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NEUE ARZNEISTOFFE

 
71 Psychopharmaka


Lurasidon, Latuda® (Takeda)



Mit Lurasidon kam im November 2014 ein neues Arzneimittel zur Behandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen auf den Markt (Latuda® Filmtabletten mit 18,5, 37 und 74 mg, Takeda). Lurasidon gehört zur Gruppe der Anti­psychotika.

 

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 37 mg einmal täglich zusammen mit einer Mahlzeit. Es ist keine initiale Dosistitration erforderlich; vielmehr kann der behandelnde Arzt die Dosierung nach dem klinischen Ansprechen steigern. Die maximale Tagesdosis sollte 148 mg nicht übersteigen. Empfehlenswert ist es, die Tabletten im Ganzen zu schlucken, um den bitteren Geschmack zu überdecken. Die tägliche Einnahme etwa zur gleichen Tageszeit kann die Compliance erhöhen.

 

Patienten mit mäßiger bis schwerer Einschränkung der Nieren- oder Leberfunktion sollten mit einer Dosis von 18,5 mg starten. Die Tageshöchstdosis sollte nicht höher als 74 mg sein.

 

Lurasidon (und der aktive Metabolit ID-14283) ist ein selektiver Inhibitor dop­aminerger und monoaminerger Effekte. Es bindet stark an Dopamin-D2- sowie an serotonerge 5-HT2A- und 5-HT7-Rezeptoren. Zudem blockiert es bestimmte α2-adrenerge Rezeptortypen. Als partieller Agonist wirkt es am 5-HT1A-Rezeptor. Da die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin eine wichtige Rolle bei Schizophrenie spielen, trägt die Blockade dieser Rezeptoren dazu bei, die Gehirnaktivität zu normalisieren und Symptome zu reduzieren. Lurasidon bindet nicht an cholinerge oder muskarinerge Rezeptoren.

 

Latuda wurde in mehreren Studien bei Schizophrenie-Patienten untersucht. In fünf multizentrischen Kurzzeitstudien wurde es über sechs Wochen mit Placebo verglichen. Die Dosierung reichte von 37 bis 148 mg einmal täglich. Hauptindikator für die Wirksamkeit war die Veränderung der Symptome der Patienten, beurteilt anhand einer validierten Positiv- und Negativ-Syndromskala (PANSS) für Schizophrenie-Patienten. Lurasidon war deutlich wirksamer als Placebo und zeigte bereits ab dem vierten Tag einen signifikanten Unterschied zum Scheinmedikament. Allerdings ließ sich keine konsistente Dosis-Wirkungs-Beziehung beobachten.

 

Die Wirksamkeit in der Langzeit­behandlung wurde in einer zwölfmonatigen Nicht-Unterlegenheitsstudie mit Quetiapin (200 bis 800 mg als Retardtablette einmal täglich) gezeigt. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Schizophrenie-Rezidiv. Lurasidon (37 bis 148 mg täglich) war Quetiapin nicht unterlegen. Die Remissionsrate war zu Studienende unter Lurasidon höher, das Risiko für Krankenhausaufnahme geringer.

 

In einer Langzeitsicherheitsstudie erhielten klinische stabile Patienten entweder Lurasidon (37 bis 111 mg) oder Risperidon (2 bis 6 mg). Die Rezidivrate lag nach einem Jahr unter Lurasidon bei 20 Prozent versus 16 Prozent unter Risperidon. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Lurasidon waren Übelkeit, Schlaflosigkeit und Sedierung.

 

In einer weiteren Langzeitstudie konnte Lurasidon die Symptome besser kontrollieren als Placebo und ein Rezidiv wirksamer hinauszögern. Nach Behandlung einer akuten Episode und Stabilisierung mit Lurasidon für mindestens zwölf Wochen erhielten die Patienten doppelblind randomisiert entweder Lurasidon oder Placebo, bis die Schizophreniesymptome wieder auftraten. Mit dem Verum dauerte es signifikant länger bis zum Rezidiv. Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 10 Prozent der Patienten) im Studienprogramm sind ständiger Bewegungsdrang und Schläfrigkeit . Häufig wurde über Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, psychiatrische Symptome, Parkinsonismus, Schwindel, Dystonie, Störungen im Magen-Darm-Trakt, Probleme der Skelettmuskulatur und erhöhte Serumkreatinin-Werte be­richtet.

 

Lurasidon darf nicht zusammen mit Arzneimitteln angewendet werden, die als starke CYP3A4-Inhibitoren oder -Induktoren wirken, da diese die Konzentration des Antipsychotikums im Blut beeinflussen können. Lurasidon wird hauptsächlich über CYP3A4 zu zwei aktiven und zwei inaktiven Metaboliten umgewandelt; der aktive Metabolit ID-14283 wird ebenfalls maßgeblich über CYP3A4 verstoffwechselt.

 

Bei der Kombination mit mäßigen CYP3A4-Inhibitoren wird eine Anfangsdosis von 18,5 mg empfohlen, und die Tageshöchstdosis sollte 74 mg nicht überschreiten. Da Grapefruitsaft ebenfalls CYP3A4 hemmt, sollte der Patient darauf verzichten. Bekommt er gleichzeitig leichte bis mäßige CYP3A4-Induktoren, muss die Wirkung überwacht und eventuell die Dosis angepasst werden.

 

Auch pharmakodynamische Wechselwirkungen sind bei der Schizophrenie-Therapie zu beachten. So ist bei Kombination mit anderen ZNS-wirksamen Arzneistoffen und Alkohol Vorsicht geboten. Gleiches gilt, wenn Lurasidon zusammen mit Arzneimitteln verordnet wird, die das QT-Intervall verlängern, zum Beispiel Antiarrhythmika, einige Antihistaminika, einige andere Antipsychotika und Malariamittel wie Mefloquin.

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat


Weiterführende Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002713/WC500164685.pdf 

 

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002713/WC500164683.pdf 

 














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