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NEUE ARZNEISTOFFE

 
81 Urologika und Mittel zur Behandlung der Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie


Avanafil, Spedra® (Berlin-Chemie Menarini)



Die Palette der Therapieoptionen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion ist im März 2014 um einen Wirkstoff erweitert worden: Avanafil (Spedra® 50 mg, 100 mg und 200 mg Tabletten, Berlin-Chemie Me­narini) ist nach Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil der vierte Phosphodiesterase 5 (PDE5)-Hemmer auf dem Markt.

 

Avanafil ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Männer mit erektiler Dysfunktion (ED) und soll bei Bedarf etwa 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Wie bei allen anderen Vertretern dieser Wirkstoffklasse passiert ohne entsprechende Reize nichts, das heißt für das Zustandekommen einer Erektion ist sexuelle Stimulation erforderlich. Die empfohlene Dosis von 100 mg einmal täglich kann je nach individueller Wirksamkeit und Verträglichkeit auf 50 mg gesenkt oder auf 200 mg gesteigert werden.

 

Die Wirksamkeit von Avanafil wurde in drei randomisierten, doppelblinden, placebokon­trollierten Studien mit insgesamt 1168 Teilnehmern gezeigt. Diese gehörten entweder zur allgemeinen Population mit ED, waren Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker oder litten infolge einer bilateralen nerven­er­hal­ten­den radikalen Prostatektomie an ED. Die Dosierung betrug je nach Bedarf 50 mg, 100 mg oder 200 mg Avanafil etwa eine halbe Stunde vor Beginn der sexuellen Aktivität. In einer offenen Anschluss­studie testeten zudem 493 der Studienteilnehmer über mindestens sechs Monate und 153 Patienten über mindestens zwölf Monate die Langzeit­be­hand­lung mit Avanafil. Diese Patienten nahmen zunächst 100 mg bei Bedarf ein und konnten die Dosis dann abhängig vom individuellen Ansprechen auf 200 mg erhöhen oder auf 50 mg reduzieren.

 

Avanafil war in allen Studien und in allen Dosierungen Placebo signifikant überlegen. Der mittlere Prozentsatz an Versuchen, die zu erfolgreichem Geschlechtsverkehr führten, betrug in der Gruppe der Allgemeinpopulation mit ED 47, 58 beziehungsweise 59 Prozent nach Einnahme von 50 mg, 100 mg beziehungsweise 200 mg – deutlich mehr als nach Placebo-Einnahme (28 Prozent). Bei Diabetikern und Männern nach Prostatektomie kamen nur die beiden höheren Dosierungen zum Einsatz. Hier lauteten die entsprechenden Prozentzahlen 34 beziehungsweise 40 (100 mg beziehungsweise 200 mg Avanafil) und 21 (Placebo) für Dia­- betiker sowie 23 beziehungsweise 26 (100 mg beziehungsweise 200 mg Avanafil) und 9 (Placebo) für Patienten ohne Prostata.

 

In-vitro-Studien zeigten, dass Avanafil PDE5 um ein Vielfaches stärker hemmt als andere Phosphodiesterasen. Das ist insbesondere in Bezug auf PDE6 und PDE3 relevant, da diese Enzyme am Zustandekommen unerwünschter Arzneimittelwirkungen beteiligt sein können. PDE6 kommt in der Retina vor und ist dort für die Phototransduktion verantwortlich, PDE3 ist im Herzen an der Kontrolle der Kontraktilität beteiligt.

 

Nach der Einnahme wird Avanafil rasch resorbiert, die Tmax beträgt 30 bis 45 Minuten. Fettreiches Essen kann die Resorption verlangsamen. Der Abbau findet vorwiegend in der Leber, hauptsächlich über CYP3A4 und zu einem geringeren Teil über CYP2C9 statt. Die terminale Halbwertszeit beträgt sechs bis 17 Stunden. Die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol oder Ritonavir lässt den Wirkspiegel steigen und ist deshalb kontraindiziert. Bei Patienten, die gleichzeitig mit moderaten CYP3A4-Inhibitoren wie Erythromycin behandelt werden, sollte die Dosis 100 mg Avanafil nicht überschreiten. Zwischen den einzelnen Einnahmen soll in diesen Fällen zudem ein zeitlicher Abstand von mindestens 48 Stunden liegen.

 

Für ältere Patienten ab 70 liegen nur begrenzte Daten vor. Ein Alter des Patienten bis 69 Jahre erfordert keine Dosis­anpassung, ebenso wenig eine leichte bis moderate Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance ≥ 30 ml/min). Ab einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min ist Avanafil kontraindiziert, dasselbe gilt bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Stadium C). Patienten mit leichter bis moderater Leberfunktionsstörung (Child- Pugh-Stadium A oder B) sollten die Behandlung mit der niedrigsten wirksamen Dosis beginnen und diese dann bei Bedarf und abhängig von der Verträglichkeit steigern.

 

Avanafil ist kontraindiziert bei Pa­tienten, die innerhalb der letzten sechs Monate einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine lebensbedrohliche Arrhythmie erlitten haben, bei Männern mit anhaltend zu niedrigem oder zu ho-hem Blutdruck (< 90/50 mmHg oder > 170/100 mmHg) sowie bei Patienten mit instabiler Angina, Angina während des Geschlechtsverkehrs oder mit kongestivem Herzversagen im NYHA-Stadium 2 oder höher. Darüber hinaus stellen ein Sehverlust aufgrund einer nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION, ein sogenannter Augeninfarkt) sowie bekannte erbliche degenerative Netzhauterkrankungen Kontraindikationen für Avanafil dar.

 

Sex ist körperlich anstrengend und belastet daher auch das Herz. Bevor sie einem Patienten Avanafil verordnen, sollen Ärzte daher dessen kardiovaskulären Status erheben. Avanafil wirkt wie alle PDE5-Hemmer gefäßerweiternd und kann die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten verstärken, die daher nicht gleichzeitig angewendet werden dürfen. Aus demselben Grund soll bei Patienten, die Alphablocker einnehmen, eine Avanafil-Behandlung mit der niedrigsten Dosis und nur dann begonnen werden, wenn der Patient stabil auf den Alphablocker eingestellt ist. Alkoholkonsum während der Anwendung von Avanafil kann die Wahrscheinlichkeit eines Blutdruckabfalls erhöhen. Bei Priapismus (Dauererek- tion über vier Stunden oder länger), Seh- oder Hörstörungen nach Avanafil-Einnahme sollen Patienten umgehend einen Arzt aufsuchen.

 

 

Vorläufige Bewertung: Analogpräparat


Weiterführende Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002581/WC500145208.pdf 

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002581/WC500145206.pdf














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