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NEUE ARZNEISTOFFE

15 Antiepileptika


Topiramat Topamax® Janssen Cilag

 

 

Topiramat ist ein Fructosederivat und zugelassen als Zusatztherapeutikum (Add-on-Therapeutikum) bei Patienten mit partiellen epileptischen Anfällen mit oder ohne sekundärer Generalisierung. In seiner chemischen Struktur unterscheidet sich Topiramat grundsätzlich von bisherigen Antiepileptika. Während manche Antiepileptika die Krampfschwelle herabsetzen, verhindert Topiramat primär die Ausbreitung der Krampfaktivität. Topiramat hat drei Angriffspunkte: Es blockiert die spannungsabhängigen Natriumkanäle und stabilisiert damit das Membranpotential; es aktiviert die GABA-Rezeptoren und verstärkt damit die GABA-vermittelte Inhibition; es hemmt die AMPA-Rezeptoren, einen Subtyp der Glutamat-Rezeptoren und damit das Auftreten AMPA-induzierter Ströme. Auf NMDA-Rezeptoren hat Topiramat keinen Einfluss. Dieser dreifache Wirkungsansatz unterscheidet Topiramat in erster Linie von den bisherigen Antiepileptika, die meistens nur über einen, höchstens zwei Mechanismen ihre Wirkung entfalten. Nach peroraler Applikation wird Topiramat rasch und gut resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt bei 81 Prozent. Topiramat passiert problemlos die Blut-Hirn-Schranke. In klinischen Studien konnte mit Topiramat als Zusatztherapeutikum die Anfallshäufigkeit deutlich gesenkt werden. Bei der Häfte der Patienten wird die Zahl der Anfälle halbiert. Immerhin 4 bis 8 Prozent der Patienten werden anfallsfrei. Auch bei der Monotherapie konnte die Wirksamkeit von Topiramat belegt werden. Als Nebenwirkungen treten ZNS-assoziierte Effekte wie Müdigkeit, Benommenheit , Ataxie und Nervosität am häufigsten auf. Topiramat hemmt die Carboanhydrase. Bei circa 1,5 Prozent der Patienten können deshalb Nierensteine auftreten. Durch eine entsprechende Hydration können Nierensteine weitgehend vermieden werden. Da Topiramat das Cytochrom-P450-System in der Leber induziert, kann die Wirksamkeit anderer Arzneimittel wie orale Kontrazeptiva, Steroide oder Digoxin herabgesetzt werden. Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen gehört Topiramat zu den wirksamsten Arzneimitteln zur Behandlung refraktärer fokaler Anfälle im Erwachsenenalter. Der Einsatz im Kindesalter und bei Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom wird zur Zeit klinisch geprüft.


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