspruch. Der Anspruch, die Fragestellung wissenschaftlich zu untersuchen ist löblich. Wer jedoch einen naturwissenschaftlichen Ansatz wählt, muss mit seiner Argumentation innerhalb der Naturwissenschaften bleiben. Das bedeutet auch, dass die Ergebnisse plausibel reproduzierbar sein müssen. Eine exakte Dokumentation ist deshalb zwingend.

 

In diesem Fall haben es die Leipziger Forscher nach dem Urteil anderer Wissenschaftler jedoch erheblich an Sorgfalt fehlen lassen: Die angeblich verwendeten Lösungen lassen sich nicht herstellen, die veröffentlichten Ergebnisse beruhen nicht auf objektiven Messungen und die Auswertung der Versuchsdaten war subjektiv. Die Arbeit ist auch aus anderen Gründen zweifelhaft. Die Belladonna-Dilution soll Darmkontraktionen reduziert haben. Im Sinne Hahnemanns ­ Similia similibus curentur ­ hätte sie diese jedoch verstärken müssen.

 

Die Autoren wussten, dass sie sich auf einem Minenfeld bewegen. Mangelhafte Planung wird hier besonders schnell bestraft. Die Folgen haben sie selbst zu verantworten. Sie schaden damit übrigens nicht nur ihrem eigenen Ruf, sie haben auch der Homöopathie einen Bärendienst erwiesen. Denn mit jeder Negativmeldung steigt die Zahl der Zweifler.

 

Ohnehin ist in den vergangenen Monaten die Datenlage für die Medizin Hahnemanns nicht besser geworden. Gleich mehrere Studien kamen aus Sicht der Befürworter zu wenig erfreulichen Ergebnissen. Am positivsten war da noch ein Fazit, homöopathische Arzneimittel seien ein »Superplacebo«. Auch die Kritik von Dr. Uwe Bergmann hinterließ nachweisbare Spuren bei der Homöopathie. Auf dem Highlight-Kongress in Worms schloss er auf Grund neuer Erkenntnisse über Wasser aus, dass das Potenzieren eines Stoffes Abdrücke oder andere Informationen im Wasser hinterlassen kann.

 

Für die Apotheker ist die Situation unbefriedigend. Mehr als 200 Jahre nach der Begründung durch Hahnemann stehen sich Befürworter und Skeptiker unversöhnlich gegenüber. Auf der anderen Seite erwarten die Patienten fundierte Aussagen zu der beliebten Therapieform. Auch deshalb hat die Bundesapothekerkammer beschlossen, auf dem Pharmacon Meran 2006 die Grundlagen der klassisch-homöopathischen Gesetzmäßigkeiten aufarbeiten zu lassen.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur


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Beitrag erschienen in Ausgabe 46/2005

 

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