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NEUE ARZNEISTOFFE

 
12 Antidiabetika


Albiglutid, Eperzan® (GSK)

Mit Albiglutid (Eperzan® 30 und 50 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung, GSK) gibt es einen weiteren zugelassenen Wirkstoff in der Klasse der GLP-1- Rezeptoragonisten. Seit Oktober 2014 ist er auf dem deutschen Markt verfügbar.

 

Albiglutid ist ein Fusionsprotein, das aus zwei Kopien einer 30-Aminosäuren- Sequenz von modifiziertem humanem GLP-1 besteht, die mit Humanalbumin gekoppelt sind. Dadurch ist die Halbwertszeit dieser Substanz im Vergleich zu GLP-1 oder anderen GLP-1-Rezeptoragonisten sehr lang. Die Eliminationshalbwertszeit von Albiglutid beträgt circa fünf Tage.

 

Das Inkretin-Mimetikum ist zur Anwendung bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern zugelassen. Zum einen darf es als Monotherapeutikum zum Einsatz kommen, wenn der Blutzucker mit Diät und Bewegung allein nicht ausreichend kontrolliert werden kann und die Gabe von Metformin ungeeignet ist. Andererseits kann Albiglutid als Bestandteil einer Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln, einschließlich Basalinsulin, verwendet werden, um den Blutzucker ausreichend zu senken.

 

Aufgrund seiner langen Halbwertszeit muss Albiglutid – wie das Exenatid-haltige Depotpräparat Bydureon®– nur einmal wöchentlich subkutan injiziert werden. Als Dosis sind 30 mg empfohlen, eine Erhöhung auf 50 mg ist möglich. Das Spritzen kann zu einer beliebigen Tageszeit und unabhängig von einer Mahlzeit erfolgen. Injektionsorte sollten Abdomen, Oberschenkel oder Oberarm sein. Das lyophilisierte Pulver im Pen muss der Patient vor der Injektion rekonstituieren. Wichtig: Albiglutid sollte immer am selben Wochentag injiziert werden. Wurde eine Gabe verpasst, sollte sie so bald wie möglich innerhalb von drei Tagen nachgeholt werden.

 

Bei Beendigung einer Albiglutid-Therapie sollte der Arzt bedenken, dass Wirkung und Nebenwirkungen des Medikamentes noch anhalten können, da die Plasmakonzentration nur langsam über ungefähr drei bis vier Wochen abnimmt. Hat der Patient auch ein Insulin zu injizieren, können Apotheker dazu raten, dass die beiden Spritzstellen nicht direkt nebeneinander liegen sollen. Um das Hypoglykämie-Risiko zu senken, muss der Arzt möglicherweise die Dosierung des Insulins oder von eingenommenen Sulfonylharnstoffen senken. Eine Änderung der Metformin-Dosierung ist laut Fachinformation nicht notwendig.

 

Albiglutid wurde in mehreren Phase-III-Studien, an denen insgesamt etwa 5000 Patienten teilnahmen, als Monotherapeutikum oder als Add-on-Wirkstoff untersucht. Hauptindikator für die Wirksamkeit war jeweils die Änderung des HbA1c-Werts. In einer 52-wöchigen, kontrollierten Studie resultierte die Behandlung mit Albiglutid 30 mg und 50 mg einmal wöchentlich verglichen mit Placebo in einer statistisch signifikanten Reduktion des HbA1c-Werts gegenüber dem Ausgangswert (-0,8 beziehungsweise -1,0 Prozent versus +0,2 Prozent).

 

In einer anderen zweijährigen Studie wurden 30 mg Albiglutid pro Woche (mit optionaler Aufdosierung auf 50 mg nach mindestens vier Wochen), 100 mg Sita­gliptin pro Tag, 2 mg Glimepirid pro Tag (mit optionaler Aufdosierung auf 4 mg pro Tag) und Placebo als Add-on zu einer Metformin-Therapie mit mindestens 1500 mg pro Tag miteinander verglichen. Dabei war Albiglutid im Hinblick auf die Reduktion des HbA1c-Werts gegenüber dem Ausgangswert allen anderen Behandlungen statistisch überlegen. So kam es in der Placebogruppe zum Anstieg des HbA1c-Werts um 0,3 Prozent. In der Sitagliptin-Gruppe sank der Wert um 0,3 Prozent, in der Glimepirid-Gruppe um 0,4 Prozent und in der Albiglutid-Gruppe um 0,6 Prozent.

 

In einer offenen Studie erhielten Pa­tienten, die durch Insulin glargin allein nicht ausreichend eingestellt waren, entweder wöchentlich 30 (oder optional 50) mg Albiglutid oder zum Essen Insulin lispro (beginnend mit einer Standard­dosierung und Dosisanpassungen entsprechend der Wirkung). Nach 26 Wochen war der HbA1c-Wert in beiden Gruppen ähnlich stark gesunken (-0,8 versus -0,6 Prozent). Eine weitere offene Studie verglich Albiglutid (30 mg pro Woche mit optionaler Aufdosierung auf 50 mg) mit Insulin glargin (beginnend mit 10 Internationalen Einheiten pro Tag und wöchentlicher Aufdosierung gemäß Produktinformation) bei Patienten, die durch Metformin mit oder ohne Sulfonylharnstoff nicht ausreichend eingestellt waren. Auch hier ergaben sich nach einem Jahr ähnliche Senkungen des HbA1c-Werts (-0,7 versus -0,8 Prozent).

 

Während alle genannten Studien eine Überlegenheit beziehungsweise zumindest Nicht-Unterlegenheit von Albiglutid zeigten, erwiesen sich Pioglitazon und Liraglutid in anderen Untersuchungen im Vergleich zum neuen Wirkstoff als wirksamere Add-on-Therapeutika. So wurde Albiglutid 30 mg pro Woche (mit Aufdosierung auf 50 mg in Woche 6) bei Patienten, die durch eine Monotherapie oder Kombinationstherapie mit oralen Antidiabetika nicht ausreichend eingestellt waren, mit Liraglutid 1,8 mg pro Tag (mit Aufdosierung von 0,6 mg in Woche 1 und 1,2 mg in Woche 1 bis 2) verglichen. Nach 32 Wochen war der HbA1c-Wert im Liraglutid-Arm um 1,0 Prozent gesunken, im Albiglutid-Arm um 0,8 Prozent. Pioglitazon schnitt in einer Studie besser ab, in der Patienten zusätzlich zu einer Therapie mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff entweder 30 mg Albiglutid pro Woche (mit optionaler Aufdosierung auf 50 mg nach mindestens vier Wochen) oder 30 mg Pioglitazon pro Tag (mit optionaler Aufdosierung auf 45 mg) erhalten hatten. Nach einem Jahr war der HbA1c-Wert im Piogliatzon-Arm um 0,8 Prozent gesunken, im Albiglutid-Arm nur um 0,6 Prozent.

 

Gastrointestinale Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit sind typisch für alle Vertreter der GLP-1-Rezeptoragonisten. Auch Albiglutid macht davon keine Ausnahme. Der Wirkstoff wurde nicht bei Patienten mit schweren Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts untersucht und wird daher bei diesen nicht empfohlen. Zudem wurden in Studien mit dem neuen Inkretin-Mimetikum sehr häufig Reaktionen an der Injek­tionsstelle wie Hautausschlag, Rötung und Juckreiz beobachtet. Die Anwendung von GLP-1-Rezeptor­agonisten wird auch mit einem Risiko einer akuten Pankreatitis assoziiert. Laut Fachinforma­tion wurde in Studien im Zusammenhang mit Albiglutid über Fälle einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse berichtet. Daher sollten Patienten über die charakteristischen Symptome dieser Erkrankung aufgeklärt werden. Vermutet der Arzt eine Pankreatitis, muss er Albiglutid absetzen. Bei Patienten mit einer Pankrea­titis in der Vor­geschichte ist Vorsicht geboten.

 

Bei leicht oder mittelschwer eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei Vorliegen einer schweren Nierenfunk­tionsstörung sollte der Arzt den neuen Wirkstoff allerdings nicht verordnen. Gleiches gilt für Typ-1-Diabetiker sowie für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Bei stillenden Frauen ist zu entscheiden, ob Albiglutid vorübergehend abgesetzt oder das Stillen unterbrochen wird.

 

Apotheker sollten bedenken, dass Albiglutid die Magenentleerung verzögert und damit potenziell die Resorption anderer Wirkstoffe beeinflussen kann. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite oder solchen, die eine sorgfältige klinische Überwachung erfordern, ist daher Vorsicht geboten.

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat


Weiterführende Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002735/WC500165120.pdf 

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002735/WC500165117.pdf 














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