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NEUE ARZNEISTOFFE

 
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva


Enzalutamid, Xtandi® (Astellas Pharma)



Mit Enzalutamid (Xtandi® 40 mg Weichkapseln; Astellas) kam im September 2013 ein neuer oraler Androgenrezeptor-Blocker in den Handel, der mehrere Schritte im Androgen­­­­­rezeptor-Signalweg blockiert. Zugelassen ist der neue Arzneistoff zur Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom, wenn die Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet.

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Enzalutamid bindet stärker am Androgenrezeptor als die eingeführten Antiandrogene Flutamid, Nilutamid und Bicalutamid und blockiert mehrere Schritte in diesem Signalweg. So hemmt er kompetitiv die Bindung von Androgenen an ihren Rezeptor, unterbindet die Translokation aktivierter Rezeptoren in den Nukleus und hemmt die Bindung an die DNA. Dies geschieht sogar bei einer Überexpression von Androgenrezeptoren und in Prostatakarzinomzellen, die resistent gegenüber anderen Antiandrogenen sind. Unter der Therapie nimmt das Wachstum der Krebszellen ab. Enzalutamid kann deren Zelltod und eine Tumorregression induzieren.

 

Die empfohlene Dosis beträgt 160 mg Enzalutamid oral als tägliche Einmalgabe. Der Patient schluckt vier Kapseln als Ganzes mit Wasser, unabhängig von den Mahlzeiten. Bei schweren Nebenwirkungen sollte die Behandlung unterbrochen und später mit der gleichen oder einer niedrigeren Dosis fortgesetzt werden (120 oder 80 mg).

 

Die Wirkung des neuen Medikaments wurde in einer multizentrischen Phase-III-Studie mit fast 1200 Männern mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom nachgewiesen. Bei allen war der Tumor unter einer Chemotherapie mit Docetaxel erneut gewachsen. In der Studie erhielten die Patienten (randomisiert im Verhältnis 2:1) entweder täglich 160 mg Enzalutamid oder Placebo. Mehr als 70 Prozent der 800 Männer, die das neue Medikament erhielten, waren älter als 65 Jahre.

 

Die Studie wurde nach einer geplanten Zwischenanalyse, als 520 Patienten gestorben waren, gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich ein deutlicher Vorteil für Enzalutamid. Die damit behandelten Patienten hatten im Vergleich zu Placebo eine statistisch signifikant längere Gesamtüberlebenszeit (18,4 versus 13,6 Monate). Auch bei den sekundären Endpunkten (Progression von Prostata-spezifischem Antigen – PSA, radiologisch progressionsfreies Überleben und Zeit bis zum ersten skelettbezogenen Ereignis) war Enzalutamid überlegen. Sehr häufige Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Hitzewallungen. Krampfanfälle traten bei 8 von 1000 Patienten auf, obwohl für einen Krampfanfall prädisponierte Personen von der Studie ausgeschlossen waren. Ebenso waren Männer mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen ausgeschlossen. Enzalutamid wird vor allem über CYP2C8 und in geringerem Maß über CYP3A4/5 metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP2C8-Inhibitoren, zum Beispiel Gemfibrozil, und -Induktoren, zum Beispiel Rifampicin, sollte laut Fachinformation möglichst vermieden werden. Ist die Therapie mit einem starken Inhibitor jedoch erforderlich, wird die Tagesdosis von Enzalutamid auf 80 mg reduziert. Der Wirkstoff induziert das Enzym CYP3A4 stark und die Enzyme CYP2C9 und -2C19 moderat. Somit kann er die Wirksamkeit vieler Arzneistoffe beeinflussen. Das volle Wechselwirkungspotenzial zeigt sich unter Umständen erst nach einem Monat Therapie, da dann erst die Steady-state-Plasmakonzentration von Enzalutamid erreicht ist.

 

 

Vorläufige Bewertung: Schrittinnovation


Weiterführende Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002639/WC500144999.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002639/WC500144996.pdf














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