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NEUE ARZNEISTOFFE

 
71 Psychopharmaka


Quetiapin (SeroquelÒ Filmtabletten; Zeneca)

 

 

Quetiapin ist der jüngste Vertreter der sogenannten atypischen Neuropetika, der zur Behandlung der Schzophrenie zugelassen wurde. Anfang der siebziger Jahre gelang mit Clozapin ein Durchbruch in der Therapie der Schizophrenie. Im Vergleich zu "klassischen" Neuroleptika wie Haloperidol oder Chlorpromazin löste Leponex® in therapeutischer Dosierung weniger extrapyramidal-motorische Symptome (EPS) wie Parkinsonoid, Frühdyskinesien (Störungen des Bewegungsablaufs) oder Akathisie (Unfähigkeit, still zu sitzen) aus. Daher wurde Clozapin als "atypisch" bezeichnet. Diese Neuroleptika-Gruppe, der mittlerweile auch Olanzapin, Risperidon und die neue Substanz angehören, soll zudem die Minussymptomatik der Schizophrenie und therapierefraktäre Psychosen günstig beeinflussen. Kennzeichen der atypischen Neuroleptika ist eine höhere Affinität zum 5-HT2-Rezeptor als zum D2-Rezeptor. Dieses Rezeptorprofil soll für die Wirkung auf die Minussymptome bei geringer EPS-Rate verantwortlich sein.

 

Strukturell leitet sich Quetiapin von Clozapin ab, gehört also ebenfalls zu den Trizyklika, hat aber anstelle des Dibenzodiazepins einen Dibenzothiazepin-Ring als Grundkörper. Quetiapin greift wie Clozapin in verschiedene Neurotransmitter-Systeme im Gehirn antagonistisch ein. Die antipsychotische Wirkung wird der Blockade von Dopamin-D2- und Serotonin-(5-HT2)-Rezeptoren zugeschrieben. Quetiapin hat ferner eine hohe Affinität zu histaminergen (cave: Sedierung, vor allem zu Therapiebeginn) und a1-adrenergen (cave: orthostatische Hypotonie) sowie eine geringere zu a2-adrenergen Rezeptoren.

 

Quetiapin wird nach peroraler Applikation rasch resorbiert und fast vollständig in der Leber über das Cytochrom P-450-Isoenzym CYP3A4 metabolisiert. Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion kann eine Dosisreduktion nötig sein. Die gleichzeitige Gabe von CYP-3A4-Inhibitoren wie HIV-Protease-Hemmstoffen, Antimykotika vom Azol-Typ, Erythromycin, Clarithromycin und Nefazodon ist kontraindiziert.

 

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa sieben Stunden. Da Quetiapin bis zu zwölf Stunden an die Rezeptoren bindet, reicht die zweimal tägliche Gabe. Nach vorsichtiger Auftitration liegt die übliche Tagesdosis bei 300 bis 450 mg (Spannbreite 150 bis 750 mg). Die Wirkung steigt mit der Dosis an.

 

In klinischen Studien über sechs Wochen war das neue Neuroleptikum mindestens ebenso wirksam wie Chlorpromazin und Haloperidol, löste jedoch signifikant weniger EPS aus. Die EPS-Rate lag auf Placebo-Niveau. Am häufigsten klagten die Patienten über Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Schwindel. Der Serum-Prolactinspiegel stieg nicht an (Kennzeichen atypischer Neuroleptika). Auffällig war eine Gewichtszunahme von etwa 2,5 kg, meist zu Beginn der Therapie.

 

Bevor der Stellenwert von Quetiapin in der Schizophrenie-Behandlung abschließend beurteilt werden kann, müssen Langzeit- und Vergleichsstudien mit anderen atypischen Neuroleptika abgewartet werden. Ebenso ist die Wirksamkeit bei therapierefraktärer Schizophrenie in Studien zu klären.














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