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Schüßlers Biochemie: Mit Salzen heilen

PHARMAZIE

 
Schüßlers Biochemie

Mit Salzen heilen


Von Nicole Schuster / Essenzielle anorganische Salze in bestimmter Dosierung eingenommen sollen die Ursachen von vielen Krankheiten und Beschwerden beheben. Die zwölf als Schüßler- Salze bekannten Mineralsalze werden in potenzierter Form verabreicht. Wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit fehlen. Heilpraktiker berichten dennoch von Heilungserfolgen.

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In jeder Körperzelle besteht ein bestimmtes Verhältnis verschiedener anorganischer Salze, das für die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Prozesse erforderlich ist. Laut Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 bis 1898) gerät dieses Gleichgewicht bei Krankheiten in eine Schieflage. Ziel seiner Therapie, die er Biochemie nannte, ist es, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Krankheiten vorbeugen lässt sich gemäß Schüßlers Theorie, indem die richtigen Verhältnisse an Mineralsalzen aufrechterhalten und Störungen des Gleichgewichts vermieden werden.




Ein Ungleichgewicht an Mineralien im menschlichen Körper sieht Schüßler als ursächlich für verschiedene Krankheiten.

Foto: Fotolia/schlinki



Die Einnahme von anorganischen Salzen wie sie in der Natur vorkommen hielt Schüßler für den therapeutischen Zweck ungeeignet, da sie in dieser Form nicht ausreichend in die Zellen eindringen könnten. Erst das Verfahren der Potenzierung, das Schüßler der Homöopathie entnahm, sollte Salze besser aufnahmefähig und somit wirksam machen (lesen Sie dazu auch Seite 28). »Heute würde man sagen, dass Mechanismen an der Zelle, die entscheiden, welche Stoffe aufgenommen werden, auf potenzierte Salze empfindlicher als auf normale reagieren«, erklärt Sabine Wacker, die als Heilpraktikerin Referentin beim Landesapothekerverband Baden-Württemberg und Verfasserin mehrerer Bücher zum Thema Schüßler-Salze ist, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Eine verbesserte Carrierfunktion oder erhöhte Rezeptorempfindlichkeit, wie von Anhängern der Heilmethode vermutet, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden.

 

Zubereitet werden Schüßlers Salze heute wie damals nach den homöopathischen Methoden des Schüttelns, Reibens oder Zerkleinerns. Die Salze können mit dem Füll- und Trägerstoff Lactose zu Tabletten verpresst werden. Auch als Globuli mit dem Trägerstoff Saccharose sowie als Tropfen sind sie verfügbar – eine Alternative für Menschen mit Lactose-Unverträglichkeit.

 

Abgrenzung zur Homöopathie

 

Der richtige Einnahmezeitpunkt ist vor einer Mahlzeit. Während die meisten anderen Tabletten rasch mit genügend Wasser heruntergeschluckt werden sollen, müssen diese im Mund verweilen. »Die Hauptaufnahme der stark verdünnten Mineralsalze findet über die Mundschleimhaut statt«, sagt Stefanie Viehweger, Heilpraktikerin und Leiterin der Berliner Paracelsus Schule.

 

Salben mit Schüßler-Salzen können wie normale Salben aufgetragen werden und wirken ebenfalls durch die enthaltenen potenzierten Mineralsalze. »Wer gerade keine Salbe zur Hand hat, kann einige Tabletten mit Schüßler-Salzen verreiben und mit etwas Wasser anlösen. Die entstandene Masse wird auf die betroffene Stelle aufgetragen«, rät Viehweger.

 

Obwohl Schüßler seine Wurzeln in der Homöopathie hatte und deren Methoden übernahm, darf die Biochemie nicht mit der homöopathischen Heillehre verwechselt werden. Zwar ähneln sich die Verfahren, die Theorie hinter den Anwendungen ist aber eine andere. So behandelte Schüßler im Allgemeinen nicht nach dem Simile-Prinzip der Homöopathie, welches besagt, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden soll. Ein wichtiger Unterschied ist auch die Menge an verschiedenen Mitteln. In der von Schüßler begründeten Biochemie gibt es, anders als in der Homöopathie mit ihren zahlreichen Mitteln, nur eine begrenzte Anzahl an Arzneien. Der Arzt definierte zwölf sogenannte Funktionsmittel, die heute als »Schüßler-Salze« bekannt sind. Nach Schüßlers Tod entwickelten seine Nachfolger die Therapie weiter und fügten 15 weitere Salze, die sogenannten Ergänzungssalze, hinzu.

 

Für Anhänger der reinen Lehre Schüßlers sind diese Salze keine echten Schüßler-Salze. »Die Ergänzungssalze beruhen nicht auf dem Urgedanken Schüßlers«, sagt Wacker. Dieser besagte, dass die Heilmethode so wenig Mittel wie möglich benutzen solle. Sowohl Funktions- als auch Ergänzungssalze haben eine sogenannte Regelpotenz. Diese entspricht bei den Salzen mit den Nummern 1, 3 und 11 der Potenz D12. Bei allen anderen soll D6 genommen werden.

 

Diagnose mittels Antlitzbetrachtung

 

Schüßler diagnostizierte Krankheiten mit der sogenannten Antlitzdiagnose. Dies bedeutete, dass er an bestimmten Merkmalen im Gesicht wie Hautfarbe, Spannkraft, Röte oder Faltigkeit der Haut auf ein Beschwerdebild schloss. Heute gehen Heilpraktiker sowohl bei akuten Krankheiten als auch zur Prophylaxe-Behandlung auf dieselbe Weise vor. »Zusätzlich wenden wir Methoden wie die Diagnose über Fußreflexzonen, die Irisdiagnose und labordiagnostische Untersuchungen an«, sagt Viehweger. Die Mittel nach Schüßler erfreuen sich bei vielen Kunden nach wie vor großer Beliebtheit. Die Schulmedizin allerdings hat keine Erklärung für deren Wirksamkeit, weshalb die Methode bis heute umstritten ist. /


Schüßler-Salze Nummer 1 bis 12

1

Calcium fluoratum (das Salz des Bindegewebes, der Gelenke und Haut)

2

Calcium phosphoricum (das Salz der Knochen und Zähne)

3

Ferrum phosphoricum (das Salz des Immunsystems)

4

Kalium chloratum (das Salz der Schleimhäute)

5

Kalium phosphoricum (das Salz der Nerven und Psyche)

6

Kalium sulfuricum (das Salz der Entschlackung)

7

Magnesium phosphoricum (das Salz der Muskeln und Nerven)

8

Natrium chloratum (das Salz des Flüssigkeitshaushalts)

9

Natrium phosphoricum (das Salz des Stoffwechsels)

10

Natrium sulfuricum (das Salz der inneren Reinigung)

11

Silicea (das Salz der Haare, Haut und des Bindegewebes)

12

Calcium sulfuricum (das Salz der Gelenke)



Beitrag erschienen in Ausgabe 35/2013

 

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