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NEUE ARZNEISTOFFE

 
27 Betarezeptoren-, Calciumkanalblocker und Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems


Clevidipin, Cleviprex® (The Medicines Company Deutschland)



Seit Oktober 2013 ist mit Clevidipin ein neuer Cal­ciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ auf dem Markt (Cleviprex® 0,5 mg/ml Emulsion zur Injektion, The Medicines Company Deutschland GmbH). Das Besondere daran: Clevidipin ist ultrakurz wirksam und wird intravenös zur raschen Senkung des Blutdrucks in perioperativen Situationen eingesetzt. Das Medikament wird nur an krankenhausversorgende Apotheken geliefert. Es muss kühl gelagert und transportiert werden (2 bis 8 °C).

 

Clevidipin wird in einer sterilen O/W-Emulsion angeboten, die etwa 0,2 g Lipid/ml enthält. Als Anfangsdosis bekommt der Patient 4 ml/Stunde (entspricht 2 mg Wirkstoff/Stunde). Die Dosis kann alle 90 Sekunden verdoppelt werden. Sie wird auftitriert, bis der gewünschte Blutdruck erreicht ist. Die meisten Patienten sprechen auf eine Dosis von 8 bis 12 ml/h an (4 bis 6 mg/h). In klinischen Studien reichte meistens eine Dosis bis zu 32 ml/h; maximal empfohlen werden 64 ml/h.

 

Clevidipin hemmt Calciumkanäle vom L-Typ, die den Einstrom von Calcium in die glatte Arterienmuskulatur während der Depolarisation vermitteln. Es senkt den arteriellen Blutdruck durch Verringerung des systemischen Gefäßwiderstands (Nachlast), verringert aber nicht den kardialen Füllungsdruck (Vorlast). Es wirkt also nicht auf die venösen Kapazitätsgefäße.

 

Clevidipin entspricht in der Struktur dem Felodipin, ist aber anders verestert. Das Molekül wird in vivo sehr schnell durch Esterasen im Blut und im extravasku­lären Gewebe zum inaktiven Carboxymetabo­liten hydrolysiert. Klinisch zeigt sich das in der kurzen Wirkdauer: Die Wirkung tritt innerhalb von 2 bis 4 Minuten nach Beginn der Infusion ein und hält nach deren Ende nur sehr kurz an (fünf bis 15 Mi­nu­ten). Die Halbwertszeit liegt bei 1 bis 2 Minu­ten (terminal circa 15 Minuten). Der neue Cal­ci­um­ka­nal­blocker wurde in zwei doppelblinden, rando­mi­sierten, placebokontrollierten Phase-III-Stu­di­en an 105 und 110 Herzpatienten (präoperativ und postoperativ) untersucht. 

 

Die Patienten hatten perioperativ einen systolischen Blutdruck über 160 mmHg. Bei mehr als 90 Prozent der Patienten sank der Blutdruck unter Verum innerhalb von 30 Minuten um 15 Prozent oder mehr. Die Wirkung trat innerhalb von zwei Minuten ein. Die mediane Zeit bis zum Erreichen des angestrebten Blutdrucks betrug 6 und 5,3 Minuten.

 

In drei offenen klinischen Studien der Phase III wurden 1506 Patienten randomisiert. Sie erhielten perioperativ Clevidipin, Nitroglycerin, Natriumnitroprussid oder Nicardipin. Clevidipin kontrollierte den Blutdruck besser als Nitroglycerin und Natriumnitroprussid, war dem Nicardipin postoperativ aber nicht überlegen.

 

Häufige Nebenwirkungen waren Vorhofflimmern, Reflextachykardie und Hypotonie. Diese Probleme könnten aber auch mit dem chirurgischen Eingriff an sich zusammenhängen. Bei Tachykardie oder Hypotonie muss die Clevidipin-Dosis halbiert oder die Infusion beendet werden.

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat














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