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Interaktionen in der ABDA-Datenbank: Zum 1. Juli neue Klassifikationsstufen

PHARMAZIE

 
Interaktionen in der ABDA-Datenbank

Zum 1. Juli neue Klassifikationsstufen


ABDATA / Die ABDA-Datenbank wird um zwei neue Interaktionsklassifikationsstufen erweitert. Zum einen um die Stufe »Schwerwiegende Folgen wahrscheinlich – in bestimmten Fällen kontraindiziert«, zum anderen um die Stufe »Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen«. Die Aktualisierung soll Apotheker beim patientenindividuellen Interaktions­management unterstützen.

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2009 wurde in der ABDA-Datenbank eine neue Interaktionsklassifikation eingeführt, die sich daran orientiert, welche Maßnahmen die jeweilige Wechselwirkung erfordert. Diese Klassifikation basiert auf dem jeweiligen Stand der Erkenntnisse und bezieht Unsicherheiten bezüglich der tatsächlichen Bedeutung einer Interaktion ein. Sie ermöglicht den Apotheken, sogleich zu erkennen, was Patient und Arzt in der jeweiligen Situation zu raten ist. In den vergangenen viereinhalb Jahren hat sich diese Klassifikation gut bewährt.

 

Arzneimittel werden heute jedoch immer differenzierter eingesetzt und Patientengruppen, für die ein Arzneimittel geeignet ist, werden spezifischer eingegrenzt. Es gibt Anwendungsbeschränkungen, die sich auf die Kombination mehrerer Faktoren wie bestimmtes Lebensalter, Komorbiditäten und Begleitmedikationen beziehen. Um diesen veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen und sie in der ABDA-Datenbank detail­genau abzubilden, werden zum 1. Juli 2013 zwei neue Klassifikationsstufen eingeführt:

 

Schwerwiegende Folgen wahrscheinlich – in bestimmten Fällen kon­traindiziert (siehe dazu Beispiel 1)


Beispiel 1

Die gleichzeitige Behandlung mit Aliskiren (Rasilez®) und einem Angiotensin-Antagonisten oder einem ACE-Hemmer ist nur dann ausdrücklich kontraindiziert, wenn der Patient an Diabetes mellitus oder eingeschränkter Nierenfunk­tion mit einer glomerulären Filtra­tionsrate von unter 60 ml/min/1,73 m2 leidet. Nur unter diesen Umständen wurden vermehrt nicht-tödliche Schlaganfälle, renale Komplikationen, Hyperkaliämien und Blutdruckabfall beobachtet.


Diese Klassifikation wird vergeben, wenn die Interaktionspartner nur dann nicht gleichzeitig angewendet werden dürfen, wenn der Patient definierte Risikofaktoren aufweist, zum Beispiel ein bestimmtes Lebensalter, Niereninsuffizienz oder Diabetes. Diese Risikofaktoren werden in der jeweiligen Textinformation aufgeführt. In den Fach- und Gebrauchsinformationen werden diese Fälle in der Regel als Kontraindikationen angegeben. Je nach Lage des Falles muss die Apotheke daher zum Verzicht auf das beziehungsweise die Arzneimittel raten, eine Alternative empfehlen oder Kontakt mit dem Arzt aufnehmen, um eine geeignete Alternative zu ermitteln. Die gleichzeitige Behandlung wäre eine nicht bestimmungs­gemäße Anwendung, die eine Hersteller­haftung nach dem Arzneimittelgesetz ausschließt. Dennoch könnte sich ein Arzt im Rahmen seiner Therapiefreiheit hierfür entscheiden.

 

Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen (siehe dazu Beispiel 2).


Beispiel 2

Die gleichzeitige Behandlung mit Amiodaron (zum Beispiel Cordarex®) und Verapamil (zum Beispiel Isop­tin®) wird nicht empfohlen, da Bradykardien und höhergradige atrio­ventrikuläre Überleitungsstörungen auftreten könnten. Sie könnte aber bei einzelnen Patienten nötig sein und muss dann unter sorgfältiger Überwachung auf unerwünscht starke kardiodepressive Effekte vorgenommen werden.


Fach- und Gebrauchsinformationen empfehlen in letzter Zeit zunehmend, die gleichzeitige Anwendung mit bestimmten Interaktionspartnern zu vermeiden, zum Beispiel wegen unkalkulierbarer unerwünschter Wirkungen oder fehlender Überwachungsparameter. Dennoch gilt die gleichzeitige Anwendung nicht als Gegenanzeige; sie bewegt sich noch im Rahmen der Zulassung. Die gleichzeitige Anwendung muss aber gut überlegt sein und mit Vorsicht erfolgen.

 

Die Tabelle (Seite 26) zeigt, wie sich die neuen Klassifikationsstufen in die bestehende Klassifikation einfügen. Anwendungsprogramme, die Interak­tionen nach abnehmendem »Schweregrad« anzeigen, legen die dargestellte Reihenfolge zugrunde.

 

Viele Anwendersysteme bieten die Option, nur Interaktionen höheren Schweregrades anzuzeigen. Dies ist ein praktikables Verfahren, um die Zahl der Interaktionswarnungen überschaubar zu halten. Um dabei zu verhindern, dass Interaktionen übersehen werden, die für einzelne Patienten bedeutsam sind, sollte dem Anwender immer angezeigt werden, mit welcher Einstellung er arbeitet. Außerdem sollte aus der Anzeige ersichtlich sein, dass es möglicherweise weitere Wechselwirkungen gibt, die ebenfalls rasch aufrufbar sein sollten.

 

Ein Klassifikationssystem ist angesichts der unüberschaubaren Zahl an möglichen Wechselwirkungen unbedingt nötig. Jede Art der Klassifikation bietet aber nur Anhaltspunkte. Die ABDA-Datenbank weist auf ein mögliches Risiko hin; die Gefährdung des einzelnen Patienten durch eine Wechselwirkung muss aber von Ärzten beziehungsweise Apothekern anhand der ausführlichen Interaktionsmonografien und mit Fachwissen beurteilt werden. Auch die Maßnahmen zur Vermeidung der Interaktion müssen entsprechend den individuellen Umständen des Patienten zum Zeitpunkt der Abgabe ausgewählt werden. Die neuen Klassifikationsstufen sollen die Kollegen in der Praxis beim patientenindividuellen Interaktionsmanagement unterstützen. /


Tabelle: Klassifikationssystem der Interaktionen in der ABDA-Datenbank (Schweregrad von oben nach unten abnehmend)

Klassifikation Definition 
Schwerwiegende Folgen wahrscheinlich – kontraindiziert Die Interaktionspartner dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden, weil schwerwiegende Folgen (zum Beispiel Agranulozytose, hypertensive Krise) dokumentiert sind. 
NEU: Schwerwiegende Folgen wahrscheinlich – in bestimmten Fällen kontraindiziert Die Interaktionspartner dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden, wenn Risikofaktoren (zum Beispiel Niereninsuffizienz, Diabetes) vorliegen. 
Schwerwiegende Folgen möglich – vorsichtshalber kontraindiziert Die Interaktionspartner dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden, weil schwerwiegende Folgen (zum Beispiel Torsades de pointes, Nephrotoxizität) erwartet werden. 
NEU: Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen Die gleichzeitige Anwendung ist möglichst zu vermeiden (zum Beispiel wegen unkalkulierbarer unerwünschter Wirkungen, fehlender Überwachungsparameter). 
Überwachung beziehungsweise Anpassung nötig Maßnahmen (zum Beispiel Blutbildkontrolle, Dosisanpassung) sind in jedem Fall erforderlich. 
In bestimmten Fällen Überwachung beziehungsweise Anpassung nötig Maßnahmen (zum Beispiel Blutbildkontrolle, Dosisanpassung) sind erforderlich, wenn Risikofaktoren (zum Beispiel Niereninsuffizienz, Diabetes) vorliegen. 
Vorsichtshalber überwachen Die Überwachung bestimmter Parameter (zum Beispiel Blut­glucose, Plasmaspiegel) wird empfohlen. 
In der Regel keine Maßnahmen erforderlich In der Regel sind keine Maßnahmen erforderlich; eine sorgfältige Therapieüberwachung kann ratsam sein. 


Beitrag erschienen in Ausgabe 25/2013

 

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