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NEUE ARZNEISTOFFE

 
71 Psychopharmaka


Asenapin, Sycrest® (MSD)

 

Im Dezember 2010 kam mit Asenapin (Sycrest® 5 und 10 mg Sublingualtabletten, MSD) eine weitere Therapieoption für bipolare Störungen auf den Markt. Zugelassen ist das neue Neuroleptikum zur Behandlung mäßiger bis schwerer manischer Episoden einer Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen.

 

Als Monotherapie nehmen Patienten zu Beginn zweimal täglich 10 mg ein. Davon sollte eine Gabe morgens, die andere abends erfolgen. Für eine Kombinationstherapie wird eine Anfangsdosis von zweimal täglich 5 mg empfohlen. Im Bedarfsfall kann der Arzt die Dosis auf zweimal täglich 10 mg erhöhen. Die Sublingualtabletten dürfen erst direkt vor der Einnahme dem Blister entnommen werden. Der Patient ist darauf hinzuweisen, die Tablette mit trockenen Händen anzufassen, um sie dann unter die Zunge zu legen, bis sie sich vollständig aufgelöst hat. Die Tabletten dürfen nicht gekaut oder geschluckt werden. Die Bioverfügbarkeit von Asenapin nach peroraler Applikation ist kleiner als 2 Prozent, während sie bei der Sublingualtabletten etwa 35 Prozent beträgt. Um eine optimale Resorption durch die Mundschleimhaut zu gewährleisten, sollte der Patient darauf hingewiesen werden, dass er nach der Gabe zehn Minuten weder essen noch trinken darf. Müssen mehrere Medikamente eingenommen werden, so sollte die Einnahme der Asenapin-Tablette ganz am Schluss erfolgen.

 

Asenapin zählt zu den atypischen Neuroleptika, weist einen benzokondensierten heterozyklischen Siebenring mit struktureller Verwandtschaft zu Quetiapin und Olanzapin auf. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass vor allem die antagonistischen Aktivitäten an D2; und Serotonin-(5-HT)2A-Rezeptoren für die Wirksamkeit eine entscheidende Rolle spielen. Zudem tragen möglicherweise auch Aktivitäten an anderen Rezeptoren, etwa den Serotonin-Rezeptorsubtypen 1A, 1B, 2C, 6, 7 sowie dopaminerge D3;- und α2;-adrenergen Rezeptoren, zur Wirkung bei.

 

In zwei dreiwöchigen randomisierten Doppelblindstudien mit insgesamt fast 1000 erwachsenen Patienten wurde Asenapin mit dem Neuroleptikum Olanzapin und Placebo verglichen. Hauptindikator für die Wirksamkeit war die Veränderung auf der Manie-Einschätzungsskala nach Young (Y-MRS, Young Mania Rating Scale) am Studienende. Dabei bewerten die Patienten die Schwere von Symptomen manischer Episoden auf einer Skala von 0 bis 60. In diesen beiden Kurzzeitstudien verringerte sich der Y-MRS-Wert nach drei Wochen um 11,5 beziehungsweise 10,8 Punkte unter Asenapin versus 14,6 beziehungsweise 12,6 Punkte unter Olanzapin versus 7,8 und 5,5 Punkte unter Placebo. Schon am zweiten Tag wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Verum und Placebo beobachtet. Die Patienten dieser beiden Studien wurden in einer Verlängerungsstudie über weitere neun Wochen untersucht. Dabei konnte die Aufrechterhaltung der Wirkung während zwölf Wochen gezeigt werden.

 

Bei einer zwölfwöchigen Add-on-Studie erhielten 326 Patienten, die bereits mit Lithium oder Valproinsäure behandelt wurden, zusätzlich entweder Asenapin oder ein Placebo. Auch hier war die Veränderung des Y-MRS-Werts Hauptindikator für die Wirksamkeit. Nach drei Wochen hatte sich dieser unter Asenapin um 10,3 Punkte (versus 7,9 Punkte unter Placebo) reduziert, nach zwölf Wochen um 12,7 (versus 9,3 Punkte unter Placebo).

 

Asenapin wurde auch bei Schizophrenie-Patienten untersucht, jedoch konnten die Studien keine ausreichende Wirksamkeit bei dieser Krankheit nachweisen.

 

Die am häufigsten unter Asenapin berichteten Nebenwirkungen sind Somnolenz und Angst. Diese traten sehr häufig auf. Gewichtszunahme, Appetitsteigerung, Geschmacksstörung und Schwindelgefühle zählten ebenfalls zu den häufigen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. In der Fachinformation sind einige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung benannt. So sollte der Arzneistoff bei Epileptikern nur mit Vorsicht angewendet werden. Wegen der Gefahr einer orthostatischen Hypotonie gilt dies auch für Ältere und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung (zum Beispiel Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Erregungsleitungsstörungen).

 

Aufgrund der Wirkung von Asenapin auf das zentrale Nervensystem ist bei der gleichzeitigen Anwendung von anderen zentral wirksamen Arzneimitteln Vorsicht geboten. Alkohol sollte vermieden werden. Ferner ist es möglich, dass Asenapin aufgrund seiner antagonistischen Wirkung am Alpha-1-Rezeptor die Wirkungen bestimmter Antihypertonika verstärkt, die Wirkung von Levodopa und Dopamin-Agonisten kann das Neuroleptikum dagegen antagonisieren.

 

Im Laufe des Jahres 2011 hat es eine Reihe weiterer Publikationen zu Asenapin gegeben. Zhao und Kollegen konnten zeigen, dass das frühe Ansprechen der manischen Symptome auf eine Pharmakotherapie sowohl für Asenapin als auch für Olanzapin mit Response und Remission korrelierte. Dies Daten zeigten sich für Asenapin robust und waren Olanzapin nicht unterlagen.

 

Da die bipolare Störung eine phasische Erkrankung ist, die sowohl manische, gemischte als auch depressive Symptome hervorbringen kann, wird eine wirksame Behandlung auch für die depressiven Phasen der Erkrankung angestrebt. Asenapin war in der Reduktion depressiver Symptome gemessen mit einer Fremdbeurteilungsskala zur Einschätzung depressiver Patienten (MADRS) signifikant gegenüber Placebo zu den Zeitpunkten 7 und 21 überlegen, wohingegen Olanzapin diese signifikante Reduktion nicht zeigen konnte (Szegedi et Kollegen, 2011).

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat mit Tendenz zur Schrittinnovation


Weiterführende Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/001177/WC500096896.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/001177/WC500096895.pdf














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