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NEUE ARZNEISTOFFE

 
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva


Pomalidomid, Imnovid® (Celgene)



Mit Pomalidomid (Imnovid® Hartkapseln, Celgene) ist seit September 2013 eine weitere mit Thalidomid verwandte Substanz in Deutschland im Handel. Pomalidomid ist in Kombination mit Dexamethason zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom indiziert, die zuvor mindestens zwei Vor­therapien, einschließlich Lenalidomid und Bortezomib, erhalten haben und die unter der letzten Therapie eine Progression gezeigt haben. Wie Thalidomid und Lenalidomid darf auch Poma­lidomid nur auf einem T-Rezept verordnet werden.

 

Pomalidomid hat eine direkt gegen das Myelom gerichtete, tumorizide Wirkung, immunmodulierende Wirkungen und hemmt die durch Stromazellen vermittelte Unterstützung des Tumorzellwachstums beim multiplen Myelom. Insbesondere hemmt Pomalidomid die Proliferation und induziert die Apoptose hämatopoetischer Tumorzellen.

 

Patienten nehmen den Wirkstoff peroral ein. Die empfohlene Initialdosis beträgt einmal täglich 4 mg Wirkstoff an den Tagen 1 bis 21 der sich wiederholenden 28-Tage-Zyklen. Patienten sollten das Immunmodulans jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen. Die Dosierung kann auf Basis von klinischen Befunden und Laborbefunden auch modifiziert werden. Für das Auftreten von hämatologischen Nebenwirkungen gibt es in der Fachinformation Anleitungen zur Dosisunterbrechung oder -reduktion. Zudem wird dort darauf hingewiesen, dass Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion hinsichtlich Nebenwirkungen besonders sorgfältig zu überwachen sind.

 

Pomalidomid ist strukturverwandt mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid. Ein teratogener Effekt der neuen Substanz ist damit zu erwarten. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen unter Pomalidomid-Therapie nicht schwanger werden. Sie müssen zuverlässig verhüten und sich vor, während und nach der Therapie Schwangerschaftstests unterziehen. In der Schwangerschaft ist der Wirkstoff kontraindiziert. Männer müssen während der gesamten Dauer der Behandlung, während der Einnahmeunterbrechungen und für sieben Tage nach Beendigung der Behandlung beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden, wenn die Partnerin schwanger oder gebärfähig ist und nicht verhütet.

 

Die EU-Zulassung basiert auf den Ergebnissen einer offenen, randomisierten Phase-III-Studie mit 455 Patienten. Sie verglich die Kombination von Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason gegen eine Monotherapie mit hoch dosiertem Dexamethason. Bei den eingeschlossenen Patienten hatten mindestens zwei Vortherapien, darunter Lenalidomid und Bortezomib, versagt und unter der letzten Therapie oder innerhalb von 60 Tagen nach Therapieende war es bei den Patienten zum Krankheitsprogress gekommen. Die Patienten erhielten 4 mg Pomalidomid an den Tagen 1 bis 21 eines 28-Tage-Zyklus plus 40 mg Dexamethason an den Tagen 1, 8, 15 und 22. In der Kon­trollgruppe nahmen die Patienten 40 mg Dexamethason an den Tagen 1 bis 4, 9 bis 12 und 17 bis 20 eines 28-Tage-Zyklus ein. Über-75-Jährige begannen die Behandlung mit 20 mg des Corticoids. Die Therapie wurde jeweils bis zum Progress oder dem Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgesetzt.

 

Im primären Endpunkt des medianen progressionsfreien Überlebens (PFS) ergab sich nach einem medianen Follow-up von vier Monaten ein signifikanter Vorteil für die Kombination aus Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason von 1,8 Monaten (3,6 versus 1,8 Monate). Das Gesamtüberleben war der wichtigste sekundäre Studienendpunkt. Auch hier zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede in den zwei Behandlungsgruppen zugunsten der Kombinationstherapie. Insgesamt waren etwa drei Viertel der Patienten unter Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason zum Stichtag der Datenerhebung noch am Leben, in der Kon­trollgruppe war es nur 62 Prozent. Die Dauer des medianen Gesamtüberlebens wurde nach den Kaplan-Meier-Projektionen für die erste Gruppe noch nicht erreicht, wird aber mindestens 48 Wochen betragen. Im Kontrollarm betrug die Dauer des medianen Gesamtüberlebens 34 Wochen.

 

Darüber hinaus profitierten laut einer Fragebogen-Erfassung Patienten im Kombinationsarm von einer verbesserten Lebensqualität. Im Vergleich zu Hochdosistherapie mit Dexamethason zeigten sich bei den Parametern körperliche Funktion und Fatigue signifikante Unterschiede zugunsten der Kombination aus Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason.

 

Die in Studien am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems, darunter Anämie (46 Prozent), Neutropenie (45 Prozent) und Thrombozytopenie (27 Prozent); allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort, darunter Fatigue (28 Prozent), Pyrexie (21 Prozent) und peripheres Ödem (13 Prozent) sowie Infektionen und parasitäre Erkrankungen, einschließlich Pneumonie (11 Prozent). Nebenwirkungen wie periphere Neuropathie wurden von 12 Prozent der Patienten gemeldet und venöse embolische oder thrombotische Ereignisse von 3 Prozent der Patienten.

 

Tendenziell traten Nebenwirkungen häufiger in den ersten zwei Behandlungszyklen mit Pomalidomid auf. In der Fachinformation wird dazu geraten, die Patienten auf hämatologische Nebenwirkungen, insbesondere Neutropenie, zu überwachen und ein komplettes Blutbild regelmäßig zu kontrollieren. Das komplette Blutbild ist in den ersten acht Wochen der Behandlung wöchentlich und danach monatlich zu kontrollieren.

 

Unter Pomalidomid wurde über Fatigue, Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit und Schwindel berichtet. Patienten, die betroffen sind, sollten während der Behandlung keine Fahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben.

 

Wenn starke CYP1A2-Inhibitoren, zum Beispiel Ciprofloxacin, Enoxacin und Fluvoxamin, gleichzeitig mit Pomalidomid verabreicht werden, sollten die Patienten engmaschig auf Nebenwirkungen überwacht werden. Zudem kann das Rauchen von Zigaretten die Exposition gegenüber Pomalidomid durch CYP1A2-Induktion verringern. Apotheker können darauf hinweisen, dass Rauchen die Wirksamkeit des Zytostatikums herabsetzen kann.

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat














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