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Komorbiditäten: Psoriasis geht unter die Haut

MEDIZIN

 
Komorbiditäten

Psoriasis geht unter die Haut


Von Annette Mende, Dresden / Psoriasis kann weit mehr sein als die bekannten Plaques trockener, schuppender Haut. Es wird immer deutlicher, dass Patienten mit Schuppenflechte nicht nur häufig an Arthritis leiden. Auch das Risiko für kardiovaskuläre, metabolische und psychische Erkrankungen ist erhöht. Dermatologe und Hausarzt sind hier gleichermaßen gefordert.

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Psoriasis ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine Systemerkrankung. »Bei 70 Prozent der Psoriasis-Patienten liegt mindestens eine Komorbidität vor«, sagte Professor Dr. Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er sprach auf einem von der Firma AbbVie gesponserten Symposium bei der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Dresden über Früherkennung und Diagnostik von Komorbiditäten bei Psoriasis-Patienten.




Bestimmte Erkrankungen und Komplikationen wie Myokardinfarkt treten bei Psoriasis-Patienten häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Mediziner sollten daher auch den Blutdruck und andere Parameter im Blick haben.

Foto: Fotolia/Alexander Raths


Augustin zufolge ist die Rate der noch nicht entdeckten Komorbiditäten bei Psoriasis-Patienten sehr hoch. Um diese frühzeitig zu erkennen, hat er gemeinsam mit anderen Dermatologen im Rahmen der versorgungswissenschaftlichen Studie PsoCom ein Screening-Tool zur Früherkennung entwickelt. Dieses testet auf Adipositas, Dyslipidämie, Diabetes, Bluthochdruck, metabolisches Syndrom, nicht alkoholische Fettleber, Alkohol- und Nicotin-Abusus, Depression, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Psoriasis-Arthritis. Denn all diese Erkrankungen kommen bei Psoriasis-Patienten häufiger vor als bei Menschen ohne Schuppenflechte.

 

Beispiel Diabetes: »Er ist bei Psoriasis-Patienten um den Faktor 2,5 häufiger als in der Allgemeinbevölkerung«, sagte Augustin. Das gelte nicht nur für Patienten mit schwerer Psoriasis, sondern auch für diejenigen, bei denen die Hautsymptome nur leicht ausgeprägt sind. Hautärzte sollen daher bei Patienten mit auffälligen Nüchtern-Glucosewerten einen oralen Glucose-Toleranztest erwägen oder zur weiteren Ab­klärung direkt an den Hausarzt überweisen.

 

Beim Blutdruck müssen Augustin zufolge strenge Obergrenzen eingehalten werden, denn »Komplikationen wie ein Myokardinfarkt treten bei Psoriasis-Patienten statistisch mehr als doppelt so häufig auf wie bei altersgleichen Patienten ohne Psoriasis«, sagte der Arzt. Daher sollten Dermatologen ihre Psoriasis-Patienten ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg, beim Vorliegen von zwei oder mehr anderen kardiovaskulären Risikofaktoren schon ab 130/90 mmHg zur Einstellung an einen Kollegen überweisen.


Fakten zu Psoriasis

Psoriasis ist eine familiär gehäuft auftretende, entzündliche Dermatose, die sich meist im Alter von 10 bis 30 Jahren das erste Mal manifestiert. Typisch sind stark schuppende, teilweise juckende und scharf umgrenzte Plaques auf der Haut sowie Veränderungen der Nägel. Die chronische Erkrankung verläuft schubweise. Wie bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen scheinen auch bei Psoriasis TNF-α und andere Zytokine an der Pathogenese beteiligt zu sein. TNF-α stellt das Bindeglied zwischen der Psoriasis und den beobachteten Komorbiditäten dar. Mit Infliximab, Etanercept und Adalimumab sind bereits einige TNF-α-Hemmer zur Behandlung der Psoriasis zugelassen. Weitere mögliche Therapieansätze sind die Blockade der Interleukine 17, 12 und 23 sowie die Modulation antimikrobieller Peptide.


Zusammen mit einer Lipidstoffwechselstörung und Adipositas bilden Diabetes beziehungsweise Insulinresistenz und Bluthochdruck das sogenannte metabolische Syndrom, dessen Prävalenz bei Psoriasis-Patienten ebenfalls erhöht ist. Bei Patienten mit Schuppenflechte ist die abdominelle Fettleibigkeit darüber hinaus nicht nur als kardiovaskulärer Risikofaktor bedenklich. »Adipositas mit einem Body-Mass-Index über 30 ist auch ein Prädiktor für ein schlechtes Therapie-Ansprechen«, berichtete Augustin. So sei etwa eine Therapie mit dem Immunsuppressivum Ciclosporin A bei fettleibigen Patienten deutlich erfolgreicher, wenn es gelänge, sie zum Abnehmen zu bewegen.

 

Depressionen häufig

 

Dass es Menschen mit sichtbaren Hautveränderungen auch psychisch schlecht geht, liegt auf der Hand. Viele Psoriasis-Patienten fühlen sich aber auch nach Abheilen der Hautläsionen nicht unbedingt besser. »Depressionen sind bei Psoriasis-Patienten um den Faktor zwei häufiger als in der Allgemeinbevölkerung, auch ohne Läsionen der Haut«, sagte Augustin.




Bei Hautläsionen leidet auch die Psyche: Depressionen sind bei Psoriasis-Patienten häufig.

Foto: Fotolia/Fania300


Zur ersten Abklärung auf Handlungsbedarf dienen im PsoCom-Tool zwei einfache Fragen: »Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?« und »Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?« Beantwortet der Patient beide Fragen mit Ja, sollte er an einen Spezialisten überwiesen werden. Bei nur einer positiven Antwort sollte der Dermatologe das Problem im Blick behalten und beim nächsten Termin erneut nachfragen.

 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind bei Psoriasis-Patienten 3,5-mal häufiger als bei Hautgesunden. »Das geht schon im Kindesalter los: Bereits im Alter von 10 bis 18 Jahren ist die Häufigkeit erhöht«, sagte Augustin. Dermatologen sollten also bereits beim ersten Auftreten der Psoriasis (siehe Kasten) auch nach den typischen Symptomen der CED wie häufigen Durchfällen fragen.

 

Mit Abstand die häufigste Komorbidität der Schuppenflechte ist die Psoriasis-Arthritis. Etwa jeder fünfte Patient ist betroffen. »Eine schwere Psoriasis stellt hier zwar einen Prädiktor dar. Aber ob ein Patient Psoriasis-Arthritis hat oder nicht, sieht man nicht unbedingt an der Schwere des Hautstatus«, so Augustin. Gezielte Fragen nach Morgensteifigkeit, tiefsitzenden Kreuzschmerzen sowie Schwellungen und Schmerzen der Gelenke führen auf die richtige Fährte. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2013

 

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