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Menstruation: Zyklus aus dem Takt

TITEL

 
Menstruation


Zyklus aus dem Takt


Von Marion Hofmann-Aßmus / Störungen des weiblichen Zyklus können viele Gründe haben. Ebenso vielfältig wie die Zahl der Ursachen ist die Zahl der Therapieoptionen.


Stets regelmäßige Zyklen sind eher ungewöhnlich, zumal sich eine normale Periodenblutung beziehungsweise ein normaler Zyklus kaum definieren lässt. Zudem unterscheiden sich die Blutungen von Frau zu Frau. Auch vermehrte körperliche oder psychische Belastungen können Zyklusstörungen verursachen, so etwa Leistungssport, beruflicher Stress oder familiäre Spannungen.

 

Lässt sich die Norm auch nicht exakt definieren, so existieren zumindest hinsichtlich des Zyklusabstands Orientierungspunkte: Es gilt als physiologisch, wenn die Blutung alle 24 bis 31 Tage einsetzt und etwa über vier bis sieben Tage anhält. Im Durchschnitt werden circa 30 bis 40 ml aus Blut, Sekreten und Schleimhautresten bestehende Flüssigkeit ausgeschieden (1).

 

Sind die Abstände zwischen den Blutungen länger oder kürzer oder dauern die Blutungen selbst länger oder kürzer an beziehungsweise sind gar nicht vorhanden oder fallen stärker aus, liegt eine Menstruations- oder Zyklusstörung vor.




Die erste Regel tritt bei jungen Mädchen heute meist im Alter von 12 bis 13 Jahren auf.

Foto: Fotolia/jogyx


Dabei werden Regeltempostörungen von Regeltypusstörungen unterschieden. Typusstörungen betreffen die Stärke der Blutung. Bei Tempostörungen weicht das Zeitintervall zwischen den Regelblutungen vom Durchschnitt ab oder die Blutung bleibt ganz aus (Tabelle). Bei jungen Mädchen tritt die erste Regel heute zumeist im Alter von 12 bis 13 Jahren auf. Liegen die Blutungen innerhalb der normalen Schwankungsbreite, spricht man von Eumenorrhö. Unabhängig von den Zyklusstörungen kann es zu einer schmerzhaften Regelblutung kommen, die als Dysmenorrhö bezeichnet wird.

 

Vielfältige Ursachen

 

Neben psychischen können auch physische und hier sowohl hormonelle als auch Organfunktions-Störungen wie Erkrankungen der Schilddrüse, der Geschlechtsorgane, der Leber oder der Nieren, aber auch Stoffwechselkrankheiten, unter anderem Diabetes mellitus, Grund weiblicher Zyklusstörungen sein. Diese müssen vor einer Therapie ausgeschlossen beziehungsweise gezielt therapiert werden.

 

Die ärztliche Diagnose kann durch das Führen eines Menstruationskalenders erleichtert werden, in dem die Frau Blutungshäufigkeit, -stärke, -schmerzen sowie Zwischenblutungen und Basal­temperaturen zur Ermittlung des Eisprungs notiert. Menstruationskalender können heute auch auf dem Handy installiert werden.

 

Außer einer Anamnese führt der Arzt in der Regel eine gynäkologische Tast- sowie eine Ultraschalluntersuchung durch. Hormonelle Störungen werden durch die Ermittlung der Konzentrationen von Estradiol, Progesteron, Prolaktin, Testosteron und Dehy­droepiandrosteron im Blut bestimmt. Auch hier kann es Abweichungen von der physiologischen Norm geben, die nicht immer einen pathophysiologischen Charakter besitzen.


Tabelle: Übersicht gängiger Blutungsstörungen

Regeltempostörungen Charakteristika Normabweichung 
Amenorrhö Ausbleiben der Regelblutung  
Oligomenorrhö Verlängerung des Regelintervalls > 35 Tage Abstände 
Polymenorrhö Verkürzung des Regelintervalls < 25 Tage Abstände 
Regeltypusstörungen   
Hypomenorrhö abgeschwächte Regelblutung < 10 ml Blutverlust 
Hypermenorrhö verstärkte Regelblutungen > 80 ml Blutverlust 
Menorrhagie anhaltende Regelblutung > 6 Tage 
Metrorrhagie zusätzliche Blutungen  

Wird beispielsweise eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion korrigiert, normalisiert sich häufig auch der Zyklus wieder. Ist die Störung stressbedingt, können Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training den Frauen helfen; schwierige Fälle können die Hilfe eines Psychologen erforderlich machen.

 

Primäre Amenorrhö

 

Körperliche Ursachen liegen zumeist der primären Amenorrhö zugrunde. Eine primäre Amenorrhö liegt vor, wenn es bei der Frau vor dem 16. Lebensjahr noch nicht zu einer Regelblutung gekommen ist. Beginnt die Menstruation hingegen normal und bleibt dann länger als drei Monate aus, gilt dies als sekundäre Amenorrhö. Die generelle Prävalenz von Amenorrhön beträgt schätzungsweise 1,5 bis 3 Prozent, bezogen auf die reproduktiven Jahre.

 

Als körperliche Ursachen der pri­mären Amenorrhö sind angeborene Chromosomenbesonderheiten, genitale Fehlbildungen und zum Beispiel vom Hypothalamus ausgehende hormonelle Störungen bekannt.

 

Spezifische Chromosomenbesonder­heiten können zur Ovarialinsuffizienz als Vorläufer einer primären Amenorrhö führen. Ein bekanntes Beispiel ist das nach dem amerikanischen Mediziner Henry Turner und dem deutschen Kinderarzt Otto Ullrich benannte Ullrich-Turner-Syndrom, das als Monosomie X nur Mädchen betrifft und mit einer Häufigkeit von 1:2500 Geburten auftritt.

 

Ein Leitsymptom des Turner-Syndroms ist Kleinwuchs. Die betroffenen Mädchen und Frauen werden im Durchschnitt etwa 1,47 m groß. Das Turner-Syndrom geht zudem mit einer zu geringen Entwicklung der Eierstöcke und somit auch Unfruchtbarkeit einher.

 

Die Patientinnen werden ab einem Alter von 13 bis 15 Jahren hormonell behan­delt. Ein früherer Beginn würde das Knochenwachstum vorzeitig beenden. Mit gering dosiertem Estrogen lässt sich die Entwicklung der äußeren Geschlechtsmerkmale einleiten. Innerhalb von drei Jahren wird die Dosis nach und nach erhöht und schließlich auch Progesteron gegeben, sodass die Men­struation ausgelöst wird. Um einen regel­mäßigen Zyklus aufrechtzuerhalten, ist eine dauerhafte Hormongabe erforderlich. Mittels In-Vitro-Fertilisa­tion ist eine Schwangerschaft möglich.

 

Zu den genitalen Fehlbildungen zählt das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS). Hier ist der Uterus nur rudimentär angelegt, die Vagina fehlt. Circa 1 bis 9 von 100 000 Geburten sind betroffen. Da die Ovarien funktionstüchtig sind, verläuft die Pubertät und mit ihr die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale normal; auffällig wird nur die Amenorrhö. In der Therapie hat sich unter anderem das minimal invasive Verfahren der dehnungs­chirurgischen Bauchspiegelung (2) bewährt. Therapie der Wahl ist die operative Anlage einer künst­lichen (Neo)Vagina.




Zur Diagnose von Zyklusstörungen kommen neben der sorgfältigen Anamnese auch Ultraschall­untersuchungen zum Einsatz.

Foto: AOK


Auch das Syndrom der testikulären Feminisierung oder auch »Kompletten Androgenresistenz«, das als Goldberg-Maxwell-Morris-Syndrom (CAIS) mit einer Häufigkeit von 1 : 25 000 Geburten bekannt ist, geht mit einer genitalen Fehlbildung einher. Die äußeren Genitale sind normal entwickelt, eine Vagina ist vorhanden, aber Uterus und Ovarien fehlen.

 

Ursache ist ein Androgenrezeptordefekt, weshalb trotz des männlichen Chromosomensatzes das von den (Leisten-)Hoden gebildete Testosteron unwirksam bleibt. Die im Hoden gebildeten Estrogene reichen für die Entwicklung der äußeren weibliche Merkmale aus. Die Patientin hat einen eindeutig weiblichen Phänotyp und ist als weib­liches Individuum aufgewachsen.

 

Die Diagnose wird meist bei jungen Frauen und oft erst nach Ausbleiben der Regelblutung gestellt. Dann steht das Wissen um das männliche Karyo­gramm erfahrungsgemäß im direkten Gegensatz zu der in der Pubertät entstehenden weiblichen Identität. Die Rede ist von einer enormen emotionalen Stressbelastung, die im Fokus der Therapiekonzepte stehen muss. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. vertritt die Interessen der Betroffenen und vermittelt auf ihrer Webseite (www.dgti.org) auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen.

 

In vielen Fällen werden im Bauchraum in der Leistengegend versteckte Hoden operativ entfernt, da ein 30-prozentiges Risiko für die Entstehung bösartiger Tumore besteht. Nach der Operation wird sodann zumeist Estrogen substituiert.

 

Weniger dramatische Auswirkungen hat die Hymenalatresie, bei der das Hymen die Vaginalöffnung vollständig verschließt. Das Menstrualblut kann nicht abfließen. Bleibt diese Störung bis in die Pubertät hinein unbemerkt, leiden die jungen Frauen alle vier Wochen unter Schmerzen. Die Beschwerden lassen sich jedoch mit einer einfachen operativen Eröffnung des Hymens beheben. Idealerweise sollte dieser Eingriff schon vor der Menarche erfolgen.

 

Gestörte Regelkreise

 

Die Amenorrhö kann auch auf einen Defekt der übergeordneten Steuerzentren Hypophyse oder Hypothalamus zurückgehen. So gilt die hypothalamische Ovarialinsuffizienz als häufige Ursache von Ovarialfunktionsstörungen. Sie resultiert aus einer verminderten Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH)-Sekretion des Hypothalamus, zum Beispiel aufgrund genetischer Störun­gen, Tumoren oder auch Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose.

 

Therapie der Wahl ist die pulsatile subkutane oder intravenöse GnRH-Gabe in Dosierungen gemäß Schweregrad der Ovarialinsuffizienz. Entsteht die hypo­thalamische Ovarialinsuffizienz beispielsweise aufgrund von Stress, geht man von einem erhöhten endogenen Opiattonus aus, der durch die Behandlung mit dem Opiatantagonisten Naltrexon gesenkt und damit norma­lisiert werden kann. Jedoch sprechen darauf 20 bis 30 Prozent der Frauen nicht oder nur ungenügend an (3).

 

Auch eine Störung der Hormonsynthese der Nebennierenrinde kann zu einer primären Amenorrhö führen. Ein Beispiel ist das angeborene Adreno­genitale Syndrom (AGS), bei dem die vermehrte Androgenbildung noch im Mutterleib zu einer Vermännlichung des betroffenen Mädchens führt.




Menstruationskalender können auch auf dem Mobiltelefon installiert werden.

Foto: Fotolia/Sport Moments


Vereinigungen wie die AGS-Eltern- und Patienteninitiative e. V. bilden eine überregionale Anlaufstelle, auf die im Beratungsgespräch in der Apotheke verwiesen werden kann. Auf der Internetseite finden sich neben allgemeinen Informationen auch die Kontaktdaten der zahlreichen regionalen Selbsthilfegruppen (https://www.ags-initiative.de/).

 

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich, da unterschiedliche genetische Mutationen zugrunde liegen, die zu einem Ausfall der Glukokortikoidsynthese, vermehrter Androgenproduktion und einem zuviel oder zu wenig an Mineralokortikoiden der Nebennieren­rinde führen. Die Patienten müssen zeitlebens Kortison, bei einem Mineralokortikoidmangel zu­sätz­lich Aldosteron erhalten. Dadurch normalisieren sich die Hormonmengen und die Androgenkonzentration im Blut.

 

Durch bereits vorgeburtlich vorhandene Androgene kommen Mädchen häufig mit einer rein äußerlichen Virilisierung des Genitals zur Welt. Die inneren Geschlechtsorgane sind immer weiblich. Bei einer früh einsetzenden Behandlung können Mädchen mit AGS auch Kinder bekommen. Jungen haben keine Veränderung der äußeren Geschlechtsmerkmale.

 

Äußere Veränderungen oder männliche Geschlechtsmerkmale bei Mädchen bilden sich nicht zurück, lassen sich jedoch operativ korrigieren. Bei erblich belasteten Schwangeren wird ab der fünften bis sechsten Schwangerschaftswoche prophylaktisch Dexamethason verordnet, um die Entwicklung des AGS zu verhindern.

 

Sekundäre Amenorrhöe

 

Einer der wenigen körperlichen Auslöser der sekundären Amenorrhö ist die primäre Ovarialinsuffizienz. Tritt sie vor dem 40. Lebensjahr ein, bezeichnet man sie als Climacterium praecox oder vorzeitige Menopause. Verursacher sind die Ovarien selbst, die entweder sehr früh erschöpft sind oder nicht auf die Stimulation durch Gonadotropine ansprechen.

 

Im ersten Fall ist eine Schwangerschaft nur mittels In-vitro-Fertilisation und Embryonentransfer möglich. Sind hingegen Follikel vorhanden, kann eine Estrogen-Gestagen-Behandlung zu einer normalen zyklischen Ovarialfunk­tion führen. Angenommen wird, dass dieser Effekt auf einer Verringerung der erhöhten Gonadotropine beruht. Die primäre Ovarialinsuffizienz entspricht etwa 5 bis 10 Prozent aller Ovarialinsuffizienzen. Zu den organischen Ursachen zählen weiterhin Tumore der Ovarien oder des Hypophysen-Hypothalamus-Areals.




Eine Ovarialinsuffizienz wird auch durch zu starke Gewichtsabnahme hervorgerufen.

Foto: Fotolia/Uwe Grötzner


Die sekundäre Form ist häufig auf psychischen oder körperlichen Stress zurückzuführen. Diskutiert wird, dass sich Stress direkt auf den Hypothalamus auswirkt, der wiederum weniger GnRH produziert und auch den weiteren Regelkreis aus dem Gleichgewicht geraten lässt.

 

Weitere Ursachen sind starke Gewichtsabnahmen beziehungsweise Magersucht, extrauterine Schwangerschaften sowie das Polycystische Ovarial-Syndrom (PCOS). Letzteres beruht auf verschiedenen pathogenen Mechanismen und gilt als die häufigste hormonelle Störung, von der circa 5 bis 10 Prozent aller europäischen Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Zugleich stellt es die häufigste Ursache für eine Infertilität aufgrund von Zyklusstörungen dar.

 

Bereits zum Zeitpunkt der Menarche tritt bei den betroffenen Mädchen eine Amenorrhö und/oder eine Oligomenorrhö auf. Die Therapie ist abhängig vom Leitsymptom. So leiden die Frauen mit PCOS häufig unter Metabolischem Syndrom, welches Adipositas, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie sowie arterielle Hypertonie und Gefäßverkalkung umfasst. Bei der Behandlung steht die Motivation zur Gewichtsreduzierung im Vordergrund, da die Normalisierung des Kohlenhydrat-Meta­bolismus das Risiko für Diabetes mellitus und für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich senkt (4).

 

Aufgrund einer ovariellen und adrenalen Hyperandrogenämie kommt es zudem zu einem Androgenexzess. Als Folge zeigen die Frauen eine vermehrte Körperbehaarung mit Bartwuchs und Brusthaaren, jedoch auch Haarausfall am Kopf (Alopezie) und vermehrte Akne.

 

Um die Androgenisierung zu vermindern, empfiehlt sich die Gabe eines oralen Kontrazeptivums mit einer stark antiandrogen wirkenden Gestagenkomponente wie Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat, Dienogest oder Drospirenon. Dadurch sinken die LH-Sekretion und nachfolgend auch die ovarielle Androgenproduktion. Dabei ist jedoch Geduld erforderlich: Erst nach etwa drei bis sechs Monaten wird ein Effekt sichtbar.

 

Bekannt ist, dass Insulin die ovarielle Androgenproduktion stimuliert, und Insulinresistenz sowie Hyperinsulin­ämie in der PCOS-Pathogenese von Bedeu­tung sind. Insulin stimuliert die Thekazellen (Follikelhüllzellen) und löst zusammen mit LH einen Androgen-produzierenden Effekt aus. Zusätzlich hemmt Insulin die Bildung des Sexual­hormon-bindenden Globulins (SHBG) in der Leber, das normalerweise einen Teil der aktiven männlichen Hormone abfängt. So wirkt Insulin quasi als Promotor der Hyperandrogenämie.

 

Der Einsatz des Antidiabetikums Metformin führt zur Verbesserung von Symptomen wie Akne, Übergewicht und Bluthochdruck. Zudem senkt Metformin die Androgenkonzentration, wodurch sich der Menstruationszyklus normalisiert und die Fertilität ansteigt. Um Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Diarrhö zu minimieren, wird die Therapie mit niedrigen Dosierungen begonnen und langsam gesteigert.




Starke Schmerzen können ein diagnostischer Hinweis auf Zyklusstörungen sein.

Foto: Fotolia/
absolutimages


Für Frauen mit Kinderwunsch stellt der anovulatorische Zyklus, also Zyklus ohne Eisprung, das größte Problem dar. Teilweise löst eine Gewichtsabnahme der oft adipösen Betroffenen bereits eine Spontanovulation aus. Ist dies nicht möglich, lässt sich die Ovulation mit Clomifencitrat oder Gonadotropinen in Form von Kombinationspräparaten aus LH und FSH oder FSH-Monopräparaten initiieren.

 

Besteht kein Kinderwunsch, sollte die Patientin eine zyklische Gestagensubstitution erhalten, um der Hyperplasie oder Atrophie des Endometriums vorzubeugen. Betroffenen kann die »PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V.« empfohlen werden, die sich als Sprachrohr der PCOS-Patientinnen versteht (www.pcos-selbsthilfe.org/).

 

Abweichende Intervalle

 

Von einer Oligomenorrhö spricht man, wenn das Intervall zwischen zwei Blutungen mehr als 35, jedoch weniger als 45 Tage beträgt. Die Ursachen dieser Störung decken sich mit denen der Amenorrhö: Primäre Ovarialinsuffizienz, Störungen am Hypothalamus oder der Hypophyse sowie insbesondere das PCOS.

 

Verspürt die Frau keine Beschwerden und möchte sie auch keine Kinder bekommen, erübrigt sich eine Behandlung. Ansonsten wird entsprechend der Amenorrhö symptomabhängig therapiert. Strebt die Frau eine Schwangerschaft an, kann eine Ovulation mittels Hormongabe ausgelöst werden. Bei chronischer Anovulation ist eine zyklische Gestagengabe erforderlich. Ein Estrogenmangel wird mittels Estrogen-Gestagen-Substitution behandelt.

 

Bei Hyperandrogenämie ohne Kinderwunsch ist ein antiandrogen wirksamer Ovulationshemmer mit Dienogest-, Drospirenon- oder Cyproteronacetathaltigen Gestagenkomponenten zu empfehlen. Für Frauen mit einer Hyperandrogenämie mit adrenaler Beteiligung lässt sich der adrenale Androgenanteil während der Kinderwunschbehandlung durch Gabe von Prednisolon oder Dexametason verringern.

 

Sind weniger als 25 Tage Abstand zwischen zwei Blutungen gegeben, so handelt es sich um eine Polymenorrhö. Diese Störung beruht auf einer Verkürzung der Follikel- und/oder Gelbkörperphase. Dennoch sind vollstän­dige Eizellreifung sowie nachfolgend ein Eisprung möglich. Ohne Beschwerden, zum Beispiel eine Anämie, ist eine Therapie nicht notwendig.




Wie andere Zyklusstörungen können auch Hypermenorrhö und Menorrhagie als Folge von Stress entstehen.

Foto: DAK


Natürlicherweise tritt die Polymenorrhö kurz nach der Menarche oder vor den Wechseljahren auf. Als Auslöser kommen auch starke psychische oder körperliche Belastungen in Frage. Entfallen diese Einflüsse, normalisiert sich der Zyklus häufig wieder. Bei leichteren Fällen oder wenn die Frau keine Verhütung wünscht, kann der regulierende Einsatz von Phytopharmaka, hier unter anderem Mönchspfeffer-Präparaten, erwogen werden (5). Die estrogenartige Wirkung stimuliert den Gelbkörper und damit die Gelbkörperhormonproduktion.

 

Ist die Gelbkörperphase zu kurz, hat sich die zyklische Gestagengabe ab dem 12. Zyklustag für zehn Tage, zum Beispiel von Norethisteronacetat, als erfolgreich erwiesen. Eine verkürzte Follikelphase lässt sich mit der Gabe von Ethinylestradiol vom 4. bis 10. Zyklustag oder einer Estrogen-Gestagen-Kombination regulieren. Zur Verhütung sind ebenfalls Ovulationshemmer (Estrogen-Gestagen-Kombination) zu empfehlen.

 

Hypermenorrhö und Menorrhagie

 

Ist die Blutung verstärkt, spricht man von einer Hypermenorrhö. Dauert sie zudem länger als sieben Tage, liegt eine Menorrhagie vor. Beide Störungen kommen häufig vor und nehmen mit dem Alter zu. Zur Prävalenz existieren unterschiedliche Daten: Für Hyper­menorrhö werden 9 bis 14 Prozent angegeben, für Menorrhagie circa 10 bis 20 Prozent.

 

Obwohl Blutungen von über 80 ml pro Zyklus eine große körperliche Belastung darstellen und mit Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen sowie Eisenmangel und Kreislaufproblemen einhergehen, finden die betroffenen Frauen häufig nur wenig Verständnis bei anderen und bei sich selbst.

 

Der Apotheker sollte nicht nur die Sensibilität der Patientin für die genannten Symptome stärken, sondern gegebenenfalls zur ärztlichen Konsultation raten, da sowohl die Hyper­menorrhö als auch die Menorrhagie oft organisch, etwa durch Myome, Poly­pen, Endometriose, Ovarial- oder Gebärmuttertumoren, bedingt sind. Diese müssen in der Regel operativ behan­delt werden.

 

Weiterhin können Hypermenorrhö und Menorrhagie aufgrund von Stress, Bluthochdruck, Gerinnungsstörung, Nieren- oder Leber­insuffizienz entstehen. Ausgeschlossen werden muss auch das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (VWD) als erblich bedingte Blutungskrankheit mit einem Defekt des Von-Willebrand-Faktors, durch den unter anderem die Thrombozytenaggregation und der Abbau des Gerinnungsfaktors VIII nur unzureichend gehemmt wird.

 

Als First-line-Therapie sowohl der Hypermenorrhö als auch der Menorrhagie kommt das Antifibrinolytikum Tranexamsäure zum Einsatz, das in Studien den Blutverlust etwa halbieren konnte (6). Die Anwendung erfolgt nur während der Blutung, entweder oral oder intravenös in Dosierungen abhängig von der Blutungsstärke. Tranexamsäure ist kontraindiziert bei akuten thromboembolischen Erkrankungen wie tiefer Venenthrombose oder subarachnoider Hämorrhagie.




Zur Therapie der Hypermenorrhö kommen unter anderem spezifische orale Kontrazeptiva mit Estrogen-Gestagen-Kombinationen zum Einsatz.

Foto: Fotolia/kristina rütten


Besteht kein Kinderwunsch, können vom 16. bis zum 27. Zyklustag orale Gestagene wie Norethisteronacetat beziehungsweise Dienogest zur Anwendung kommen, wobei letzteres nur zur Therapie der Endometriose zugelassen ist. Möglich sind zudem Medroxyprogesteronacetat oder Chlormadinon. Hochdosiert können Gestagene die Blutung rasch beenden. Aufgrund der starken Nebenwirkungen ist diese Dosierung jedoch nicht für den Langzeitgebrauch geeignet.

 

Auch Estrogen-Gestagen-Kombinationen sind effektiv. Sie sollten jedoch ein endometriumwirksames Gestagen enthalten. Empfohlen wird, sie im Langzyklus oder kontinuierlich einzunehmen. Es gibt speziell für die Therapie der Hypermenorrhö zugelassene orale Kontrazeptiva mit dem natürlichen Estrogen Estradiol und dem Gestagen Dienogest. Studien gemäß wird der Blutverlust auch bei Frauen mit Menorrhagie um etwa 70 Prozent verringert (7). Liegen keine Myome vor, haben sich Levonorgestrel-freisetzende Intrauterinsysteme bewährt. Da der starke Blutverlust häufig Eisenmangel verursacht, sollte auf die Supplementierung von Eisen geachtet werden.

 

Treten außerhalb des normalen Zyklus Blutungen auf, wird dies als Metrorrhagie bezeichnet. Besonders häufig kommt es zu dieser Störung während der Adoleszenz und in der Perimenopause. Auch hier können organische Erkrankungen zugrunde liegen, etwa Endometriumentzündungen beziehungsweise Endometrium- oder Vaginalkarzinome, Myome oder Polypen.

 

Eine Gelbkörperschwäche kann zu Minimalblutungen zwei bis drei Tage vor der regulären Blutung führen. Sinkt der Estrogenspiegel während der Zeit des Eisprungs ab, kann es ebenfalls zu Zwischenblutungen kommen. Zur akuten Blutstillung wird die Applikation spezifisch dosierter Ethinylestradiol-Gestagen-Kombinationen empfohlen.

 

Prophylaktisch werden Medroxyprogesteronacetat oder Norethisteron jeweils vom 16. bis 25. Zyklustag sowie kombinierte Ovulationshemmer oder Depot-Gestagene eingesetzt. Letztere führen allerdings längerfristig zu einer Atrophie des Endometriums. Normalisiert sich der Zyklus nach der medikamentösen Therapie nicht innerhalb von drei Monaten, muss eine weitere Abklärung erfolgen. /


Literatur

  1. Bals-Pratsch, M. et al., Hormonell und nicht hormonell bedingte Blutungsstörungen. Springer-Lehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe 2007; 2. Auflage, S. 79-96.
  2. Brucker, S. et al., Optimierung der laparoskopisch-assistierten Neovagina-Anlage durch neue Applikationsinstrumente inklusive einem neuen mechanischen Spannapparat. Geburtshilfe Frauenheilkunde 2004; 64: 70-75.
  3. Mattle, V., Wildt, L., Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Ovarialinsuffizienz ? ein Update. Teil 1: Hyperandrogenämische und hypo­thalamische Ovarialinsuffizienz. Reproduktionsmed Endokrinol 2008; 5 (6): 335?341.
  4. Kiddy, D.S. et al., Improvement in endocrine and ovarian function during dietary treatment of obese women with polycystic ovary syndrome. Clin Endocrinol 1992; 36: 105?111.
  5. van Die, M.D. et al., Vitex agnus-castus ex­tracts for female reproductive disorders: a systematic review of clinical trials. Planta Med. 2013 May;79(7):562-575.
  6. Göretzlehner, G. et al., Blutungsstörungen. Berlin ? New York: Walter de Gruyter Verlag. 2010.
  7. Fraser, I.S. et al., Effective treatment of heavy and/or prolonged menstrual bleeding with an oral contraceptive containing estradiol valerate and dienogest: a randomized, double-blind Phase III trial. Hum Reprod. 2011 Oct;26(10):2698-708.


Die Autorin

Marion Hofmann-Aßmusabsolvierte eine Ausbildung als veterinärmedizinisch-technische Assistentin (VMTA) und studierte anschließend Diplom-Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Promoviert wurde sie 1999 mit einer Arbeit zu molekularer Kardiologie an der Chemischen Fakultät der LMU München. Seither ist sie freiberuflich in verschiedenen Redaktionen und als Fachjournalistin tätig.

 

Dr. Marion Hofmann-Aßmus Abt-Führer-Straße 9a, 82256 Fürstenfeldbruck, E-Mail: hofmann_assmus(at)t-online.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 30/2013

 

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