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86 Zytosstatika


Trastuzumab (Herceptin® Trockensubstanz, Roche)

 

Mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab kam eine echte Innovation auf den deutschen Arzneimittelmarkt. Die Trockensubstanz zur Herstellung einer Infusionslösung enthält einen rekombinanten humanisierten IgG1-Antikörper, der sich gegen den menschlichen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2) richtet. Das Rezeptormolekül beschleunigt nach Interaktion mit dem Wachstumsfaktor die Teilungsrate von Krebszellen und deren Ablösung vom Zellverband. Die Antikörper spüren die Rezeptoren an der Zelloberfläche auf, docken dort an und leiten die Zerstörung der Krebszelle durch das Immunsystem ein.

 

Trastuzumab eignet sich nur für die Therapie von Brustkrebspatientinnen, deren metastasierende Tumoren das HER2-Protein überexprimieren. Dabei unterteilten die Zulassungsbehörden die Indikation nochmals in zwei Gruppen: Einerseits ist der Antikörper als Monotherapie indiziert, wenn zuvor mindestens zwei Chemotherapien mit mindestens einem Taxan und Anthrazyklin nicht ansprachen. Andererseits kann Herceptin® auch in Kombination mit Paclitaxel solchen Frauen verabreicht werden, die noch keine Chemotherapie erhalten haben und für die Anthrazykline ungeeignet sind.

 

HER2 wird in 25 bis 30 Prozent aller Mammakarzinome überexprimiert. Studien ergaben, dass diese Patientinnen eine deutlich kürzere krankheitsfreie Überlebenszeit haben. Vor der Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper muss unbedingt der HER2-Status bei den Patientinnen bestimmt werden.

 

In verschiedenen klinischen Studien testeten Wissenschaftler Trastuzumab sowohl als Monotherapie, wenn andere Wirkstoffe zuvor nicht angesprochen hatten, als auch zusammen mit Paclitaxel. In den Tumoren sämtlicher Patientinnen war HER2 mäßig bis stark überexprimiert (Status 3+). Die Kombination sprach im Mittel bei 49 Prozent, Paclitaxel alleine aber nur bei 17 Prozent der Patientinnen an. Ebenso betrug die mittlere Überlebenszeit in der Kombigruppe 24,8 gegenüber 17 Monaten in der Paclitaxel-Gruppe. Auf eine Monotherapie mit Trastuzumab sprachen 18 Prozent der Patientinnen an. Hier betrug die mittlere Überlebenszeit 16,4 Monate.

 

Inzwischen liegen zahlreiche Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser neuen Behandlungsform vor. Neben infusionsbedingten Reaktionen wie Schüttelfrost, Fieber und lokalen Reizungen kam es vor allem zu kardiotoxischen Wirkungen unter Trastuzumab. Daher ist vor allem bei Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz, Hypertonie oder Koronarer Herzkrankheit Vorsicht geboten. Ein EKG ist vor allem dann Pflicht, wenn die Patientinnen zuvor schon Anthrazykline oder Cyclophosphamid erhalten haben. Prinzipiell sollten nur Mediziner mit ausreichender Erfahrung mit dem Antikörper behandeln. Trastuzumab erweitert das Therapiespektrum bei Patientinnen mit metastasierendem Mammakarzinom. Die Gabe von Trastuzumab bedeutet eine neue Hoffnung für Frauen, bei denen eine konventionelle Behandlung wegen der schlechten Prognose bislang aussichtslos war.


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