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Leitbild: Eine langfristige Entwicklung

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Leitbild

Eine langfristige Entwicklung


Von Daniel Rücker / Das Berufsbild des Apothekers ist im Wandel. Die Aufgaben ändern sich, Beratung und andere pharmazeutische Dienstleistungen werden wichtiger. Zeit, ein neues Leitbild für den Berufsstand zu entwickeln. Eine Arbeitsgruppe der ABDA hat sich der Aufgabe angenommen. Als deren Vorsitzender stellt ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold die Ergebnisse vor.

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PZ: Warum brauchen die Apotheker gerade jetzt ein neues Leitbild?

 

Arnold: Auf uns kommen in der nächsten Zeit viele Veränderungen zu. Die Arzneimitteltherapie entwickelt sich weiter. Mit dem demografischen Wandel gibt es immer mehr multimorbide Menschen. Die Therapieregimes werden deshalb komplizierter. Gleichzeitig bietet die Pharmakogenetik neue Möglichkeiten, Patienten zielgenauer zu behandeln. Außerdem geben wir Apotheker der Gesellschaft ein unscharfes Bild ab. Für manche sind wir nur Logistiker, für andere sind wir Heilberufler. Deshalb müssen wir der Gesellschaft zeigen, was wir können, wo wir mit unseren Fähigkeiten hinwollen und was wir langfristig geben können.




»Der Apotheker der Zukunft muss Teil des therapeutischen Teams sein, in dem jeder klar definierte Aufgaben hat.«
ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold

Foto: ABDA


PZ: Was sind die wesentlichen Ergebnisse der AG Leitbild?

 

Arnold: Wir haben eine Vision entwickelt, wie die Arbeit der Offizin-Apotheker in Zukunft aussehen soll. Der Ausgangspunkt dabei ist, dass wir die Fachleute für die Arzneimitteltherapie sind und wir diese Therapie im Sinne der Patienten verbessern. Schlagworte dazu sind Medikationsmanagement, Arzneimitteltherapiesicherheit oder patienten­orientierte Pharmazie. Die Apotheker müssen sicherstellen, dass der Patient seine Therapie versteht. Wenn er weiß, wann und warum er welche Medikamente nehmen muss, dann steigt auch die Akzeptanz der Behandlung und damit die Compliance. Ein ganz wichtiger Punkt in dem von uns skizzierten Leitbild ist die starke Patientenorientierung der Apotheker. Wir stellen nicht mehr die Arzneimittelpackung in den Mittelpunkt unserer Arbeit, sondern wenden uns viel stärker als bislang dem Patienten zu. Patienten sind immer weniger Objekt der Behandlung, sondern viel mehr Subjekt. Sie wollen mehr Kenntnis von und Einfluss auf die Therapie haben. Dem tragen wir Rechnung, indem wir die Kompetenz des Patienten stärken

 

Wenn wir in Zukunft die Arzneimitteltherapie managen wollen, dann müssen wir zwangsläufig noch intensiver mit den Ärzten und anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten. Der Apotheker der Zukunft muss Teil des therapeutischen Teams sein, in dem jeder klar definierte Aufgaben hat. Das ist ein zweiter wichtiger Baustein unseres Leitbildes. Dieses therapeutische Team muss sicherstellen, dass jeder Patient zur richtigen Zeit das richtige Medikament in der korrekten Dosierung einnimmt. Es muss auch transparent sein, welche OTC-Arzneimittel er zusätzlich zur verordneten Medikation einnimmt. An dieser Stelle ist der Apotheker ganz besonders gefragt.

 

PZ: Es wird Apotheker geben, die dieses Interview lesen und dann sagen: »Das mach ich doch sowieso schon alles?« Warum haben die unrecht?

 

Arnold: Die Form der Beratung, die wir hier diskutieren, hat wenig mit dem zu tun, was wir heute unter Beratung verstehen. Den Mitgliedern der AG Leitbild geht es um die Beratung in einem Netzwerk. Das bedeutet Abstimmung aller Beteiligten untereinander. Wir stehen vor einer langfristigen Entwicklung. Das Problem ist, dass wir etwas wollen, was es noch gar nicht gibt. Deshalb fällt es schwer, den Endpunkt genau zu beschreiben oder ihn mit der aktuellen Situation zu vergleichen. Es wird viele Arbeitsschritte und auch viele Diskussionen brauchen, bis wir am Ziel sind. Deshalb können wir jetzt nur definieren, wo wir stehen und vor allem, wo wir hinwollen. Wir müssen dies auch der Gesellschaft mitteilen, denn nur wenn die Menschen in Deutschland unseren Weg begrüßen und ihn für nützlich halten, können wir ihn auch gehen. Wir müssen mit unserer Arbeit einen volkswirtschaftlichen Nutzen erzeugen, ansonsten werden wir keine Akzeptanz dafür finden.




Die ABDA will ein neues Leitbild für Apotheker entwickeln. Dabei sollen Betreuungsleistungen wie das Medikationsmanagement noch stärker im Vordergrund stehen.

Foto: PZ/Alois Müller



PZ: Was braucht es noch, um dem neuen Leitbild gerecht zu werden?

 

Arnold: Wir werden auch die Ausbildung zum Offizinapotheker verändern müssen und neue Angebote für die Fort- und Weiterbildung entwickeln. Die Anforderungen an das Fachwissen werden weiter steigen und sich verändern, das ist klar. Natürlich müssen wir auch mit den Ärzten sprechen, wenn wir in Zukunft intensiver mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Infolge des demografischen Wandels werden in Zukunft auch in den Gesundheitsbe­rufen weniger Menschen zur Verfügung stehen, deshalb müssen die Heilberufe besser miteinander kooperieren um dasselbe zu erreichen.

 

PZ: Sie wollen die Grundzüge des neuen Leitbildes in einem Diskussionsforum während des Apothekertages vorstellen. Mit welchem Ziel? Soll die Versammlung dem Vorhaben zustimmen oder soll es dort weiterentwickelt oder umgestrickt werden?

 

Arnold: Die Arbeitsgemeinschaft Leitbild der ABDA hat sich lange mit dem Thema beschäftigt. Wenn wir nun einen Vorschlag öffentlich machen, dann gehen wir schon davon aus, dass er die Diskussion überstehen wird. Natürlich wird es Änderungswünsche und Kritik geben. Das ist auch wichtig. Wir bewegen uns hier nicht im luftleeren Raum. Wir haben uns auch an dem orientiert, was in anderen europäischen Ländern erprobt wird oder schon in der Praxis angekommen ist. Ich gehe davon aus, dass die Diskussion nach dem Apothekertag von Kammern und Verbänden in den Ländern weitergeführt wird. Wir haben eine Vision vorgestellt, jetzt müssen wir sie mit konkreten Inhalten füllen. Das wird nicht einfach werden, denn wir reden hier von einer sehr langen Zeitschiene und von Prozessen, die sehr komplex sind und nicht einer nach dem anderen angestoßen werden können, sondern die auch oftmals parallel laufen. Es wird innerhalb des Berufsstandes ganz sicher Meinungsverschiedenheiten in Detailfragen geben.

 

PZ: Sie sagen, dass die Umsetzung des Leitbildes ein langwieriger Vorgang ist. In welchen Zeiträumen denken Sie?

 

Arnold: In der Arbeitsüberschrift für unser Projekt steht die Zahl 2030. Dann sollte die Vision vollständig in der Praxis angekommen sein. Ich will mich aber nicht auf ein konkretes Jahr festlegen. Sicher ist, dass der Prozess komplex ist und lange dauern wird. Fest steht aber auch, dass auf dem Weg dahin bereits viele Einzelschritte deutlich früher umgesetzt werden. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wichtig ist, dass wir jetzt beginnen.

 

PZ: Was wird nach Ihrer Einschätzung dabei die größte Herausforderung sein?

 

Arnold: Wir müssen dem Berufstand und der Gesellschaft deutlich machen, warum wir jetzt Veränderungen anstoßen wollen. Wenn die Gesellschaft unsere Ziele versteht und die Apotheker sie gemeinsam ansteuern, dann werden auch Ärzte oder Politiker, die unseren Plänen noch sehr kritisch gegenüberstehen, sich dieser Weiterentwicklung unseres Berufsstandes nicht entziehen können.

 

PZ: Wer war außer Ihnen an der AG Leitbild beteiligt?

 

Arnold: Das waren die Kammerpräsidenten Thomas Benkert (Bayern), Magdalene Linz (Niedersachsen), Gabriele Overwiening (Westfalen-Lippe) und die Verbandsvorsitzenden Peter Hubmann (Bayern) und Peter Froese (Schleswig-Holstein). Initiiert hat diese Arbeitsgruppe die ABDA. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2013

 

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